Heidenlärm
Heidenlärmvon Alfred Hellmann
Emons
ISBN 978-3897058088
Preis 9,90 €
Von Killern gejagt auf dem Weg zu Gott
Gefälschte Medikamente töten Tausende. Aber nur in Afrika. Das interessiert hier keinen Menschen. Erst seit die perfiden Pillen auch in Westeuropa auftauchen, werden Gegenmaßnahmen ergriffen. Plötzlich ist Fälschungssicherheit ein Thema.
Das stört die Geschäfte der Kriminellen, und die tun, was sie am besten können: Sie morden.
Doch dann gibt es einen Zeugen. Der muss weg. Nur würde es zu viel Aufmerksamkeit wecken, den Direktor des Luxushotels, zu töten, in dem die Konferenz über Arzneimittelsicherheit stattfindet. Also besorgt man ein paar Mädchen, verpasst ihm Drogen und dreht einen netten kleinen Film. Doch der Mann reagiert anders als erwartet …
***
»Was ist nur mit Ihnen?«
»Ich höre eine Stimme.»
»Was denn für eine Stimme?«
»Gottes Stimme, scheint mir.«
»Ich rufe die Feuerwehr.“
…………………………………………………………………………………………………………………………………………………………..
Alfred Hellmann,
Alfred Hellmann, 1958 in Bonn geboren, lebt in Berlin als freier Autor, Journalist, Kolumnist, Kabarettist, Drehbuchautor, Texter und Übersetzer für Niederländisch.
…………………………………………………………………………………………………………………………………………………………..
Drei Fragen an Alfred Hellmann
Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn?
1998 mit der Versenkung des Züricher Haffmans-Verlags. Es gelang mir, ihnen meinen Erstling „Zeuss“ zu verkaufen. Drei Jahre später ging der Verlag unter.
Vorher habe ich vergeblich versucht mit dem Kabarettprogramm „Die Revolution im Sitzen“ eine Massenbewegung auszulösen.
Wie viele Verbrechen gehen auf ihr Konto?
Nach Haffmans kümmerte ich mich um den mvg-Verlag, wo ich eine Art Sachbuch unterbrachte: „Disziplin für Faule – oder wie man es trotzdem schafft“. Die Lektorin wurde auf eine Nordseeinsel verbannt. Heute ist der mvg-Verlag nichts weiter als ein Imprint der FinanzBuch Verlag GmbH.
Danach schrieb ich das Kabarettprogramm „Die Gedanken sind brei!“, mit dem ich zahlreiche Zuschauer in den Wahnsinn trieb. Das lenkte mich ein Weile ab.
Doch 2008 stieg der Druck wieder an, und ich nahm mit „Vor den Hymnen“ den nächsten Verlag ins Visier. Allerdings musste ich feststellen, dass Emons irgendeinen obergärigen Gegenzauber laufen hat, den ich seit Anfang 2011 mit „Heidenlärm“ bekämpfe.
Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Ich kann sagen, dass es mir leid tut. Aber ich stehe zu meinen Taten. Vielleicht könnte als mildernder Umstand gesehen werden, dass ich unter starkem Schreibzwang leide. Man hat mir angeboten den Winter als Hausmeister in einem leerstehenden Luxushotel zu verbringen, in den Bergen von Colorado in den USA. Vielleicht hilft das ja.
…………………………………………………………………………………………………………………………………………………………..
Pressestimmen
Handelsblatt:
„Von Killern gejagt auf dem Weg zu Gott“
Kriminalakte:
„Was soll der Heidenlärm, Herr Hellmann?“
…………………………………………………………………………………………………………………………………………………………..
Leseprobe
-1-
»Du wirst nie wieder eine Liebe finden, so groß wie die deiner Mutter!«
Der dünne Riese brüllte mir diesen Satz mitten ins Gesicht, stemmte den rechten Flügel des eisenbeschlagenen Portals auf und vollführte, trotz des schweren, krustigen Leders seines alten Polizeimantels, eine elegante, stelzvogelartige Verbeugung.
Sein Gebrüll ruinierte meine Absicht, St. Florentius unauffällig zu betreten. Ich versuchte mich links an ihm vorbei in die Kirche zu drängen – und fand mich, zwei Sekunden später, lang ausgestreckt auf dem Boden wieder, nur wenige Zentimeter von der Schwelle entfernt. Meine Arme klemmten über Kreuz unter meinem Brustkorb, und mein Gesicht drückte schmerzhaft auf die in Jahrhunderten glatt gelaufenen Steinquader.
Es roch nach Blut. Meine Stirnwunde war wieder aufgeplatzt, und mich alarmierte das knackende Geräusch, das mein Schädel von sich gegeben hatte, als er zum vierten Mal in acht Tagen auf den Boden knallte; wieder ohne sichtbare äußere Einwirkung und wieder ohne dass es mir gelungen wäre, meine Hände hochzubringen, um den Sturz abzumildern.
Obwohl die Florentiuskirche nur ein paar hundert Meter entfernt war vom Grand Hôtel Sophie-Charlotte, dessen Direktor – oder General Manager, wenn Sie es neudeutsch brauchen – ich zu diesem Zeitpunkt war, hatte ich sie vorher nie betreten. Sie war ein erstaunlich weitläufiges Gebäude mit romanischen und gotischen Stilelementen und stand, wie viele andere Kirchen in Berlin, lange verwaist. Doch mit der stetig anschwellenden öffentlichen Aufmerksamkeit hatte sie sich zu einem neuen Zielort von Touristen und Einheimischen entwickelt.
Aber ich war nicht gekommen, um zu beten oder um die weinende Madonna zu sehen, von der die Medien seit einem Jahr so viel berichteten; auch nicht, um das tapfere Priesterlein zu bestaunen, das sich mit Händen und Füßen dagegen wehrte, dass seine Kirche zu einem Wallfahrtsort erlösungsfiebriger Marienanbeter wurde.
Ich war gekommen, um herauszufinden, ob mir – gegen jede Erfahrung und Vernunft – der Besuch einer Kirche helfen könnte.
Und die Antwort lautete: Nein.
* * *
Frühere „Empfehlungen der Woche“ finden Sie hier >>





Mord unter Segeln