So unselig schön
So unselig schönvon Inge Löhnig
Ullstein
ISBN 978-3548282084
Preis 8,95 €
„Alle, die ich liebe, sterben!“
In einer leerstehenden Brauerei im Süden Münchens wird eine enthauptete Frauenleiche gefunden. Kommissar Dühnfort wird bald klar, dass er einen Serientäter jagt, der von Bildern besessen sein muss. Die junge Fotografin Vicki hingegen, die die Leiche gefunden hat, ermittelt auf eigene Faust. Sie kommt dem Mörder schließlich gefährlich nahe …
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Inge Löhnig,
hat an der renommierten Münchner Akademie U5 Grafik-Design studiert. Nach einer Karriere als Art-Directorin in verschiedenen Werbeagenturen gründete sie ein Designstudio und lebt heute als selbständige Grafik-Designerin und Autorin mit ihrer Familie in der Nähe von München. “Der Sünde Sold” war ihr erster Kriminalroman, der nächste mit Kommissar Dühnfort, „In weißer Stille“, wird im Februar 2010 erscheinen.
http://www.inge-loehnig.de
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Drei Fragen an Inge Löhnig
Warum haben Sie sich für ein Leben mit dem Verbrechen entschieden?
Weil ich es liebe, Situationen zuzuspitzen, und dafür ist der Kriminalroman bestens geeignet.
Was ist Ihre Lieblingstatwaffe?
Die gibt es nicht. Die Tatausführung ist mir weniger wichtig als der Weg dorthin.
Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Wie lautet denn die Anklage?
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Pressestimmen
„Wie mit einem Skalpell fährt Inge Löhnig ihren Figuren zwischen die Nervenbahnen und seziert akribisch ihre Beweggründe.“
BR zu Der Sünde Sold
„Ein Muss für Fans von packenden Ermittlerkrimis. Für mich bislang das beste Krimidebüt des Jahres.“ Sebastian Fitzek zu Der Sünde Sold
„Spannung vom Feinsten! Absolut empfehlenswert. Nicht nur für Krimifans!“
Clemens Benke, Klassikradio 24.1. 2010 zu In weißer Stille
„Mehr davon!“
Freundin 4/2010 zu In weißer Stille
„Meisterhafte Erzählkunst verbindet sich bei Inge Löhnig mit psychologischer Spannung.“
Süddeutsche Zeitung, 11.2.2010 zu In weißer Stille
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Leseprobe
Prolog
Das Licht des Tages fiel durch das Atelierfenster auf eine Leinwand und beleuchtete, wie durch ein seidenes Tuch gefiltert, gleichmäßig und weich, eine zierliche, mit Erdbeeren gefüllte Porzellanschale, die am Rande des Bildes im Hintergrund verschwamm. Das Rot einiger Beeren schälte sich aus den umbrafarbenen Schatten, drängte sich ins Licht. Die Spitze eines Pinsels näherte sich, und tupfte einen Hauch von Zinkweiß über mit Siena abgedunkelte Bereiche und verlieh so den Früchten Plastizität.
Der Maler trat einen Schritt zurück, kniff die Augen ein wenig zusammen und prüfte, ob die erwünschte Wirkung erzielt war, indem er sie mit der Vorlage auf der anderen Staffelei verglich.
Perfekt.
Seine Schultern waren nach zwei Stunden Arbeit verspannt, er legte Pinsel und Palette beiseite und reckte sich. Genug für heute. Sorgfältig säuberte er die Malutensilien, holte dann Glas und Flasche aus einem Schrank in der Ecke, schenkte sich einen Grappa ein, kehrte zur Staffelei zurück und betrachtete das noch unvollendete Gemälde.
Der Geruch des Getränks vermischte sich mit den Ausdünstungen von Ölfarbe und Malmittel. Mit einem Schluck leerte er das Glas, fühlte ein Brennen in Mund und Kehle und einen Augenblick später im Magen.
Die Schale voller Erdbeeren war ihm gut gelungen, und die Entscheidung, nur die Früchte zu zeigen und auf die Darstellung der Blüten zu verzichten, erwies sich als richtig. Schließlich schrieb Ovid in seinen Metamorphosen von den zwanglos gewachsenen Speisen, von denen die Menschen des Goldenen Zeitalters sich ernährt hatten, und nicht von den Vorstufen ihrer Entstehung, den Blüten, die außerdem für Reinheit standen. Und Reinheit war in diesem Gemälde so fehl am Platz wie eine Hure im Kloster.
Das Goldene Zeitalter. Der Garten Eden. Das Paradies. Die Erdbeeren waren ein Symbol dafür. Ein winziges Detail am Rande, ebenso wie die Tulpen, die sich gleichfalls im Bildhintergrund versteckten. Zeichen kostbarer Schönheit und Vergänglichkeit angesichts des Todes. Nichtigkeiten, nette Spielereien. Nur jene, die ihre Bedeutung kannten, wären in der Lage, in diesem Gemälde zu lesen, seine wahre Botschaft zu entschlüsseln. Aber niemand würde es je zu Gesicht bekommen.
Er schenkte sich einen weiteren Grappa ein, schaltete die Musikanlage an und setzte sich in den abgewetzten Ledersessel, der in einigem Abstand zur Staffelei stand.
Während er trank, einem Streichquartett von Henryk Górecki lauschte und das Licht allmählich silbrig wurde, sich die Dämmerung herabsenkte und sich das im Werden begriffene Bild in Schatten hüllte, bis nur noch der marmorweiße, noch nicht ausgearbeitete weibliche Torso im Zentrum der Leinwand im Zwielicht schimmerte, fragte er sich wieder einmal, warum er diese Bilder malte. Ihre ihm tiefen seelischen Frieden gebende Wirkung war ihm ein Rätsel. Und wie immer, wenn er versuchte die Ursache dafür zu ergründen, begann er zu frösteln, erschien es ihm, als irre er durch Nebel wie ein Kind, das sich verlaufen hatte.
Kälte breitete sich in ihm aus. Mit einem weiteren Schluck aus dem Glas vertrieb er sie, lehnte den Kopf in den Nacken.
Seit die Unruhe ihn erneut ergriffen und er vor einigen Wochen diese Vase gekauft hatte, diesen Sarg aus Kristall, wusste er, dass es wieder so weit war, worauf es hinauslaufen würde.
Er schloss die Augen, verfolgte, wie die Musik sekündlich an Tempo gewann, Fahrt aufnahm, wie sie von einem leisen, traurigen Celloton zu einem unheilschwangeren Brausen anschwoll, zu einem dem Abgrund entgegeneilendem Jagen wurde, über dem dennoch ab und an ein hoher, hoffnungsvoller Ton schwebte, sich zu behaupten versuchte, obwohl es keine Rettung gab.
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