Jetzt, wo es soweit war, hatten wir beide nicht viel zu sagen. Wir saßen uns an meinem Schreibtisch einfach nur gegenüber. Zwei alte, weißhaarige Raubeine. Aussterbende Rasse. Ich, der Ganove, und er, der Bulle. Wir saßen da und sahen uns schweigend in die Augen. Wortlos schenkte ich uns einen Whisky ein. Einen guten. Einen letzten. Gehört sich doch so. Als Dank richtete der Scheißkerl seine Dienstwaffe auf mich. Mit der anderen Hand nahm er sein Glas, prostete mir zu und leerte es in einem Zug. „Glauben Sie mir, Herr Kommissar, ich morde nur noch am Schreibtisch. Ehrlich! Sehen Sie hier, ich schreibe meine Memoiren. Sie kommen natürlich auch drin vor, im letzten Kapitel!“ Stolz schob ich ihm meine Kladde hin. Das mit dem PC würde ich auf meinen alten Tagen nicht mehr anfangen, musste mein Lektor eben alles abtippen. Doch der verdammte Bulle sah nicht einmal hin. „Können wir?!“. Mit seiner Knarre forderte er mich auf, aufzustehen. Ich nickte. Und blieb sitzen. Mit dem Knie betätigte ich die Abzugsvorrichtung meiner .38 Special, die ich für solche Situationen unter der Tischplatte montiert hatte. „Lies es von meinen Lippen, Bulle: Schreib-tisch-täter!“. Ich leerte mein Glas und schrieb unter das letzte Kapitel: Ende.

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