Willkommen im Survival-Camp für Autorinnen und Autoren!

Im Dickicht des Literaturbetriebs zu überleben, dafür gibt es den einen oder anderen Trick.

In unserer heutigen Survival-Lektion geht es um eine Situation, in der sich selbst gestandene Profis noch zum Deppen machen können: um das Interview.

Wozu muss ich das lernen, ich will doch nur schreiben ...

Krimi schreiben, Verlag finden, veröffentlichen und fertig? Von wegen!

Natürlich erwarten die Verlage eine aktive Mitarbeit bei der Vermarktung der eigenen Bücher. Und selbst wer sich nicht um die aktive Pressearbeit zu kümmern braucht, muss doch zumindest die Interviews selber geben.

Aber ich hab immer Lampenfieber ...

Haben wir alle, auch die Profis unter uns. Aber mit der richtigen Vorbereitung und ein paar Tricks kriegt man das in den Griff. Was ist aber, wenn ich mich verspreche? Ein Großteil der Radio- und TV-Interviews werden ja gar nicht live geführt, sondern sie werden aufgezeichnet. Was ist da also der schlimmste Fall? Genau, man bricht eine Frage ab und fängt noch einmal von vorne an. Aber so weit muss es nicht kommen. Gönnt euch gut zwei Minuten Ruhe vor der Aufnahme. Manchen hilft es, Nervosität und zitternde Hände einfach wegzudrücken. Dafür presst man Daumen und Zeigefinger für zehn Sekunden fest zusammen und atmet tief ein und aus. Danach loslassen und Entspannung genießen. Oder ihr konzentriert euch darauf, euren linken, kleinen Zeh bewusst zu entspannen, das geht zwar nicht wirklich, aber allein die Vorstellung genügt, und schon nach wenigen Sekunden entspannt sich der ganze Körper.

  • Denkt immer daran: Ihr wisst, was ihr sagen wollt.
  • Keiner kennt euer Buch besser als ihr selber.
  • Ihr seid überzeugt von dem, was ihr tut, ihr müsst euch nicht verteidigen.
  • In 98 Prozent aller Fälle will euer Gegenüber euch nur Gutes: eine Story, ein interessantes, lebendiges Interview

und vor allem:

  • Es ist euer Interview!
Worauf sollte ich bei meinen Antworten generell achten?

Zum Beispiel im Radio ...

Radio ist das meist genutzte Begleitmedium, aber es ist eben nur ein Begleitmedium. Ein Beitrag von zweieinhalb bis drei Minuten gilt heute schon als lang. Das unterscheidet ihn von einer Reportage. Interviewpassagen in diesem Beitrag, die sogenannten "O-Töne" (also Original-Töne), sind nie länger als jeweils 40 Sekunden, und das ist eigentlich schon die Obergrenze.

Daran solltet ihr bei einem Interview denken. Eine Antwort, die eine Minute oder länger dauert, wird gekürzt und zusammengeschnitten.

Zum Beispiel im Fernsehen ...

Bei einem TV-Interview wirkt die Aussage ...

zu 38 Prozent durch die Stimme (Tonfall, Wortwahl, Sprechweise)

zu 55 Prozent durch die Körpersprache (Auftritt, Bewegung, Gestik)

und nur

zu 7 Prozent durch den Inhalt.

Daher gilt hier: Wer sich seiner Stimme und Körpersprache bewusst ist, kann sich auf den Inhalt konzentrieren.

Das Ganze kann man intensiv trainieren, angefangen beim richtigen Dresscode, über den Einsatz von Gesten bis hin zum Umgang mit unliebsamen Fragen. Für den Anfang sollen folgende Tipps reichen:

  • Blickt euren Gesprächspartner freundlich und ungezwungen an.
  • Schaut nicht direkt in die Kamera, fragt den Interviewer, welche Blickrichtung er wünscht.
  • Senkt nie den Blick, das signalisiert Unsicherheit.
  • Klärt vorab den Bildausschnitt, dann wisst ihr, wie weit ihr Gesten einsetzen könnt.
  • Zeigt bei den Antworten nie auf Objekte, die der Zuschauer gar nicht wahrnehmen kann.
  • Beugt euch nicht zum Mikrofon vor, die richtige Lautstärke ist Sache des Tontechnikers.
Und grundsätzlich gilt bei allen Interviews die PEKKI-Regel.

Die PEKKI-Regel

Egal, für welches Medium ihr ein Interview gebt: Haltet ihr euch an die PEKKI-Regel, gewinnt ihr bei den RedakteurInnen Freunde fürs Leben. PEKKI steht für: persönlich, kompetent, knackig, interessant.

Sprecht für euch, von eurer Person. Versucht es nicht mit Allgemeinplätzen oder Statistiken, redet von euren eigenen Erfahrungen - bleibt persönlich.

Überlegt euch vorher Antworten auf die häufigsten Fragen:

Wie kamen Sie auf die Idee zu Ihrem Buch? Worum geht es, kurz gesagt, in Ihrer Story? Welche Erwartungen haben Sie? Warum war Ihnen das Thema wichtig?

Darauf solltet ihr eine kompetente Antwort parat haben.

Gebt knackige Antworten, denkt daran, länger als 40 Sekunden, und es wird geschnitten. Besser, ihr packt nur drei Informationen in eine Aussage.

Interessant wird eine Antwort, wenn ihr lebendig sprecht, verständlich, ohne Fachbegriffe, ohne komplizierte Nebensätze. Ihr müsst nicht druckreif sprechen, da darf auch mal etwas bekloppt sein ...

Lächelt beim Sprechen, dann klingt eure Stimme gleich freundlicher.

Die PEKKI-Regel hilft den Zuhörern und Zuschauern: Lange Sätze mit vielen eingeschobenen Nebensätzen werden von den Hörern nämlich nicht verstanden. Sie hilft aber auch euch selbst: Die wenigsten von uns haben lange Aussagen wirklich im Griff. Viel häufiger beginnt man, sich zu verhaspeln, verliert den Faden oder wiederholt sich.

Und noch ein Tipp: Selbst wenn ihr die Fragen schon Tage vorher kennt, lernt keine Antworten auswendig. Manchmal wird eine Frage variiert und bei einer auswendig gelernten Antwort ist dann zappenduster.

So viel zu unserer heutigen Survival-Lektion. Worauf ihr vor und während eines Interviews achten solltet und was man bei unliebsamen Fragen tun kann - darum geht es dann in der nächsten Lektion.

Bis dahin – bleibt knackig!
Euer Andreas

Mehr über Andreas J. Schulte hier.