Das SYNDIKAT verleiht seit dem Jahr 2000 den Hansjörg-Martin-Preis für den besten Kinder- oder Jugendkrimi des Jahres. Die Auszeichnung ist mit 2.500 Euro in nicht fortlaufend nummerierten Scheinen dotiert und wird von einer Jury vergeben, in der Autorinnen und Autoren sowie Kinder und Jugendliche mitwirken. Der Preisträger 2018 wurde am Samstag, dem 5. Mai 2018 während der 32. CRIMINALE, des Jahrestreffens des SYNDIKATs, in Halle verkündet und geehrt.

Preisträger des Hansjörg-Martin-Preises 2018:

Ramadan GlückIstWasFürAnfängerRamadan OrtwinOrtwin Ramadan
Glück ist was für Anfänger, Coppenrath

Oleg ist fünfzehn und kämpft sich von einem Job zum nächsten. Er lebt bei seinem kriminellen Bruder Mark und dem alkoholkranken Vater, und manchmal besucht er seine Mutter in der Psychiatrie. Um aus diesem Leben zu fliehen und seinem Traum von Australien nachzujagen, nimmt Oleg an einem Einbruch teil, der von seinem Bruder und einem Freund geplant ist. Doch der misslingt gründlich. Während die anderen fliehen können, wird Oleg von dem gleichaltrigen Millionärssohn Maximilian, der im Rollstuhl sitzt, gestellt. Um ihn vor einer Verhaftung zu bewahren, schlägt dieser Oleg einen Deal vor: Er muss für ihn arbeiten. Maximilian besitzt eine seetüchtige Jacht, und Oleg soll ihn auf einer Fahrt begleiten. Das erweist sich allerdings als schwieriger als geplant. Nach einer Entführung kann die Reise endlich losgehen. Aber Mark und andere Verbrecher sind ihnen auf der Spur, eine aberwitzige Verfolgungsjagd mit der Polizei und Presse beginnt. "Man kann sich sein Leben nicht aussuchen, aber man kann das Beste daraus machen", sagt Oleg am Ende dieses spannenden Jugendromans, der zeigt, dass auch feste soziale Grenzen im zwischenmenschlichen Bereich aufbrechen können und so etwas wie Veränderung möglich ist. Die beiden Protagonisten werden differenziert und glaubwürdig dargestellt – der eine als "arrogantes Arschloch", der andere als "Vollidiot". Trotzdem wirken sie in ihrer Unverblümtheit und Frechheit sympathisch, und man kann nur hoffen, dass diese seltsame Beziehung ein gutes Ende findet. Ein fulminantes und actionreiches Ende hat der Roman allemal. Die Jurymitglieder waren sich einig: Die Lektüre dieser rasanten und sehr zu Herzen gehenden Geschichte hat allen einen Riesenspaß gemacht.

 


Außerdem nominiert waren:

Lieske MeinFreundCharlietanya lieske 1Tanya Lieske
Mein Freund Charlie, Beltz & Gelberg
Der zehnjährige Niks muss mit seinem Vater von Lettland nach Deutschland ziehen. Zu seinem Glück findet er bald einen Freund. Charlie hilft ihm, sich in dem neuen Land zurechtzufinden. Er lehrt ihn einige Tricks, nicht alle ganz legal. Die beiden Jungs werden in ein Verbrechen hineingezogen. Unbedarft, mit staunendem Blick versucht Niks, in dieser Welt klarzukommen. Liebenswerte Figuren bevölkern diese erfrischend unpädagogische Geschichte.






Linker DerSchussLinker BarbaraDünkelmann

  • Christian Linker
    Der Schuss
    , dtv
    In einem sozialen Brennpunkt wirbt der karrierebewusste junge Rechtspopulist Fred für seine Partei. Sein ehemaliger Kumpel, der siebzehnjährige Robin, ist auf Bewährung. Robin hält sich bislang aus allen Konflikten heraus, bis er einen Mord vereitelt und ihm brisantes Material zugespielt wird. Im Konflikt zwischen Familie, Freundschaft und Liebe muss er Farbe bekennen. In einer Zeit sich verschärfender politischer Spannungen erzählt der Autor eine packende Geschichte. Ein vielschichtiger Roman für jedes Lebensalter.







Oppermann WasWirDachtenWasWirTatenOppermann Sebastian BahrLea-Lina Oppermann
Was wir dachten, was wir taten, Beltz & Gelberg
Geiselnahme einer Schulklasse. Ein bewaffneter und vermummter Eindringling zwingt die Schülerinnen und Schüler zur Offenbarung von persönlichen Geheimnissen. Das bisherige Machtgefüge in der Klasse bricht zusammen. Mit einer kompromisslosen und wechselnden Figurenperspektive eröffnet die Autorin ein weites Diskussionsfeld. Die klare, lebensnahe Sprache vermittelt glaubhafte Charaktere, in denen sich junge Menschen wiedererkennen können. Ein gelungenes Debüt.







Schäuble EndlandSchaeuble Martin cAngela Kirschbaum hfMartin Schäuble
Endland, Hanser
In einer nahen Zukunft hat sich Mitteleuropa rechtsnational radikalisiert. Der linientreue junge Soldat Anton erhält den Geheimbefehl, sich inkognito unter eine Flüchtlingsgruppe zu mischen. Die Begegnung mit den Flüchtlingen verändert ihn. Vor allem die junge Äthiopierin Fana bringt sein bisheriges Weltbild ins Wanken. Als er merkt, dass er von seinen Vorgesetzten für deren Ziele benutzt wird, muss er sich entscheiden. Beängstigend nah an der Realität zieht uns dieser Roman in seinen Bann.






 


Für den Hansjörg-Martin-Preis 2017 konnten bis zum 31. Oktober 2017 deutschsprachige Kinder- und Jugendkrimis von Verlagen eingereicht werden, die im Jahr 2017 erstmals erschienen sind (Originalausgaben). 


Die Liste aller 46 eingereichten Werke können Sie hier herunterladen (PDF) 121.8K.

Die Juroren waren:

Günter Neuwirth, Claudia Senghaas, Nina Schindler, Erich Weidinger
Die jungen Mitglieder der Kinder- und Jugendjury: Nora, Agnes und Ida Ehrenhuber
Juryorganisation: Christine Spindler