Die Nacht der grauen Katzen

Die Nacht der grauen Katzen
von Lilo Beil

Conte
ISBN 978-3941657281
Preis 11,90 €

Der vierte Gontard-Krimi

»Nun mache ich den Gegenbesuch.«
Gontard sah die Frau nicht. Die Stimme kam ihm zuerst nicht bekannt vor. Ob er sich doch aus dem Dunkel herauswagen sollte? Was hoffte er zu hören? Irgendetwas in ihrer Stimme veranlasste ihn zu zögern, sich nicht zu erkennen zu geben.

Wir schreiben das Jahr 1988, Friedrich Gontard fehlt noch ein Jahr zum Ruhestand. Als die Leiche eines jungen Mannes gefunden wird, zieht Gontard den Fall an sich. Er hatte das Opfer in der Nähe der alten Arzt-Villa in den Weinbergen noch lebend gesehen. Nun nimmt er die Hinterlassenschaften in der Villa unter die Lupe. Es tauchen Hinweise auf eine Verstrickung des Arztes in die Euthanasiepolitik der Nazis auf. Gontard muss lernen, dass die Geschichte sich ihre Geheimnisse nicht so einfach entreißen lässt.

Im vierten Gontard-Krimi entwirft Lilo Beil ein Zeitgemälde der Achtzigerjahre. Die Pfälzer Weinberge, Ludwigshafen, Mannheim und Odenwald sind die Schauplätze.

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Lilo Beil,

geb. 1947, verbrachte ihre Kindheit in einem südpfälzischen Pfarrhaus. Nach dem Studium der Anglistik und Romanistik in Heidelberg unterrichtete sie fast vierzig Jahre an einem südhessischen Gymnasium. Die Mutter von drei erwachsenen Töchtern lebt heute mit ihrem Mann und zwei Hunden in Birkenau im Weschnitztal.

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Drei Fragen an Lilo Beil

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn?

Wann begann ihre kriminelle Laufbahn? Ungefähr seit Erscheinen von “Heute kein Spaziergang” (43 Krimigeschichten / 2002) und ganz richtig seit “Gottes Mühlen” (1. Gontard Krimi / 2007)

Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto?
Unzählige

Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Als gewesene Pfarrerstochter habe ich meine ersten 19 Lebensjahre in einem alten Pfarrhaus verbracht, das neben dem Friedhof lag. Das prägt.

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Pressestimmen

»Mörderische Idyllen; in stilistisch raffinierter und literarisch anspruchsvoller Form; Spannung, Lokal- und Zeitkolorit kennzeichnen die Krimis um den bodenständigen Ludwigshafener Kommissar Friedrich Gontard.«
Rhein Neckar Zeitung
»Beil schafft es, mit sympathischen und vielschichtig angelegten Charakteren kurzweilige Krimiplots zu entwerfen, die ohne blutrünstige Effekte und übertriebene Brutalität auskommen.«
Literaturkritik.de

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Leseprobe

Der Träumer im Weinberg
Die Hitze des Tages hatte sich in den Boden verkrochen. Zwischen den Rebstocken hing noch der Duft eines heißen Sommertags im späten August. Es war ein Gemisch aus Staub und überreifen Feigen, gegorenem Fallobst und trockenem Gras, das sich nach Regen sehnte. Die Eidechsen und Schlangen hatten sich unter die aufgewärmten Steine des Weinbergs zurückgezogen. Die Tiere der Nacht schlichen lautlos durchs Gehölz und suchten ihre Beute unter den alten Walnuss- und Kastanienbäumen, den Pappeln und den Pinien. Die Silhouette einer großen Villa aus hellem Stein schimmerte durch die Bäume am Waldhang oberhalb des Weinbergs. Eine graue Katze schlüpfte unter dem morschen Zaun hindurch, sprang auf das mit Efeu bewachsene Mauerchen aus groben Steinen, von Weinbauern früherer Tage ganz ohne Mörtel kunstvoll errichtet. Dort oben auf der Mauer lies sie sich für einen Moment nieder, unschlüssig und zögernd, doch mit einem Satz landete sie plötzlich im ausgedorrten Gras. Ihren schrägen grünen Augen entging nichts, auch nicht in der Nacht. Dort drüben unter dem Nussbaum lag eine Menschengestalt.
Die Katze, die es liebte, um Menschen herumzuschnurren, an ihren Beinen entlangzustreifen und sich anzuschmiegen, wurde neugierig, und mit wenigen Schritten auf samtenen Pfoten war sie am
großen Baum angekommen, dessen Blatter sich unter einer leichten Brise bewegten. Die Katze, an Lockrufe und schmeichelnde Worte ihrer Herrin gewohnt, ging mehrmals schnurrend um die Gestalt unter dem Nussbaum herum, doch die Gestalt bewegte sich nicht, und sie sprach auch nicht.
Etwas missfiel der Katze an dieser reglos im Gras liegenden Masse Mensch. War es der Geruch, oder war es die Starrheit der Augen, die weit geöffnet auf den fast sternenlosen Himmel gerichtet waren?
Die Katze wandte sich von diesem merkwürdigen Menschen ab, der sie nicht streichelte, wie ihre Herrin es tat. Ihre Herrin, bei der sie es gut hatte, die sie gerettet hatte vor dem Tod. Denn sie war eine graue Katze, eine Unglücksbringerin wie ihre schwarzen Schwestern, und zudem war sie im Herbst geboren. Der Bauer hatte sie ersaufen wollen, denn Herbstkatzen taugen nichts, sie sind kränklich von Anfang an, da wird nichts draus. Sie fangen keine Mäuse und sind nur unnütze Esser, so heißt es. Ihre Herrin hatte sie dem Bauern abgekauft, und so durfte sie leben. Jetzt schlüpfte sie unter dem alten Zaun hindurch, rannte mit schnellen Sätzen die dunkle Straße hinunter ins Dorf. An der Biegung der Dorfstraße wäre sie beinahe in ein fahrendes Auto gelaufen. Bremsen quietschten. Ein erschrockenes Männergesicht hinter der Autoscheibe. Die Katze, mit gekrümmtem Rucken, spürte die großen Reifen an ihrem Fell, doch zwischen zwei Rädern hindurch wurde sie auf den Gehsteig geschleudert, ohne sich verletzt zu haben. Aus ihren schrägen Augen erspähte sie das Gesicht des Mannes hinter der Glasscheibe. Langsam fuhr er davon, als er sah, dass das Tier unversehrt war und mit einem Satz auf den steinernen Torpfosten des Fachwerkhauses sprang.
Im Hof wartete schon die Herrin, die besorgt nach ihrer Katze rief. Sie hatte das Quietschen der Bremsen gehört, das Tier vermisst und sich besorgt nach draußen begeben. Leise schloss sich die alte Eichentür hinter Katze und Herrin. Die Dorfstraße, menschenleer, lag still unter einem Himmel ohne Sterne, nur schwach erhellt von einer kaum wahrnehmbaren, dünnen Mondsichel, die hinter die schwarzen Wolken glitt, als wolle sie sich verstecken.

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