1. Ich möchte einen Krimi schreiben – und dann?
2. Wie sieht der Markt aus?
3. Wie verkaufe ich ein Manuskript?
4. Wie sieht ein Vertrag mit einem Verlag aus?
5. Kurzkrimis für Zeitschriften und Anthologien?
6. Krimis für Kinder?
7. Krimi für das Fernsehen: Serien und TV-Movies?
8. Krimi für das Radio: Hörspiele?
1. Ich möchte einen Krimi schreiben …
Im Prinzip gibt es zwei Möglichkeiten, auf diese Idee zu verfallen: Man ist Krimikonsument, hat aber keine Ahnung vom Schreiben, und möchte es selbst versuchen; oder man ist bereits Autor in einem anderen Genre und man selbst/der Verlag legt einem den Genrewechsel zB aus marktstrategischen Gründen nahe.
1.1. Ich, Amateur, lese und/oder schaue selbst gern Krimis:
Krimikonsument zu sein ist einerseits eine Erleichterung – man hat schon unbewusst sehr viel von den Genregesetzen aufgesaugt –, andererseits eine Erschwernis, denn man neigt dazu, den eigenen Roman so wie jemand anderer zu schreiben oder unbewusst eine Geschichte nachzuerzählen, die man zB im TV gesehen hat.
Man hat im Prinzip drei Möglichkeiten, die Sache anzugehen:
1.1.1. Ins kalte Wasser springen und einfach tun – die Gefahr:
Der Roman wird beliebig und austauschbar, weil man jemand anderen kopiert; er wird hölzern, unübersichtlich und unlesbar, weil man keine Ahnung vom Schreiben hat (lebensferne Dialoge, nicht vorhandener Spannungsbogen, sprachliche Insuffizienz); die Chance: Es macht einem sehr viel Spaß, weil man wie ein spielendes Kind einfach einmal ausprobiert.
1.1.2. Sich vorab „in etwa“ zu informieren, also Krimis bewusst lesen und analysieren, sich informieren, welche Subgenres es gibt (Detektivroman, Polizeikrimi, Hard boiled, Cosy, Thriller, Horror, Agententhriller, Psycho, etc.) – die Gefahr:
Man ist verwirrt und hat eventuell das Gefühl, nichts Originäres beitragen zu können; die Chance: Man ist bereit, von der ersten, vielleicht banalen Idee abzurücken und doch seine „verrückte“ Geschichte aufs Papier zu bringen.
1.1.3. Schreiben zu lernen, also Bücher über das Handwerk des (Krimi)Schreibens zu lesen bzw. an einer Schreibschule, sei es im Internet oder in der realen Welt, teilzunehmen – die Gefahr:
Man schreibt den ersten Roman nie oder erst nach Jahren, weil man entdeckt, was man alles nicht kann; die Chance: Man erspart sich unter Umständen viele ablehnende Reaktionen, wie man sie bei den beiden anderen Varianten erleben kann (und wir reden hier von Beurteilungen des Handwerks, nicht von Rezensionen, die mit gefällt mir/gefällt mir nicht zu tun haben). Auf jeden Fall ermöglicht einem das Erlernen des Handwerks, die Regeln zu kennen, um sie dann eventuell brechen zu können.
Entscheiden Sie selbst – alle drei Methoden haben schon Großartiges und großartig Schlechtes hervorgebracht.
Empfehlung: Spätestens bei der Abgabe des Romans an einen Verlag sollte man über Begriffe wie Plot, Spannungsbogen, Figuren, Charaktere, Backstory, Handlungsstränge, Fließtext, Erzählperspektive, Dialog, Cliffhanger, etc. Bescheid wissen, denn sonst kann man mit dem Lektor nicht über das eigene Werk sprechen …
1.2. Ich, Profi, schreibe meinen ersten Krimi:
- Erwarten Sie nicht, dass Sie reich werden – siehe Punkt 2. Markt.
- Gönnen Sie sich einen Blick in die Genreanalyse, denn auch Sie sind vom (TV)Konsum geprägt, der Sie vielleicht einschränkt.
- Und wie immer gilt: Wer die Regeln kennt, kann sie brechen. Informieren Sie sich über die DOs und DONTs des Genres.
1.3. Die Recherche:
Es ist unabdingbar, für einen Krimi gut zu recherchieren – das Thema, die Hintergründe, das Milieu, u.U. die Polizeiarbeit – Letztere stellt Anfänger oft vor ein großes Problem, weil sie Berührungsängste gegenüber der Exekutive empfinden bzw. weil sie glauben, dass ihnen nichts gesagt wird.
Man kann erstens versuchen, über Schreibzirkel und/oder Autorengruppen an bereits etablierte KollegInnen herantreten, die einem Kontakte ermöglichen; man kann aber auch zweitens die Polizei einfach anrufen und fragen, ob sie einem hilft. Im Normalfall ist es Polizisten lieber, wenn ihre Arbeit richtig dargestellt wird. Am Beginn dieser Zusammenarbeit sollte man allerdings nicht zu viele sensible Hintergrundinformationen erwarten, dafür muss erst ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden.
Hinweis: Bei Erstlingswerken merkt man oft, dass Autoren über das Milieu schreiben, das sie kennen (Journalist als Ermittler, etc.), weil sie noch nicht so viel Erfahrung in der Recherche haben …
1.4. Die Art des Schreibens:
Es gibt zwei Methoden, eine Geschichte zu schreiben: die konzeptionelle und die inspirative (sowie alle Graubereiche dazwischen).
1.4.1. Die konzeptionelle Methode:
Die Geschichte wird als Exposé fixiert, dann zur Szenenfolge (Treatment) umgewandelt. Zugleich werden die Figuren entwickelt (Eigenheiten, Wünsche, Ziele, Backstory, etc.). Manche Autoren beginnen in der Phase des Treatments mit Karteikarten und Übersichtswänden zu arbeiten, um Szenen verschieben und Spannungsbögen ausprobieren zu können. Anhand dieses Gerüstes schreiben sie dann den Roman.1.4.2. Die inspirative Methode:
Man beginnt mit dem ersten und hört mit dem letzten Satz auf. Als Vorarbeit wird höchstens ein Kurzinhalt in Form eines Klappentextes geschrieben.1.4.3. Die Mischformen:
Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Autoren die beiden Methoden in unterschiedlicher Gewichtung mischen, weil etwa jenseits aller dramaturgischen Raffinesse zB die Figuren ein Eigenleben entwickeln.
Empfehlung: Wer einen Krimi ohne funktionierendes Exposé einfach mal beginnt, wird das mit hoher Wahrscheinlichkeit mit vielen, vielen Überarbeitungen büßen. Mit mehr Vorarbeit reduziert sich ihre Anzahl.
1.5. Literaturhinweise:
1.5.1. Grundlagen des Schreibens (Auswahl):
- Dirk R. Meynecke: Die Autorenfibel (Ehrenwirth 1991)
- James M. Frey: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt (Emons 1993)
- Fritz Gesing: Kreativ schreiben, Handwerk und Techniken des Erzählens (Dumont 1994)
- Elizabeth George: Wort für Wort – oder Die Kunst, ein gutes Buch zu schreiben (Goldmann 2004)
- Lutz von Werder: Lehrbuch des kreativen Schreibens (Marixverlag 2007)
- Hans Peter Roentgen: Vier Seiten für ein Hallelujah (Sieben Verlag 2008)
- Hans Peter Roentgen: Drei Seiten für ein Exposé (Sieben Verlag 2010)
- Sol Stein: Über das Schreiben (Zweitausendeins, 2009)
- Stephen King: Das Leben und das Schreiben (Ullstein 2006)
- Titus Müller (Hrsg.): Vom Abenteuer, einen Roman zu schreiben. Interviews mit Andreas Eschbach, Rebecca Gablé u.a. (Textmanufaktur Verlag 2010)
1.5.2. Geschichte des Krimis:
Einen ersten Überblick liefert die Seite http://das-syndikat.com/?page_id=19 des Syndikats, deren Inhalt Wikipedia entnommen ist.Darüber hinaus existiert eine Unzahl von theoretischen Schriften rund um das Thema Kriminalliteratur – von Biografien über Werk- und Trendanalysen bis hin zu geschichtlichen Aufarbeitungen. Viele dieser Arbeiten sind als Hochschulabschlussarbeiten entstanden und nur in entsprechenden Facharbeitsverlagen zu erstehen.
Die beste Adresse derzeit, um in einer beeindruckenden Sammlung an Sekundärliteratur zu schmökern, ist „Thomas Przybilka und BoKAS Bonner Krimi Archiv (Sekundärliteratur)“, zu finden unter http://www.alligatorpapiere.de/krimitip1.html auf der Seite der Alligatorpapiere.
Ein paar aktuelle Gustomacher (aufgrund der Spezialität ausnahmsweise mit ISBN):
- Christin Borgmeier: Facetten des Krimis. 2005, 29 S., GRIN Verlag (Hauptseminararbeit), 978-3-638-59767-8
- Mary Evans: The Imagination of Evil. Detective Fiction and the Modern World. 2009, Continuum (Continuum Literary Studies), 1-84706-206-7 / 978-1-84706-206-2
- Miriam Herbst: Sichtung und Aufriss der Sekundärliteratur zum Thema des klassischen Kriminalromans. Versuch der Übertragung auf den Kriminaltypen des Romans „Am Freitag schlief der Rabbi lang“ von Harry Kemelman und „Sherlock Holmes, Der Hund von Baskervill“ von Sir Conan Doyle – Parallelen und Dissonanzen. 2003, GRIN Verlag (Seminarbeit), 978-3-638-64775-5
- Benjamin Kirchler: Der Kinderkriminalroman. Analyse und didaktische Überlegungen unter besonderer Berücksichtigung von Ingvar Ambjørnsens Reihe „Peter und der Prof“. 2006, GRIN Verlag (Examensarbeit), 978-3-638-73980-1
- Véronique Liard (Hg): Verbrechen und Gesellschaft im Spiegel von Literatur und Kunst. 2010, Martin Meidenbauer Verlagsbuchhandlung, 978-3-89975-194-9
- Nicole Metzger: Sozial- und Lesergeschichte des Kriminalromans. 2006, GRIN Verlag (Hausarbeit), 978-3-638-54161-9
- Simon Wordtmann: Der Kriminalroman und das Mysterium seiner Popularität. 2007, GRIN Verlag (Hausarbeit), 978-3-640-50267-7
- Elena Fotiadi: Frauenkriminalromane. Eine Analyse von Sue Graftons Kinsey Millhone-Serie. 2008, VDM Verlag Dr. Müller, 3-8364-7642-8 / 978-3-8364-7642-3
1.5.3. Grundlagen des Krimischreibens (Auswahl):
- Patricia Highsmith: Suspense oder Wie man einen Thriller schreibt (Zürich, Diogenes 1985)
- Laudan/Kemmerzell (Hrsg.) Das Wort zum Mord. Wie schreibe ich einen Krimi? (Hamburg, Argument 1999)
- James M. Frey: Wie man einen verdammt guten Kriminalroman schreibt (Emons, 2003)
- Thomas de Quincey: Der Mord als schöne Kunst betrachtet (Autorenhaus Verlag 2004)
- Larry Beinhart: Crime. Kriminalromane und Thriller schreiben. 2010 (2. Auflage der Ausgabe von 2003, Autorenhaus Verlag)
1.5.4 Grundlagen zum Kriminellen und Polizeilichen (Auswahl)
- Brian H. Kaye: Mit der Wissenschaft auf Verbrecherjagd (Wiley-Vch 1997)
- Meyer/Wolf/Müller: Kriminalistisches Lehrbuch der Polizei (VDP, jüngste Ausgabe 2003
- Stephan Harbort: Das Hannibal-Syndrom (Piper, jüngste Ausgabe 2006)
- Hans Pfeiffer: Der Zwang zur Serie (aera-Verlag 2007)
- Saternus/Madea: Gerichtliche Obduktion (Schmidt-Römhild 2007)
2.1. Wer kauft/liest Krimis?
Eine Altersgrenze gibt es kaum, im Prinzip ist die Leserschaft zwischen 25 und 70 Jahre alt. Frauen greifen zu 50 % zu Krimis, Männer zu 70 %.
2.2. Wie viele Krimis erscheinen pro Jahr?
Bei den Novitäten/Belletristik/Hardcover sind 30 % Krimis.
Bei den Novitäten/Belletristik/Taschenbuch sind 40 % Krimis.
Insgesamt sind 5 % der Neuerscheinungen original deutschsprachige Krimis.
Die absoluten Zahlen sind schwer zu eruieren. Als Hinweis: Beim Friedrich-Glauser-Preis für das Jahr 2009 wurden in der Sparte Roman 288 Titel eingereicht, in der Sparte Debüt 64 Titel. Diese 352 Romane umfassen aber bei weitem noch nicht alle neu erschienenen deutschsprachigen Krimis. Dazu kommen noch Anthologien sowie Kinder- und Jugendkrimis.
In der Schweiz erscheinen ca. 50 Romane und Anthologien pro Jahr.
2.3. Moden und Beständigkeiten
Die Regionalkrimis haben seit 2008/2009 stark an Bedeutung gewonnen. Ansonsten sind Moden variabel und orientieren sich meist an Bestseller; einfaches Muster: Wenn ein neuer Stieg Larsson herauskommt, dann ziehen alle nordischen Krimis nach, bei einem Dan Brown alle Verschwörungsthriller, bei einem Frank Schätzing alle Umweltkrimis.
[dieser Eintrag wird noch bearbeitet]
3. Wie verkaufe ich ein Manuskript?
3.1. Vor der Verlagssuche:
3.1.1. Fertigstellen des Manuskripts:
Das Manuskript ist fertig – in der ersten Version. Sie sollten den Text einige Zeit in der Lade liegen lassen und dann nochmals lesen bzw. durcharbeiten. Achten Sie auf sachliche Fehlerquellen wie Daten und so genannte Anschlussfehler (der Name einer Figur wechselt plötzlich, sie fährt zuerst ein gelbes, dann ein silbernes Fahrrad, etc.), aber auch auf langweilige Passagen oder schlechte Dialoge (laut lesen, dann merkt man, was nicht flüssig ist). Zu diesem Feinschliff außerdem gehören, neben inhaltlichen Verbesserungen, auch eine strenge Korrektur und die Formatierung des Textes: Titelblatt, Seitenzahl und ev. Titel in der Fuß- oder Kopfzeile, Copyright sowie unter Umständen die Umwandlung der üblichen Word-Manuskriptseiten in Normseiten. Eine Normseite besteht aus 30 Zeilen à 60 Anschlägen in einer nicht proportionalen Schrift. Eine genaue Anleitung finden Sie etwa unter http://www.wikiservice.at/buecher/wiki.cgi?AutorenInfo.
Generell gilt: Je sauberer und professioneller ein Text eingereicht wird, umso lieber liest der Zuständige es. Und denken Sie nicht, Sie nehmen damit komplett dem Lektor die Arbeit ab, er wird noch genug finden …3.1.2. Pseudonym Ja oder Nein?
Folgende Gründe für die Wahl eines Pseudonyms gibt es: Der Geburtsname ist unaussprechbar oder so ein Allerweltsname, dass er verwechselbar wird; Sie haben bereits Bücher unter Ihrem eigenen Namen veröffentlicht und wollen sich mit dem neuen Genre auf dem Markt neu positionieren bzw. die Leserschaft nicht verwirren; Sie wollen, dass Ihre schriftstellerische Tätigkeit keinen Einfluss auf Ihr alltägliche (Berufs)Leben hat.Hinweis: Ein Pseudonym ist nicht absolut sicher, es kann gelüftet werden.
3.1.3. Die Testphase:
Es empfiehlt sich, das nun „fertige“ Manuskript einer Auswahl an Freunden und Bekannten lesen zu lassen – Sie erfahren dadurch, ob die Geschichte spannend und verständlich ist, denn wenn zum Beispiel alle Testleser eine Wendung nicht verstehen, dann liegt es weniger an den Testlesern als daran, dass Sie diese Stelle vielleicht nicht klar genug ausformuliert haben. Außerdem lernt man durch dieses Prozedere zu unterscheiden, welche Kritiken fachlich und hilfreich sind und welche auf die persönliche Befindlichkeit des Lesers zurückzuführen sind. Zum Beispiel wird jemand, der persönlich ein Problem mit Alkohol hat, anders auf den ständig alkoholisierten Kommissar reagieren als jemand, dem Trinken egal ist. Haben viele oder alle Testleser ein Problem mit einer Szene oder einer Wendung, dann haben Sie einen Fehler gemacht. Nicht die Testleser.
Die Testlesergruppe sollte bunt gemischt sein, als Frauen/Männer gleichermaßen, Menschen, die nur Leser sind, Menschen, die selbst beruflich mit Sprache zu tun haben, Konservative und Liberale etc.
3.2. Die Verlagssuche:
3.2.1. Welcher Verlag:
Informieren Sie sich vorweg, zu welchem Verlagsprogramm Ihr Roman am besten passen würde – dazu durchstöbern Sie die Buchhandlungen (am besten natürlich eine Krimibuchhandlung), besuchen Sie Buchmessen. Auch über Interplattformen wie Amazon oder Libri können Sie sich informieren. Studieren Sie dann eingehend die Programme der Verlage, die in die engere Wahl gekommen sind. Und natürlich hilft es auch, von den Erfahrungen der Kollegen in einer Schreibgruppe zu profitieren.In der Schweiz und in Österreich stellt sich außerdem die Frage: Suche ich mir einen deutschen Verlag, um den größeren Markt – zumindest theoretisch – zur Verfügung zu haben, oder vertraue ich auf meinen Platzhirschvorteil in einem heimischen Verlag?
3.2.2. Was und wie schicke ich?
Die meisten Verlage wollen eine Kurzbiografie, ein Exposé (also der Roman als zwei- bis dreiseitige Kurzusammenfassung) und eine Leseprobe. Üblicherweise soll man die ersten 30 Seiten einreichen, es gibt aber auch die Variante, mehrere Textstellen mit zweizeiligen Überleitungen zusammenzustellen, um Besonderheiten des eigenen Stils besser transportieren zu können – also etwa besonders gute Dialoge und eine Actionszene und ein innerer Monolog etc.
Ein genaues Anforderungsprofil finden Sie auf der Homepage des jeweiligen Verlags. Dort stehen dann üblicherweise die Ansprechpartner sowie die Form, in der Sie einreichen sollen – also Papier oder elektronisch. Es empfiehlt sich, sicherheitshalber zuvor mit dem Ansprechpartner Kontakt aufzunehmen, unaufgefordert eingesandte Manuskripte werden oftmals nicht bearbeitet.
Bei größeren Verlagsgruppen wie etwa Randomhouse (dazu gehören zB Goldmann, Heyne, Diana und Luchterhand) schreiben Sie nicht generell an die Gruppe, sondern an den speziellen Verlag, in dem Sie erscheinen wollen.3.2.3. Ablehnung und Dauer der Suche:
Schicken Sie Ihr Manuskript ruhig an mehrere Verlage gleichzeitig – im besten Fall interessieren sich zwei für Ihren Roman und Sie können das bessere Angebot annehmen; was aber sehr, sehr selten passiert.
Erwarten Sie keine sofortige Antwort, die Bearbeitung kann ein halbes Jahr bis ein Jahr dauern. Nach einem halben Jahr können Sie nachfragen.
Lassen Sie sich nicht von Ablehnungen in Gestalt von Formbriefen entmutigen – große Verlagsgruppen wie Randomhouse bekommen hunderte Manuskripte zugeschickt und können nicht individuell antworten.3.2.4. Die verzweifelte Phase:
Sie haben schon Dutzende Absagen und das Gefühl, alle Verlage angeschrieben zu haben – haben Sie sicher nicht. Suchen Sie weiter nach Klein- und Spezialverlagen (Queer, Frauen, Regional, politisch, etc.).3.2.5. Bezahlung fürs Verlegen:
Hinweis: Das Normale, Übliche und Selbstverständliche ist, dass der Autor fürs Schreiben bezahlt wird, und zwar in Form von Tantiemen (siehe Punkt 4).
ABER: In der verzweifelten Phase neigen Sie vielleicht dazu, sich mit einem so genannten Druckkostenzuschussverlag zusammen zu tun – „so genannt“ deshalb, weil die Kosten auch bei Lektorat, bei der Covergestaltung oder durch eine Mindestabnahme von Büchern und dergleichen mehr entstehen können.
Wenn ein Verlag nicht dafür bezahlt, dass er Sie veröffentlicht, dann ist ihm das Buch auch nichts wert – es wird also NICHTS für das Buch tun.
Sie haben danach ein meistens nicht sorgfältig hergestelltes Buch mit einer ISBN-Nummer in Händen – und sonst nichts. Solche Bücher findet man praktisch nie in Buchhandlungen (es ist zwar durch die ISBN-Nummer gelistet, aber solche Verlage haben oft keinen Vertriebspartner), diese Bücher bekommen sehr selten Rezensionen, Sie als Autor sind meist von Schriftstellerverbänden ausgeschlossen.
Wenn Sie keine schriftstellerische Karriere anstreben und dennoch das Buch unbedingt gedruckt sehen wollen, weil Sie es Freunden schenken möchten, dann gehen Sie lieber den Umweg über Book-on-demand.3.2.6. Der Weg über die Agentur
Diese Frage stellt sich eigentlich zu Beginn der Verlagssuche, denn mittlerweile arbeiten viele Verlage viel lieber und immer ausschließlicher mit Agenturen zusammen und ignorieren individuelle Manuskripteinsendungen. Außerdem ist ein Agent sehr hilfreich, wenn man sich mit Vertragsverhandlungen überfordert sieht.
Die Frage, ob Sie mit einer Agentur zusammenarbeiten wollen, stellt sich vor allem, wenn Sie eine dauerhafte schriftstellerische Karriere anstreben, denn ein Agent kann Sie unter Umständen richtig am Markt positionieren und Sie strategisch bei Ihrem Werdegang unterstützen.
Eine Agenturvertretung zu finden ist allerdings ähnlich schwer wie einen Verlag – Sie machen im Prinzip dasselbe: Manuskript verschicken und warten. Die Kosten betragen 15 – 20 % Ihres Honorars, zahlbar nach Abschluss des Vertrages mit dem Verlag. Vorauszahlungen an den Agenten sind unseriös. Außerdem müssen halbjährliche oder jährliche Kündigungsfristen angeboten werden. Und schließlich: Man kann immer diskutieren, etwa, ob man sich auch bei den Kurzgeschichten vertreten lässt …
Einen Überblick über die Agenturen im deutschsprachigen Raum finden Sie unter
http://www.uschtrin.de/litag.html.In der Schweiz und in Österreich kann diese Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Agentur obsolet sein, wenn man bei heimischen Verlagen unterkommen will.
Hinweis: Erfahrungsberichte von Kollegen sind gerade in dieser Frage sehr, sehr hilfreich.
4. Wie sieht ein Vertrag mit einem Verlag aus?
Es gibt von den jeweiligen nationalen Schriftstellerverbänden einen Mustervertrag – was bedeutet, so wäre er korrekt (Mustervertrag für Deutschland und Österreich siehe hier >>; für die Schweiz siehe hier >>). Doch Verträge sind natürlich individuelle Abkommen, und generell gilt: Je größer das Standing des Autors ist, umso mehr kann er verlangen.
Wer sich überfordert fühlt, kann entweder den Weg über eine Agentur gehen (siehe weiter 3.2.6.) oder altgediente Kollegen fragen oder sich den Vertrag durch Interessensvertretungen anschauen lassen (in Deutschland wendet man sich am besten an www.drehbuchforum.de; in Österreich an die LVG; in der Schweiz an die AdS).
4.1. Die Eckdaten eines Vertrages:
4.1.1. nicht rückzahlbarer Vorschuss: wird üblicherweise bezahlt und beträgt bei Nicht-Bestsellerautoren zwischen 2000 und 4000 Euro, bei Kleinverlagen kann er auch deutlich darunter liegen; nicht rückzahlbar bedeutet, dass Erlöse aus dem Verkauf erst an den Autor gehen, wenn der Vorschuss fertig gegengerechnet wurde, jedoch der Autor nichts zurückzahlen muss, falls weniger als bevorschusst verkauft wird.
Der Vorschuss wird üblicherweise in zwei bis drei Tranchen ausbezahlt, was steuertechnische Gründe hat.4.1.2. das Honorar/die Beteiligungsstaffelung: die Gage/das Honorar ist üblicherweise eine prozentuelle Beteiligung am Nettowarenwert/Nettoverkaufspreis, das ist der Buchhandelspreis ohne Mehrwertsteuer. Die Prozente betragen bei einem Taschenbuch-Original meist 5 – 7 %, bei Hardcover um die 10 %.
Die Schweiz – der Sonderfall: Nachdem hier die Buchpreisbindung aufgehoben worden ist, gilt es unbedingt zu klären, worauf sich die Prozente beziehen. Gut ist etwa die Verlaufspreisempfehlung des Verlages.Beachte: Der Vorschuss sowie das weitere Honorar unterliegen der Steuer.
4.1.3. Verlagsabgabepreis: liegt etwa 40 % unter dem Buchhandelspreis – wird auch manchmal als Beteiligungsgrundlage angeboten, da sollten die Prozente dann aber natürlich höher sein.
4.1.4. Pauschalhonorar: wird einem meist nur bei Kurzgeschichten für Anthologien oder Zeitschriften angeboten, aber auch hier kann man eine weitere Beteiligung ab einer bestimmten Verlaufszahl ausverhandeln. Generell ist solch ein Honorar bei einem Roman abzulehnen, denn man gibt die Rechte für immer und ewig ab (Ausnahme Kurzgeschichte, bei der man nur die Rechte für den Abdruck der Geschichte in dieser speziellen Anthologie abgibt, sie ansonsten für weitere Verwendung bei einem bleiben).
4.1.5. Nebenrechte: Hier unterschiedet man zwischen buchnahen NR (Taschenbuchausgaben, Buchclubausgaben, Zeitschriftenvorabdrucke und -nachdrucke, Übersetzungen, Hörbuch, etc.) und buchfernen NR (Film, Fernsehen, Hörfunk, Theater, etc., also Bearbeitungen für ein anderes Medium). Der Verlag verpflichtet sich, sich um eine Verwertung zu kümmern. Die prozentuale Beteiligung des Autors sollte nie unter 50 % liegen, besser sind 60 oder 70 %. Man kann natürlich versuchen, die Nebenrechte bei sich zu behalten, was einem aber meist nur mit einem guten Standing gelingen wird.
4.1.6. Optionsklausel: Der Verlag fordert einem auf, mit ihm fix weitere Bücher zu machen bzw. diese sogar unter denselben Bedingungen wie das aktuelle zu produzieren. Die Option auf weitere Bücher ist nur bei entsprechend hoher Vorauszahlung diskutierbar, das Angebot, die nächsten Bücher unter denselben Bedingungen wie das erste zu machen, im Grunde abzulehnen. Neuverhandlung ist im Gros der Fälle besser.
4.1.7. Verramschung und Makulierung: Nicht verkaufte Bücher werden meist billig abverkauft (Verramschung) bzw. zerstört (Makulierung), um im Lager Platz zu schaffen. Diese beiden Vorgänge sind im Vertrag üblicherweise genau geregelt. Es gibt aber die Möglichkeit – wenn man das will –, dass man vor der Makulierung Bücher zu einem Mindestpreis zurückkauft (um sie dann selbst zu verkaufen). Das kann man in den Vertrag aufnehmen.
4.1.8. Covergestaltung: Liegt beim Verlag. Sie können dazu zwar, wie es üblicherweise im Vertrag steht, Ihre Meinung kundtun, aber die Entscheidung hat der Verlag. Ebenso beim Titel des Romans.
4.2. Probleme:
4.2.1. Der Verlag schickt keine Honorarabrechung: Er ist verpflichtet dazu. Schreiben Sie ihm, notfalls eingeschrieben, eine Aufforderung, in der Sie auf die im Vertrag genannte Auszahlungsfrist Bezug nehmen. Wenn er dann noch immer nicht reagiert, ist er wahrscheinlich ein Fall fürs Gericht. In diesem Fall empfiehlt es sich, mit einer Interessensvertretung Kontakt aufzunehmen.
Die Abrechnung sollte die verkauften Bücher, aber auch die Rezensionsexemplare auflisten sowie den aktuellen „Schuldenstand“, wie viel also vom nicht rückzahlbaren Vorschuss bereits abgerechnet wurde.4.2.2. Die Nebenrechte werden nicht verwertet: Man sollte unbedingt bei Vertragsabschluss diesen Punkt festlegen. Zwei Jahre sind in etwa üblich, dann fallen die rechet an den Autor zurück.
4.2.3. Es werden Bücher als unverkauft aufgelistet, die bereits als verkauft angegeben wurden: Das liegt am Barsortiment des Buchgroßhandels, dabei kann er Bücher übernehmen, die der Verlag dann als „verkauft“ einstuft, und sie bei Nichtverkaufen wieder zurückgeben.
5. Kurzkrimis für Zeitschriften und Anthologien:
Zwei Irrtümer sind in diesem Bereich häufig: Wenn ich nur viele Geschichten schreibe, kann ich ganz gutes Geld verdienen – Nein. Erstens werden die Geschichten nicht besonders gut bezahlt, und zweites müssen einem einmal so viele Geschichten en suite einfallen.
Zweiter Gedanke: Ich steige jetzt einmal mit Kurzgeschichten ein und dann schreibe ich einen Roman. – Nein. Kurzgeschichten sind eine gänzlich andere Erzählform wie ein Roman. Sie können einem beim Einstieg ins Schreiben behilflich sein, weil man den Umfang leichter überblickt und sich so eher ans Schreiben wagt, und sie helfen einem eventuell, um auf sich aufmerksam zu machen, etwas den Namen zu etablieren. Aber bei einem Roman gilt es, ganz neue Regeln zu beachten. Und übrigens auch umgekehrt: Nicht jeder Romanautor kann automatisch gute Kurzgeschichten schreiben.
5.1. Kurzgeschichten für Zeitschriften:
Das ist ein eher aussterbender bereich, da für Literatur immer weniger Platz eingeräumt wird. Dennoch ist es ein Versuch wert. Den Umfang/die Zeichenanzahl muss man sich in diesem Fall berechnen (in etwa am Artikel abzählen), wenn man als Erstling noch keine Erfahrung hat.
[dieser Eintrag wird noch bearbeitet]
5.2. Kurzgeschichten für Anthologien:
5.2.1. Die Teilnahme: Anthologien werden ausgeschrieben (in literarischen Online-Foren oder über Schriftstellervertretungen) oder man wird direkt dazu eingeladen. Bei Ausschreibungen kann es sein, dass die Geschichte nicht genommen wird – dann wird sie es vielleicht das nächste Mal. Meist werden Themen wie Blumen, Kaffeekränzchen, Erotik, ein Landstrich, eine Stadt usw. vorgegeben.
5.2.2. Der Vertrag: Der Verlag sichert sich üblicherweise das alleinige Recht für diese spezielle Anthologie (man kann die Geschichte nach einer Anstandszeit also nochmals verkaufen) und zahlt ein Abstandshonorar in er Höhe zwischen 100 und 500 Euro (je nach Verlagsgröße), womit alle Ansprüche abgegolten sind. In seltenen Fällen gibt es ab einer gewissen Verkaufszahl wieder eine prozentuelle Beteiligung. Außerdem sichert er sich die buchnahen Nebenrechte, die zum marktüblichen Prozentsatz von 60 bis 70 % aufgeteilt werden.
Einen Mustervertrag finden Sie hier.Man beachte: Bei den Erlösen verdienen nicht nur die Autoren und der Verlag, sondern auch der Herausgeber mit (eigener Posten).
5.2.3. Der Umfang: Die meisten Geschichten sollen nicht mehr als 10 bis 15 Normseiten haben (Normseite: siehe weiter oben unter 3.1.1.), aber das wird vom Herausgeber vorgegeben. Manchmal sind auch die „Zeichen“ Vorgabe – man sollte fragen, ob mit oder ohne Leerzeichen gerechnet wird. Die Berechnung erledigt das Wordprogramm unter Extras/Wörter zählen.
Hinweis: Beim Friedrich-Glauser-Preis für die beste Kurzgeschichte können nur Geschichten mit maximal 20 Druckseiten eingereicht werden, was in etwa diesen 10 bis 15 Normseiten entspricht.
5.2.4. Informationsadressen für Ausschreibungen (Auswahl):
http://www.uschtrin.de/anthologien.html
http://www.literatur.info/
6. Krimis für Kinder und Jugendliche
6.1. Der Kinderkrimi
Auch wenn es aufgrund des geringeren Manuskriptumfangs so erscheinen mag, es ist keineswegs einfacher, für Kinder zu schreiben. Hier treten Probleme auf, die es in der Erwachsenenliteratur gar nicht gibt.
So sind die Kinderkrimis nach Lesealter oder Lesevermögen gestaffelt. Die Protagonisten sind idealerweise genauso alt oder ein Jahr älter als die Zielleser. Zu bedenken ist hier auch, dass die meisten Verlage Manuskriptlängen für die einzelnen Lesestufen vorgeben (kann man direkt erfragen).
Wer für Zehnjährige schreibt, muss selbst wie ein Zehnjähriger denken können, muss wissen, was Zehnjährige bewegt und beschäftigt. Kinder wollen unterhalten und nicht pausenlos belehrt werden.
Einer der häufigsten Anfängerfehler ist sicher, dass man eine Message in eine mehr oder weniger konstruierte Geschichte kleidet.
Beliebt sind auch Ratekrimis, bei denen die kleinen Leser sich selbst als Ermittler betätigen können. Ganz nebenbei lernen sie hier, konzentriert und sinnentnehmend zu lesen.
6.1.1. Der Markt für Kinderkrimis
Die Zahl der Kinderbuchverlage ist deutlich geringer als die der Erwachsenenverlage, auch die Programme sind kleiner. Entsprechend werden weniger Bücher aufgelegt. Praktisch alle Verlage arbeiten mit Stammautoren, die wiederum mehrere Bücher im Jahr veröffentlichen müssen, um leben zu können. Aufgrund der begrenzten Programmplätze ist es deshalb für Anfänger nicht einfach, einen solchen zu finden.
Dank der Pisastudie ist Leseförderung an den Schulen ein großes Thema. Hier muss man allerdings sagen, dass Lehrer gern auf Altbewährtes zurückgreifen.6.1.2. Vertrag und Honorar
Die Konditionen unterscheiden sich nur unwesentlich von denen in der Erwachsenenliteratur üblichen. Die Vorschüsse für Nicht-Bestsellerautoren liegen in der Regel zwischen 2000 und 5000 Euro, also etwas niedriger. In Büchern für Leseanfänger, die durchgehend illustriert sind, werden Vorschuss und Tantiemen häufig unter Autor und Illustrator geteilt.
6.2. Jugendkrimis
Beim Jugendkrimi sind die Unterschiede zum Erwachsenenroman sehr gering. Themen und Längen sind identisch. Einzig das Alter der Protagonisten gleicht dem der Leser. Die Hauptpersonen sind also durchwegs jugendlich.
6.2.1. Der Markt für Jugendkrimis
Genau wie in der Realität verwischt sich zunehmend die Grenze zwischen Jugendlichen und Erwachsenen. Viele Verlage setzen auf „all age“. Sie geben also Jugendkrimis heraus, die auch für Erwachsene spannend zu lesen sind und die vom Titel und von der Aufmachung her nicht unbedingt als Jugendroman zu erkennen sind.6.2.2. Vertrag und Honorar
Die Konditionen gleichen weitgehend denen in der Erwachsenenliteratur.
7. Krimis für Fernsehen und Kino
7.1. Allgemeines zur Drehbucharbeit:
7.1.1. Der Unterschied zur Prosa: Grundsätzlich gilt, dass das Schreiben von Prosa und das Schreiben von Drehbüchern zwei verschiedene Handwerke sind. Natürlich hat beides mit einem guten Plot, Spannungsaufbau, mehreren Handlungsebenen, gekonnter Dramaturgie, vielschichtigen Figuren, Plot-Points (Wendungen) usw. zu tun – doch Prosa erfährt seine Magie durch die Kraft der Worte, die Bilder und Gefühle entstehen lassen. Und sonst nichts.
Filme hingegen hat Bilder, Worte (Dialog), Töne (Musik, Geräusche), die Montage (Schnitt) und Schauspieler zur Verfügung. Die Geschichte muss sich also auch auf anderen Ebenen denn jener der Worte erzählen.
Einen ersten Eindruck von (englischsprachigen) Drehbüchern kann man sich auf http://www.script-o-rama.com holen. Deutschsprachige finden sich in Buchform zB bei Diogenes.Hinweis: Es empfiehlt sich also, das Drehbuchschreiben eigens zu lernen.
7.1.2. Film- und Drehbuchschulen (Auswahl):
www.drehbuchschule-berlin.de
www.masterschool.de
www.die-filmschule.at
www.drehbuchforum.at (nur Unterstützung für fortgeschrittene Drehbuchautoren)
Sowie alle Filmhochschulen.7.1.3. (Buch)Anleitungen zum Drehbuchschreiben (Auswahl):
- Christopher Vogler: The writer’s journey (Wiese Productions)
- Linda Seger: Make a good script great (French)
- Linda Seger: Creating unforgettable characters (Owl)
- Syd Field, Peter Märthesheimer, u.a.: Drehbuchschreiben für Fernsehen und Film (List)
- Syd Field: Four Screenplays (Dell Trade Paperback)
- Syd Field: The screenwriter’s problem solver (Dell Trade Paperback)
- James Monaco: Film verstehen (Rowohlt)
- Eugene Vale: Die Technik des Drehbuchschreibens für Film und Fernsehen (TR-Verlagsunion)
- Gustav Ernst (Hrsg.): Sprache im Film (Wespennest)
- Julian Friedmann: How to make money scriptwriting (Boxtree)
- William Miller: Screenwriting for narrative film and television (Columbus Books)
- Peter Hant: Das Drehbuch (Hübner Verlag)
- Vivien Bronner: Schreiben fürs Fernsehen (Autorenhaus Verlag)
- Carrière/Bonitzer: Praxis des Drehbuchschreibens (Alexander Verlag)
- Thomas Pope: Good scripts, Bad scripts (Three Rivers Press)
- Peter Rabenalt: Filmdramaturgie (Vistas)
7.1.4. Die wahre Herausforderung der Drehbucharbeit:
Als Prosaautor schreiben Sie alleine, setzen sich dann vielleicht mit einer Handvoll Testlesern auseinander, raufen sich mit dem Lektor zusammen und hören sich die Kritiken von Verlag und Rezension an. Es ist im Grunde eine einsame Arbeit.
Als Drehbuchautor schreiben Sie zuerst ein Exposé, das dann in einer Sitzung besprochen wird – mit dabei: Produktionschef der ausführenden Produktionsfirma, Regisseur, Abteilungsleiter des Senders, dessen Assistent, wahrscheinlich Dramaturg, eventuell Hauptdarsteller. Mindestens. Die Zahl erhöht sich bei den Entwicklungsschritten, die da wären: Treatmentfassung, zweite Treatmentfassung, eventuell dritte, dann szenische Auflösung, erste Drehbuchfassung, zweite, dritte, vierte, dann Drehfassung des Drehbuchs, … In dieser Phase können auch noch Gagschreiber, Dialogschleifer, ganz normale Co-Autoren und Script-Doctors etc. dazukommen, die alles retten sollen. Es ist Teamarbeit, und alle haben im Normalfall mehr Ahnung vom Geschichtenerzählen als der Autor. Sagen die anderen … das Beruhigungsmittel: die wesentlich höhere Gage.
7.2. Die Fernseharbeit:
Da der Markt sehr eng ist und die Herstellung von Fernsehen und Kino um Vielfaches teurer ist als die Herstellung eines Buches (TV-Film rund 2-3 Mio. Euro, Eventmovie bis 10 Mio. Euro, Kino ab 3-5 Mio. Euro mindestens), wird oft nur altgedienten Profis ein Drehbuchauftrag erteilt. Einstiegsmöglichkeiten sind eine Co-Autorenschaft oder der Beitrag zu einer Serie.
7.2.1. Die Formate und Kontaktaufnahme: Es gibt alleinstehende Fernsehfilme (zB Montagskrimi und Samstagskrimi ZDF) oder Beiträge zu Reihen (wie Tatort, Polizeiruf 110, etc.), die normalerweise gemäß des Sendeschemas 90 Minuten umfassen – das entspricht je nach Format (üblich ist mittlerweile das Drehbuchprogramm Final Draft) zwischen 120 und 150 Seiten. Die Serien betragen meist 43 bis 47 Minuten (also 60 bis 70 Seiten). Es empfiehlt sich, als Einstieg eine Folge für die eigene Lieblingsserie, deren Figuren man auswendig kennt, zu schreiben. Dann sollten Sie die ausführende Produktionsfirma anschreiben, da die meisten Sender nicht mehr selbst produzieren.
7.2.2. Der Vertrag und die Honorare: In der Fernsehlandschaft gibt es üblicherweise nur mehr so genannte Buy-out-Verträge, das heißt, mit dem einmaligen Honorar sind alle Rechte seitens des Autors abgegolten. Nur wer ein wirklich gutes Standing hat, kann sich eventuell Wiederholungsrechte ausverhandeln (und das nur bei öffentlich-rechtlichen Sendern). Man sollte beim Vertrag auf die Anzahl der bezahlten Überarbeitungen achten und auf die Nennung des Namens – sonst gibt es nicht viele Spielräume.
Die Honorare bewegen sich üblicherweise zwischen 250 Euro und 500 Euro pro Sendeminute, je nachdem ohne oder mit Buy-out.
7.3. Die Kinoarbeit:
Dieser Markt ist noch enger als der TV-Markt, man muss eine sehr außergewöhnliche Idee haben, um gelesen zu werden.
7.3.1. Dramaturgie Kino versus Fernsehen: Im TV wird bei der Dramaturgie einberechnet, dass der Zuschauer nicht vor dem Apparat sitzen bleibt, sei es, dass er sich neue Snacks holt oder das Kind schreit. Bei Privatsendern müssen auch noch die Werbeunterbrechungen in die Dramaturgie eingebaut werden. TV betrachtet man normalerweise auch auf einem kleinen Schirm (nicht alle Menschen haben Homecinema). Im Kino bleiben die Menschen im Normalfall sitzen, und im Extremfall können sie der Handlung auch rein über Bilder folgen. Der Unterschied im Bildaufbau, der sich aufgrund der unterschiedlichen Projektion (waagrechte Punkte im TV, senkrechte Kader im Kino) ergeben hat, egalisiert sich durch die Digitaltechnik zusehends.
Da die überwiegende Zahl der TV-Filme und –Serien für die prime time (Hauptabend um 20.15 Uhr) produziert werden, gibt es auch inhaltliche Einschränkungen. Allzu Provokatives wird nicht gern bei den Firmen gesehen.7.3.2. Format und Kontaktaufnahme: Bei Kinospielfilmen muss man sich nicht sklavisch an die 90/45 Minuten halten, doch mehr als 120 Minuten werden als schwer verkaufbar angesehen. Am besten ist, man wendet sich mit einem aussagekräftigen Exposé, Biografie, Figurenbeschreibung, Stilbeschreibung des Films und zwei bis vier ausgeschriebenen Szenen direkt an eine Produktionsfirma. Und es gilt das gleiche, wie bei der Verlagssuche: Man sollte sich zuerst informieren, welche Firma etwas produziert, das ähnlich dem eigenen Werk ist – eine wertkonservative Firma wird keinen Erotikthriller produzieren.
- Produktionsfirmen in Österreich: http://www.filmaustria.com
- Produktionsfirmen in Deutschland: http://www.stadt-branchen.de/filmproduktionsfirmen.htm
- Produktionsfirmen in der Schweiz: http://www.swissfilms.ch
7.3.3. Vertrag und Honorar:Hier gilt Ähnliches wie bei der Fernseharbeit. Das Honorar bewegt sich zwischen 2,8 % und 1,4 % der Fertigungskosten des Films (je teurer der Film, umso weniger Prozente).
Es gibt sehr wohl einen Markt für Hörspielkrimis, in Deutschland etwa im ARD für Radio-Tatort, in Österreich auf Ö1 (ORF) in der Samstagnachmittagsreihe Hörspiel-Galerie und in der Schweiz auf DRS. Auch hier gilt: Die besten Informationen liefern die Kollegen.
8.1. Die Probleme:
- Ein Hörspiel zu schreiben, setzt einiges an Können voraus, da man von der üblichen visuellen Betrachtung der Dinge auf die auditive umschalten muss. Die Regieanweisungen von Theater oder Film, dass jemand „finster blickt“ oder „die Augen aufreißt“, nützen nichts. Eine Geschichte muss sich nur über das Hörbare, also Geräusche und Dialoge, erzählen lassen.
- Hörspiel-Macher bemängeln oft die geringe Sorgfalt beim Schreiben von Hörspielkrimis, dass etwa der Täter zu schnell erkennbar sei oder die Auflösung aus dem Hut gezaubert werde.
- Probleme bereiten außerdem zu viele Figuren, die dann – im schlimmsten Fall – auch noch in Alter und Herkunft nicht unterscheidbar sind (die Schauspieler also dieselbe Diktion haben müssten).
- Erfahrungsgemäß zeigt sich auch, dass psychologisierende Krimis im Radio besser aufgehoben sind als „actionlastige“.
8.2. Die Situation in Österreich:
- Man wendet sich direkt an den Chef der Hörspielabteilung von Ö1 (derzeit 2010 Peter Klein), sei es per Mail oder schriftlich oder auch persönlich, und stellt ihm das Projekt vor.
- Das Honorar für eine einstündige Radiogeschichte (56 Minuten) beträgt 2200 Euro für die einmalige Abgeltung des Senderechtes, dh auch bei der Zweit- oder Drittausstrahlung müssen die 2200 Euro an den Autor bezahlt werden.
- Die 56 Minuten entsprechen in etwa 35 Manuskriptseiten, abhängig vom Umfang der Regieanweisungen.
- Ein Manuskript als Orientierungshilfe bekommen Autoren meist auf Anfrage.
8.3. Die Situation in der Schweiz:
- Das öffentlich-rechtliche Schweizer Radio produziert und sendet regelmässig Krimis – alte und neue Stücke, adaptierte und originale, Kurzformate und lange, Einzelstücke und Serien; teils in Dialekt, teils in Hochdeutsch. Die populärsten Stücke sind auch als Audiobooks im Handel erhältlich, herausgegeben vom Christoph-Merian-Verlag, Basel.
- Man wendet sich an die Redaktion „Hörspiel & Satire“ von Schweizer Radio DRS, Postfach, CH-8042 Zürich. Einzureichen ist ein fertiges Manuskript – Maximallänge eines Einzelstücks ist 50 Minuten; oder ein Exposé und szenische Probe. Stücke mit einem direkten Schweiz-Bezug werden bevorzugt (Hinweis des Senders: „Es macht für uns und unser Publikum normalerweise keinen Sinn, Stücke mit starker Verhaftung in deutschen Realitäten zu produzieren, dafür sind unsere ARD-Kollegen die bessere Adresse. Besonders interessiert sind wir an Stücken in Schweizerdeutsch.“)
- Die Rechte bleiben wenn möglich bei den Autoren; fallweise gibt es ein auszuhandelndes Auftragshonorar; Sendungen werden nach den aktuellen Minutentarifen der schweizerischen ProLitteris für Erstsendung und Wiederholungen abgerechnet – also keine Pauschalen, kein Buy-out.
- Zusammenfassend: Der Sender sucht intelligenten Mainstream, sowohl inhaltlich als auch formal – brisante Themen, kantige Figuren und unterhaltsame Erzählweisen mit überraschenden Wendungen. Interessenten mögen sich auf der Seite von www.drs.ch unter der Rubrik Hörspiel über das Angebot informieren.
[Die Einträge werden ständig bearbeitet und aktualisiert!]
Frequently asked questions:
Der Text wurde von Sabina Naber verfasst – mit Beiträgen von Sabina Altermatt (Schweizer Daten), Barbara Wendelken (Kinder- und Jugendkrimi), Amaryllis Sommerer und Andreas Izquierdo sowie den Drehbuchforen Österreich und Deutschland (Film), Michaela Bokon/Thalia Wien W3 (Marktdaten Österreich), Radio Ö1/ORF und Radio DSR (Hörspiel).




Ritter und die Al Quaida