Kochwut
Kochwutvon Ella Danz
Gmeiner
ISBN 978-3899777970
Preis 11,90 €
Ein mörderisches Menü
Sein vierter Fall führt den Kommissar und Feinschmecker Georg Angermüller nach Gut Güldenbrook, denn dort liegt im Kühlraum der “Voilà Lebouton” – Kochshow ein Toter. Ein genialer aber verdächtiger Kochstar, eine Moderatorin, die ihre besten Zeiten hinter sich hat, Kochshow-Kandidaten, die unbedingt gewinnen wollen und noch so einige andere Verdächtige auf dem holsteinischen Gut gönnen Kommissar Georg Angermüller kaum eine Pause, geschweige denn Zeit zum Genießen. Und dann ist plötzlich Pierre Lebouton, der berühmte Fernsehkoch, verschwunden…
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Ella Danz, gebürtige Oberfränkin, lebt seit dem Publizistikstudium in Berlin und ist nach langjähriger Selbständigkeit mit einem ökologisch orientierten Unternehmen mittlerweile als freie Autorin tätig. In ihren Romanen verbindet sie eine spannende Handlung mit kulinarischen Genüssen zu köstlichen Krimis (2006: „Osterfeuer“, 2007: „Steilufer“, 2008: „Nebelschleier“, 2009: “Kochwut”, alle Gmeiner Verlag). Ella Danz ist Mitglied bei Slow Food, der weltweiten Bewegung zur Erhaltung der biologischen Vielfalt unserer Lebensmittel und genussvoller Esskultur und sie gehört den Mörderischen Schwestern an.
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Drei Fragen an Ella Danz
Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn?
Ich fürchte, ich war spät dran: Passiv kriminell wurde ich erst mit über dreißig und es waren vor allem die Krimis von Frauen, die mich auf den Geschmack brachten: Von Dorothy L.Sawyers über Patricia Highsmith bis zu Ruth Rendell, um nur einige zu nennen, danach geriet ich in die Fänge der deutschen mörderischen Damen und Herren. Und als mir dann in den Neunzigern in einem Toskana-Urlaub der Lesestoff ausging, griff ich kurzerhand selbst zum Mordwerkzeug…
Wie viele Verbrechen gehen auf ihr Konto?
Nachgewiesen werden konnten mir bisher sechseinhalb.
Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Es tut mir leid, aber das musste sein.
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Pressestimmen:
„… Ella Danz schreibt Krimis wie Gourmetköche ein Drei-Gänge-Menü kochen: mit einer Appetit anregenden Vorspeise, einem reichhaltigen Hauptgericht mit vielen würzigen Zutaten und einer Überraschung zum Dessert …“
Ulrike Sarkany, NDR Kultur
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Leseprobe
Quod erat demonstrandum
»Unaufhaltsam kroch die Kälte bis zu seinem Herzen.«
Beim Gedanken an diesen Satz legte sich unwillkürlich ein Lächeln auf sein Gesicht. Wie wahr! Seine Ruhe, ja seine Kaltblütigkeit ließen ihn über sich selbst staunen. Auch das Wort ›Kaltblütigkeit‹ rief wieder eine Art alberner Heiterkeit in ihm hervor.
Bei aller Benommenheit fühlte er sich leicht und beschwingt, so als hätte er zwei, drei Gläser perlenden Champagners getrunken. Nein, Champagner wäre es wohl nicht gewesen, eher ein köstlicher Crémant aus dem Elsass. Darauf hätte Pierre sicherlich bestanden, denn er war in allem, was er tat, ein absoluter, ein geradezu gnadenloser Perfektionist. Vermutlich musste er das auch sein. Ohne diese Eigenschaft hätte er niemals eine so beispiellose Karriere machen können. Und ohne Pierre hätte auch er es niemals so weit gebracht. Pierre hatte einen untrüglichen Instinkt für alles, was Geld brachte, und war kompromisslos im Durchsetzen seiner Meinung.
Was hatten sie nicht für Kämpfe ausgefochten in den Jahren ihrer Zusammenarbeit. Doch wenn es Pierre gelang, ihn zu überzeugen, und seine – zugegeben – heiligen Prinzipien es zuließen, hatte er sich letztlich immer gefügt und war gut dabei gefahren – bis auf dieses eine Mal. Aber er konnte eben nicht gegen seine Grundsätze verstoßen, das lag in seiner Natur, und so hatte es dieses eine Mal keine Einigung gegeben. Es würde wohl das einzige Mal bleiben – und vermutlich auch das letzte. Ein einziges Mal hatte er sich gegen Pierre gestellt und hatte sich durch kein Argument von seinem Standpunkt abbringen lassen. Hatte sich dieser Einsatz gelohnt?
Er spürte, wie auf einmal eine lähmende Müdigkeit von seinem Körper Besitz ergriff. Er zwang sich dennoch, diese Frage zu klären. Es war für ihn eine Frage der Ehre, und es erfüllte ihn mit Befriedigung, dass er immer noch überzeugt war, richtig gehandelt und dieses eine Mal nicht nachgegeben zu haben. Allerdings, hätte er nicht auf seiner Sicht der Dinge beharrt, befände er sich jetzt auch nicht an diesem ungastlichen Ort. Er säße drüben im Herrenhaus, in seinem Zimmer vor dem prasselnden Kaminfeuer, bei einem weiteren Glas Bordeaux, einem Château Haut-Brion um genau zu sein, von dem er kürzlich auf eine Empfehlung hin ein paar Flaschen erworben und den er extra für seinen Besuch geöffnet hatte. Dieses Mal hatte er recht behalten und den Nachweis dafür nun selbst erbracht – zu einem hohen Preis, einem sehr hohen Preis.
Mit geschlossenen Augen lag er da. Sie hätten ohnehin nichts schauen können in der undurchdringlichen Dunkelheit der kalten Kammer. Nie hatte er sich bei seinen seltenen Besuchen hier drin sonderlich wohlgefühlt. Zwischen all den Keulen, Rücken und Hüften der Tiere war ihm mehr als einmal die Assoziation mit einer Gruft in den Sinn gekommen. Inzwischen war er zu schwach, um sich auch über diese Ironie des Schicksals noch zu amüsieren. Eine große Traurigkeit überkam ihn, und er fühlte sich unendlich allein in der alles verschluckenden Finsternis. Mit nachlassender Kraft tasteten seine Hände über seinen Körper. Es war kein böser Traum, wie er einen Moment lang gehofft hatte. Das Messer steckte immer noch an der Stelle, wo es sich in seine Brust gebohrt hatte. Er seufzte. Kurz darauf schwanden ihm die Sinne, und wenig später war sein Leben zu Ende.
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