"Du wirst heillos Geduld haben müssen mit mir." Liebesbriefe.

Seit Langem mal wieder eine Neuauflage von Friedrich Glauser, Namenspatron unserer GLAUSER-Preise.

Glauser ist einer der ersten und zugleich bedeutendsten deutschsprachigen Kriminalautoren.
Sein Leben war geprägt von Drogenabhängigkeit und Internierungen in psychiatrischen Anstalten. Trotzdem erlangte er mit seinen Erzählungen, vor allem jedoch mit seinen fünf Wachtmeister-Studer-Romanen, literarischen Ruhm. 

Wir nehmen diese Neuerscheinung, die wir als "Buchempfehlung der Woche" gewählt haben, zum Anlass, in dieser Woche, sein Werk wieder einmal hervorzuheben.

Heute hat uns der Herausgeber der "Liebesbriefe", Manfred Papst, ein paar Worte zu Friedrich Glauser geschrieben:

«Friedrich Glauser war ein begnadeter Briefschreiber, wie seine Korrespondenz mit Schriftstellerkollegen, aber auch mit der Amtsvormundschaft und mit seinem Psychiater zeigt. Nie aber lief er zu grösserer Form auf, als wenn er Frauen umgarnte. Manchmal wollte er sie nur unterhalten oder entzücken, sich an sie anlehnen oder sie zu Komplizinnen seiner Gedanken und Phantasien machen. Meistens aber führte er etwas im Schilde. Da spielte er auf allen Registern, auch wenn im Hintergrund immer die gleichen Themen Glausers Alltag prägten: die anhaltende Drogensucht und die damit verbundene chronische Finanznot sowie die durch innere und äussere Zwänge bestimmte Unmöglichkeit, eine halbwegs gesicherte Existenz zu führen. Glauser gab sich in seinen Briefen ganz. Er war eine komplexe Persönlichkeit: Opfer und Täter in einem, gewissenhafter Autor und gerissener Finanzjongleur, Filou und Romantiker. Das macht ihn und seine Bücher so interessant. Er hat hinreissende Krimis geschrieben, aber sein eigentlicher Krimi war sein Leben. Ich selbst bin seinen Büchern erstmals in den 1970er Jahren als Student begegnet und habe dann in den 1980er Jahren an der grossen Ausgabe seiner Werke und Briefe mitgewirkt. Bernhard Echte und ich haben dieses Projekt seinerzeit gemeinsam begonnen; als ich 1989 zur Neuen Zürcher Zeitung wechselte, hat er es allein zu Ende geführt. Als Leser bin ich von Glauser aber immer fasziniert geblieben; beim Wiederlesen hat er mich nie enttäuscht, und ich entdecke bis heute immer wieder neue Facetten an ihm.»

Manfred Papst

Autor, Journalist (NZZ Kulturredaktion) und Mitherausgeber von Glausers "Werken und Briefen"