Die Spucke des Teufels
Die Spucke des Teufelsvon Ella Theiss
Grafit
ISBN 978-3894256098
Preis 17,90 €
Tödliche Kartoffeln
„Die Spucke des Teufels“ spielt Mitte des 18. Jh. in der preußischen Provinz Kleve. Friedrich der Große – den Siebenjährigen Krieg schon im Nacken – will den Anbau der nahrhaften Kartoffel mit Hilfe von Dragonerheeren forcieren. Der Pastor am Ort allerdings schmäht die Kartoffel als sündige Frucht, die aus der Spucke des Teufels entstanden sei. Lisbeth, frisch verwitwete Gastwirtin, stolpert durch ein Minenfeld aus Gewalt und Willkür. Der heftig in sie verliebte Pachtmüller Willem und sein Freund, der fahrende Barbier Jost, begeben sich in die Illegalität um ihr zu helfen. Doch Lisbeth hält sich lieber an ihre heidnischen Hausgeister – aus gutem Grund.
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Ella Theiss,
heißt im bürgerlichen Leben Elke Achtner-Theiß, ist freie Journalistin, PR-Texterin und Sachbuchautorin. Ursprünglich hat sie Germanistik und Sozialwissenschaften studiert, ihr Arbeitsfeld aber schon seit Mitte der 90er Jahre auf Ernährung, Ernährungsmedizin und Ökologie verlagert. Sie wohnt in Hessen (nahe Darmstadt), ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter. „Die Spucke des Teufels“ ist ihr erster Roman.
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Drei Fragen an Ella Theiss
Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn?
Vor ziemlich genau drei Jahren. Ich schätze mal, ich brauchte zu der gesunden Ernährung, mit der ich mich hauptberuflich befasse, endlich ein Kontrastprogramm.
Wie viele Verbrechen gehen auf ihr Konto?
Zwei Morde, mehrere Mordversuche, ansonsten Menschenhandel, Gefangenenbefreiung, Betrug, Urkundenfälschung, Hexerei, Hurerei, Landfriedensbruch … alles in einem einzigen Roman.
Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Meine Protagonisten sind einfach so mit mir durchgegangen.
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Pressestimmen
„Die schwarze Witwe und ihr Geheimnis könnten auch aus der Feder einer Ingrid Noll geflossen sein. Ein Kartoffel-Krimi, süffig und deftig wie ein richtig guter Eintopf.“
Westdeutsche Zeitung
„Mord und Totschlag gehören ebenso dazu wie gutes Essen und verkannte Liebe, Erpressung und Saufgelage. So, wie man sich das 18. Jahrhundert heute vorstellt:“
Rheinische Post
„ein beachtliches Erstlingswerk, das vor allem durch seine dichte Sprache auffällt, stilsicher und ansprechend formuliert. Die Autorin liefert auf 286 Seiten nicht nur deftige Hausmannskost, sondern auch eine feine Spitze der Literatur.“
Neue Rhein Zeitung
„Dass im Spannungsverhältnis von Herrschaft und Unterdrückung, Vernunft und Aberglaube, beste wie schlechte Absichten sich in ihr Gegenteil verwandeln – diese Dialektik hat Ella Theiss in einem wunderbaren Roman auch für heutige Auseinandersetzungen beschrieben.“
Büchergilde Buch & Grafik, Bonn
„Die „Tartüffel“ bildet den historisch-kulinarischen Nährboden für ein fulminantes Romandebüt der Journalistin Ella Theiss.“
Kle-Point
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Leseprobe
4 Lisbeth
Das Gasthaus gleicht einer preußischen Heeresstellung. Westen, Schärpen und Rockzipfel in Blau, Rot und Weiß rotieren vor Lisbeths Augen wie in einem Kaleidoskop. Hohe schwarze Stiefel stapfen die Treppe zu den Schlafstuben hinauf und herunter, trampeln durch die Wirtsstube, umkreisen Lisbeth wie sperriges Gerät, dem man ausweicht, ohne es zu beachten. Ein Dutzend Männer, die einander ebenso gleichen wie das, was sie am Leib haben, alle jung, alle groß mit stolzen Mienen und kalten Augen. Einen von ihnen kennt Lisbeth schon. Es ist der Lulatsch mit den pflaumenblauen Lidern, der neulich mit dem Major hier war. Von Zeit zu Zeit blitzen Schwäche und Zweifel aus seinen ungelenken Gesten, um sich im nächsten Moment wieder hinter blinkenden Litzen und Knöpfen zu verstecken.
Als Lisbeth noch klein war, marschierten einmal solch blau-weiß-rote Soldaten zur Musik durch die Straßen von Moers, mit Spitzhüten auf dem Kopf, unter denen weiße Perücken wie Schäfchenwolle hervorquollen, und mit glänzenden Stiefeln, die sich im genau gleichen Moment hoben und senkten, hoben und senkten. So einmütig stapften die Stiefel, dass die Erde unter ihnen mit zu marschieren schien.
Lisbeth stand mit der Mutter inmitten einer Menschenmenge am Straßenrand. Alle winkten den Soldaten zu, riefen Hurra, Hurra. Auch die Mutter. Doch zu Lisbeths Verwunderung schwangen sich die Stimmen nicht zum Himmel hinauf wie ein Jubelschrei, sondern sackten in den Staub wie ein Seufzer. Und als Lisbeth die vielen Menschen um sich herum betrachtete, wie sie ihre schmutzig weißen Tücher schwenkten und ihre zahnlosen Münder aufrissen, erschien ihr das ganze Hurra, Hurra wie ein einziger gellender Fluch.
Da wandte sich Lisbeth rasch wieder der Parade zu, freute sich an den Trompeten, den Flöten und Trommeln, dem Stapfen der Stiefel, klatschte vor Vergnügen in die Hände, hüpfte und drehte sich wie beim Karneval. Bis die Mutter sie an sich drückte, sich zu ihr herunterbeugte und den Zeigefinger auf die Lippen presste: »Psst, Lisken! Ist kein Spaß! Die schießen, wenn man nicht brav ist!«
Nicht lang und sie schossen wirklich. Sogar mit Kanonen. Da donnerte es noch ärger als bei einem Gewitter und Lisbeth kroch vor Angst unter den Tisch. Am nächsten Tag waren der Wehrturm und die Häuser der Hauptstraße kaputt. Und dem heiligen Bartholomäus am Marktplatz neben der Kirche war der Kopf abgefallen, als ob ihn die Ungläubigen zum zweiten Mal enthauptet hätten.
Viel später, an einem Abend im Sommer, als Lisbeth ins Bett geschickt wurde, obwohl es noch nicht dunkel war, da sollen die Soldaten mit ihren bunten Uniformen und ihren blinkenden Gewehren in die Häuser eingedrungen sein, wo Holländer wohnten, sollen alle herausgeholt und mit ihren glänzenden Stiefeln in den Leib getreten haben, sollen sie auf dem Marktplatz zusammengetrieben und auf Leiterwagen zusammengepfercht haben. Auch die Kinder, obwohl die brav waren und in ihren Betten geschlafen hatten, wie Lisbeth. Dann sollen die Soldaten die Holländer und alle, die mit ihnen verwandt oder verbandelt waren, mit Peitschen und Knuten aus der Stadt gejagt und viele erschossen haben. Sodass man sich in Moers lange nicht mehr traute, auch nur ein einziges holländisches Wort zu sagen.
Lisbeth hat nicht begreifen können, wie die lustige Musik und die bunten Uniformen mit den Kanonen, den Gewehren, dem Vertreiben und Erschießen von arglosen Menschen zusammenhängen. Inzwischen kennt sie die Soldaten. Die sind wie der Gulden in ihrer Schürzentasche. Glänzt wie ein Stückchen Sommersonne und bringt doch nichts als Elend.
Früh am Mittag erscheint der Kommandant der Garde, sprengt auf seinem Pferd in den Hof, marschiert durchs Gasthaus, durchkämmt alle Schlafkammern, die Wirtsstube, den Keller. Zuletzt dringt er wie eine Windböe durch die Tür zur Küche, mustert Lisbeth mit mildem Lächeln und stellt sich als Leutnant von Diest vor. Er werde regelmäßig Herd und Schränke kontrollieren, sagt er, »natürlich nicht aus Misstrauen, sondern zur bloßen Vorsicht!«.
Stirnrunzelnd bleibt er vor den Kartoffeln stehen, die ausgebreitet am Fenster liegen. »Tartüffeln gehören in den Keller.«
»Mit Verlaub, Herr, diese sind noch grün, ich wollte sie bei Tageslicht nachreifen lassen!«, sagt Lisbeth und macht einen Knicks, um trotz der Widerrede nicht anmaßend zu erscheinen.
Der Leutnant nickt, wendet sich den getrockneten Zwiebeln im Regal zu.
»Aber es hilft nicht«, fährt Lisbeth fort, »diese Tartüffeln werden immer grüner!«
»Werf sie sie weg, wenn sie unreif sind! Nehm sie andere!«
»Sehr wohl«, sagt Lisbeth.
…
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Mord unter Segeln