Secret Service

Secret Service
von Das SYNDIKAT

Gmeiner
ISBN 978-3839211694
Preis 9,90 €

Das SYNDIKAT-Jahrbuch 2011

Secret Service – das ist Krimi lesen, Krimi schreiben, Krimi hören, Krimi vermarkten, Krimi rezensieren, Krimipreise vergeben und das eine oder andere unbekannte Detail aus dem Leben von Krimiautoren.
Das Jahrbuch des SYNDIKATs, der Vereinigung deutschsprachige Kriminalliteratur, bietet zum vierten Mal einen spannenden und informativen Mix rund um das Thema Krimi im deutschsprachigen Raum.
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Drei der kriminellen Kollaborateure,

stellvertretend für die über 50 SYNDIKAT-Mitglieder, dank deren Mitarbeit das Jahrbuch 2011 kriminell gute, spannende, informative und witzige Unterhaltung bieten kann.

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Leseprobe

Dass der deutschsprachige Krimi den Vergleich mit der Kriminalliteratur anderer Sprachen nicht zu scheuen braucht, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Dass er höchst lebendig und facettenreich ist, beweist einmal mehr das nun vorliegende Jahrbuch des SYNDIKATs. Im diesjährigen Secret Service befassen sich die Autorinnen und Autoren mit einer breiten Palette an Themen: So wird zum Beispiel der Frage nachgegangen, ob der Krimi Literatur ist, mit einem für Krimiautoren nicht überraschenden Ergebnis; die Frage, ob der Regionalkrimi als Fluch oder Segen betrachtet werden kann oder soll, bringt die unterschiedlichsten Antworten; Erfahrungsberichte von Lesungen geben spannende Einblicke in die Arbeit von Krimiautorinnen und –autoren abseits vom Schreiben, ebenso wie die Erlebnisse des 1. FC Criminale bei der Fußballweltmeisterschaft. Natürlich sind auch dieses Jahr die Befragungen der Friedrich-Glauser-Preisträgerinnen und -Preisträger sowie der Hansjörg-Martin-Preisträgerin ein fixer Bestandteil des Jahrbuchs, und selbstverständlich kommt auch der Krimi als solches nicht zu kurz: Mehrere Kurzkrimis bieten nicht nur spannende Unterhaltung, sondern auch einen schönen Querschnitt durch das Schaffen deutschsprachiger Krimiautorinnen und –autoren, wobei es auch in diesem Jahr wieder ein interessantes Kettenkrimi-Experiment gab. Aus einer kurzen Vorgabe schufen zwanzig Autorinnen und Autoren in zwei Schreibteams jeweils einen Kurzkrimi.
Nach diesem kurzen Vorgeschmack auf die Vielfalt an Themen und Geschichten, die Sie im Secret Service dieses Jahr erwarten, möchte ich mich herzlich bei allen bedanken, die daran mitgearbeitet haben und vor allem bei unserem Verleger, Armin Gmeiner, der die Veröffentlichung des Jahrbuchs dieses Jahr schon zum zweiten Mal möglich gemacht hat. Vielen Dank!
Und hier noch als Vorgeschmack einer der Beiträge …

Saison der Sensationen: Wie der FC Criminale einmal fast Fußball-Europameister wurde
von Peter GodazgarIhre Spielzüge bieten seit Langem Inspiration für ganze Trainer-Kohorten, ihre Technik verzaubert bereits Sechsjährige, ihre körperliche Fitness lässt Zuschauer beiderlei Geschlechts regelmäßig und reihenweise in Ohnmacht fallen. Doch nicht nur die Spieler des FC Barcelona, auch diejenigen des FC Criminale verstehen es immer wieder, die Zuschauer zu verzaubern.
Im Jahr 2010 gab es so viele Gelegenheiten wie nie zuvor, sich von den sympathischen Krimi-Kickern in den Bann ziehen zu lassen. Erstmals nahm der FC Criminale an der Fußball-Europameisterschaft der Autoren-Nationalmannschaften teil, dem „Ruhr-Lit-Cup 2010“. Ausgetragen wurde das Turnier der Turniere Ende April, Anfang Mai in den Ruhr-Metropolen Unna und Dortmund. Qualifizieren konnte sich nur, wer zehn Mal hintereinander ganz schnell „Fußball-Europameisterschaft der Autoren-Nationalmannschaften“ sagen konnte.
Dem sportlichen Großereignis ging eine minutiös geplante Vorbereitung voraus. Jeder Spieler bekam die CD „Fetenhits Fußball 2010“, ein Panini-Album, die Collector’s Box der Serie „Manni, der Libero“, das Buch „Fußballtricks für Kids“ und ein „Willi will’s wissen“-Fußballquiz. Doch auch die körperliche Betätigung sollte nicht zu kurz kommen: Gleich mehrfach schaute sich das Team gemeinsam den Film „Das Wunder von Bern“ an. „Das hat den Zusammenhalt unheimlich gefördert“, erinnert sich Teamchef Andreas Izquierdo. Kein Wunder, dass der FCC als haushoher Favorit ins Ruhrgebiet reiste.
Doch um es vorweg zu sagen: Was als Triumphzug geplant war, endete in einer hässlichen Melange aus Unsportlichkeiten und Tricksereien – zum Nachteil des FC Criminale, versteht sich. Höchste Zeit, an dieser Stelle mal einige Dinge gerade zu rücken. Am Anfang stand das schon fast traditionelle Los-Pech: Während sich Österreich, Schweden, England und die Türkei in der Gruppe 1 sämtlich Hoffnung auf ein problemloses Weiterkommen machen durften, bildete der FC Criminale mit Italien, Ungarn und einer bis dahin weithin unbekannten Spielvereinigung namens „Autorennationalmannschaft“ die sogenannte Todesgruppe.
Freilich, als Ausrede soll das nicht dienen. Für den FCC gilt die alte Boris-Becker-Weisheit: „Unter Druck am stärksten.“ Als größeres Problem erwies sich für die Spieler die deutlich verkürzte Spielzeit: Statt zweimal 45 Minuten wurden in der Vorrunde immer nur zwei Halbzeiten zu je 20 Minuten gespielt. Eine bewusste Benachteiligung? Teamchef Izquierdo will nicht nachkarten, sagt aber auch: „Jeder weiß, dass wir unsere Stärken erst ab der 20., oft sogar erst ab der 42. Spielminute voll entfalten.“ (An dieser Stelle sei nur auf das Spiel gegen eine Landesauswahl österreichischer Sport-Journalisten in Wien hingewiesen: Seinerzeit, im Jahr 2008, verlor der FCC unglücklich 4:19 – indes: drei der vier FCC-Tore fielen in der zweiten Halbzeit!)
Umso mehr ehrt es die FCC-Spieler, aus der misslichen Ausgangssituation das Beste gemacht zu haben. Immer wieder gelang es dem Team, den Gegner enorm unter Druck zu setzen; oft stand es noch mehrere Minuten nach Anpfiff 0:0. Der aus dem Nordkaukasus stammende legendäre Trainer des FC Criminale, Andrejew Seysigstikow, war zwar zur EM nicht persönlich anwesend, konnte seiner Mannschaft aber ein ums andere Mal per Fax wichtige Impulse geben („Das muss mehr aus der Tiefe kommen!“, „Nach vorne, Männer!“, „Enger stehen!“, „Gut!“, „Nein!“).
Eine böse Überraschung dann nach der Vorrunde. Der äußerst unorthodoxe Spielplan sah vor, dass der jeweils Viertplatzierte einer Gruppe nicht mehr um den EM-Sieg mitkicken durfte. „Das war natürlich ein herber Schlag für uns“, erinnert sich FCC-Stürmerstar Norbert „Bomber“ Horst, der übrigens Torschützenkönig des Turniers wurde – genauer: der FCC-interne Torschützenkönig. Gleichwohl steckte die Mannschaft nicht auf und ging hochmotiviert ins alles entscheidende Spiel um Platz 7 (das so genannte „ganz, ganz, ganz, ganz kleine Finale“). Doch erneut hatte der FCC das Pech auf seiner Seite: Lange konnte die Mannschaft das Spiel ausgeglichen halten – erst fünf unglückliche Gegentreffer retteten Österreich über die Spielzeit.
So passt es wohl nur ins Gesamtbild, dass auch die großen Hoffnungen, die man aufs Rahmenprogramm gesetzt hatte, enttäuscht wurden. Vor allem eine mit dem Titel „Balzen“ überschriebene Veranstaltung hatte das Interesse der FCC-Kicker geweckt. „Hier hätten wir unsere Stärken voll ausspielen können“, sagt Kapitän Izquierdo. Indes war für seine Mannschaft nur die Rolle des Zuschauers vorgesehen. Auf der Bühne lasen Menschen in fremden Sprachen Texte mit fragwürdigem Inhalt. Immerhin: In kleinem Kreis konnte der FCC seine wortakrobatischen Qualitäten später am Kneipenpersonal eindrucksvoll demonstrieren. Zumindest bis man dann rausgeworfen wurde.
So blieb für den FCC am Ende – wieder mal – nur der Titel „Meister der Herzen“. Auch die Schirmfrau der Veranstaltung, die fußballpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Claudia Roth, zeigte sich begeistert vom „spirit“ und der „passion“, die das Team ausstrahlt: „Nee, klar, FC Criminale, tolle Mannschaft“, sagte sie. „Irgendwie eine Mischung aus Barca und ManU, gar keine Frage, aber könnten Sie jetzt bitte die Pistole wegnehmen?“
Grund zur Traurigkeit sieht man beim FCC dennoch nicht. Kapitän Izquierdo argumentiert: „Ja, gut. Ich hatte meinen Spielern gesagt, wir sollten uns achtbar aus der Affäre ziehen. Wahrscheinlich haben diese Trot…, ähm, meine lieben Kollegen verstanden, wir sollten uns als Achter aus der Affäre ziehen. Na und? Ich meine, das war doch alles von vornherein eine abgekartete … Pfff. Die haben uns doch von vorne bin hinten … Ach. Lasst mich doch in Ruhe! Ist doch alles sinnlos!“

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