Heimkehr

Heimkehr
von Heinrich Peuckmann

Aschendorff
ISBN 978-3402128558
Preis 12,80 €

Kommissar Beckers neuer Fall

Hans Dörfner, bekannter Soziologieprofessor, kommt nach Jahrzehnten zurück in seine Heimatstadt Unna, wo er das Abitur gemacht hat, um einen Vortrag zu einer neuen Wirtschaftsordnung zu halten. Kurz vor Veranstaltungsbeginn verschwindet er jedoch auf unerklärliche Weise aus seinem Hotel. Anselm Becker, Dortmunder Kommissar, macht sich lustlos auf die Suche. Der Professor ist ein Frauentyp, sein Verschwinden scheint ihm eine harmlose Ursache zu haben. Erst als er entdeckt, dass der Professor von Neonazis, über die er geforscht hat, bedroht wurde, beginnt er, seinen Auftrag ernst zu nehmen. Dass aber alles viel komplizierter ist und am Ende Geschichten aus Dörfners Schulzeit eine Rolle spielen, die längst vergessen sein müssten, merkt Becker erst im letzten Augenblick.
Neben seinen Ermittlungen bewegt Anselm Becker unverhofft auch noch eine private Veränderung. Seine Münsteraner Freundin deutet an, dass sie vielleicht schwanger sein könnte. Soll er mit über vierzig Jahre noch Vater werden? An diesen Gedanken muss Becker sich erst noch gewöhnen.

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Heinrich Peuckmann,
1949 in Kamen. Aufgewachsen in einer Bergmannsfamilie. Abitur in Unna. Studium der Germanistik, ev. Theologie und Geschichte. Lehrer an einem Gymnasium.
Schreibt Romane, Erzählungen, Gedichte, Hörspiele, Essays und Theaterstücke. Kleinere Arbeiten auch für das Fernsehen. „Heimkehr“ ist der sechste Band seiner „Anselm-Becker-Reihe“, die in Dortmund und Umgebung spielt. Er hält regelmäßig Vorträge zur deutschen Literatur an chinesischen Universitäten in Shanghai und Xi´an. Peuckmann ist Mitglied im PEN, in der Krimiautorenvereinigung „Das Syndikat“ und im Verband deutscher Schriftsteller (VS).
www.heinrich-peuckmann.de

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Drei Fragen an Heinrich Peuckmann

Warum haben Sie sich für ein Leben mit dem Verbrechen entschieden?
Eigentlich habe ich mich gar nicht für ein Verbrecherleben entschieden. Ich bin in die Sache reingeschliddert. Ich weiß, dass viele Verbrecher diese Ausrede benutzen, aber bei mir war es wirklich so. Ich habe mir irgendwann meinen ersten Kriminalfall ausgedacht, als Hörspiel ist er gelaufen. Danach bin ich nicht mehr davon losgekommen. Ich weiß, ich sollte mich schämen, aber ich komme einfach nicht dagegen an.

Was ist Ihre Lieblingstatwaffe?
Ich liebe die brutale Variante. Einfach nur ein Pistolenschuss, bumm und es ist aus, ist mir meistens zu wenig. Ich wähle die brutale Variante, erschlage die Opfer, einmal sogar mit einem Fußballschuh. Wenn das meine Fußballfreunde wüssten! Oder, noch schlimmer, wenn das bei meinem Lieblingsverein Borussia Dortmund bekannt würde … Vielleicht käme ich gar nicht mehr ins Stadion. Nicht auszudenken!

Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Ich bin voll geständig und sage das auch immer den Polizisten, die mich beraten oder sogar zu Lesungen einladen. „So einen wie mich“, sage ich, „den könnt ihr doch nicht frei rumlaufen lassen.“ Aber sie lachen nur und lassen mich laufen. Es kommt mir so vor, als hätten sie Spaß an meinen Verbrecher. Droht da eine neue Gesellschaftskrise?
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Leseprobe

Nach dem Aufwachen hatte er zuerst nicht begriffen, in welcher Situation er sich befand. Alles um ihn herum war schwarz, tiefschwarz. So sehr er sich auch anstrengte, er konnte nicht mal schemenhaft sein Umfeld erkennen. Außerdem war es still, beängstigend still. Um Gottes Willen, wo war er? Er spürte, dass er auf dem Rücken lag und versuchte aufzustehen, schaffte es aber nicht. Irgendetwas hielt ihn zurück. Dann begriff er. Er war mit Händen und Füßen an eine Liege gefesselt. So sehr er auch zerrte und rüttelte, er kam einfach nicht davon los. Dann versuchte er zu schreien, aber auch das ging nicht. Es kam nur ein gurgelndes Geräusch zustande, das selbst jemand, der nicht weit von ihm entfernt war, kaum hören konnte. Sein Mund war zugeklebt.
Verdammt, was sollte das? Wer erdreistete sich, ihn in diese Situation zu bringen? Was glaubte derjenige, der das getan hatte, wer er war? Wusste er nicht, wen er vor sich hatte? Professor Dörfner, Leiter des soziologischen Instituts an der Universität Hamburg. Mit jemandem wie ihm machte man so etwas nicht. Wut machte sich in ihm breit.
Er zerrte wieder an den Fesseln, aber sie lockerten sich nicht, sondern schnitten, je mehr er daran zerrte, desto tiefer ins Fleisch. Er wollte aufschreien vor Schmerz, aber wieder brachte er nur ein gurgelndes Gemurmel zustande.
Dann endlich fiel es ihm ein. Der Anruf. Richtig, der zweite Anruf mit der Stimme, die kaum zu verstehen gewesen war. Langsam kam die Erinnerung zurück. Er hatte danach das Hotelzimmer verlassen und war hinüber zum Stadtgarten gegangen. Und dort … Einen Moment lang musste er überlegen. Dort hatte jemand auf ihn warten wollen. Und richtig, es hatte dort auch jemand gestanden, aber bevor er dessen Gesicht erkennen konnte … Verdammt, er muss besinnungslos geworden sein, bevor er feststellen konnte, wer das gewesen war, der ihn dort sprechen wollte.
Erst jetzt merkte er, wie ihm der Kopf dröhnte, wie ihm, wenn er ihn nach links oder rechts bewegte, ein heftiger Schmerz durchzuckte. Sofort unterließ er jede ruckartige Bewegung.
Komisch, wie er das alles nach und nach registrierte, dachte er. Wie sein Bewusstsein nur Schritt für Schritt erwachte. Also musste ihn der andere betäubt haben. Aber wie und womit? Er kam nicht weiter, so sehr er auch versuchte, sich die Szene im Stadtgarten vorzustellen. Er wusste einfach nicht, was passiert war. Nur an die stechenden Augen konnte er sich erinnern, die er in dem Moment, als die Person sich umgedrehte, gesehen hatte. Aber nicht an das Gesicht, davon fehlte ihm jede Erinnerung.
Wie viel Zeit wohl seitdem vergangen war? Stunden oder sogar Tage? Er wusste es nicht. Eher Stunden, vermutete er, denn er verspürte keinen Hunger. Nur Durst hatte er, fürchterlichen Durst. Mein Gott, wenn er doch etwas zu trinken bekäme!

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