Grafit Verlag

Fesselnde Unterhaltung: nicht mehr, aber auch nicht weniger will der Grafit Verlag mit seinen Büchern bieten. 1989 gegründet war der Anspruch zunächst nicht so klar umrissen. In den ersten Jahren bildeten Hotelführer einen weiteren Schwerpunkt des Programms. Doch 1999 entschieden Verlagsgründer Dr. Rutger Booß und seine Mitarbeiterinnen, sich zukünftig ausschließlich der Bekämpfung von – natürlich fiktiv begangenen – Verbrechen zu widmen.

Von Beginn an war es ein besonderes Anliegen, den deutschsprachigen Krimi aufzubauen und zu entwickeln. In den ersten Jahren handelte es sich in der Tat um Aufbauarbeit – in den Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts war Kriminalliteratur ein fast nicht existentes Genre im Buchmarkt, und erst recht der deutsche Krimi fristete ein kümmerliches Dasein. Doch nicht zuletzt dank der Erfolge der Eifel-Krimis von Jacques Berndorf – die Geschichten über Siggi Baumeister stürmten regelmäßig die Bestsellerlisten – begann der Krimimarkt zu boomen.

Heute ist die Krimilandschaft unüberschaubar groß, fast nach dem Motto "Jedes Dorf bekommt seine Leiche". Der Grafit Verlag legt aber weniger Wert darauf, dass jedem Dorf ein Verbrechen angedichtet wird, als vielmehr, dass gute und spannende Geschichten erzählt werden. So gehören namhafte und preisgekrönte Autorinnen und Autoren zur Grafit-Familie: Jürgen Kehrer, dessen Privatdetektiv Georg Wilsberg aus Münster nicht nur zwischen Buchdeckeln sehr erfolgreich auf Spurensuche geht, sondern am Samstagabend im ZDF jedes Mal ein Millionenpublikum vor den Fernseher lockt. Gabriella Wollenhaupts Grappa-Krimis haben seit zwanzig Jahren regelrechten Kultstatus, Horst Eckert ist der Vater von vielen Helden, er konfrontiert immer wieder neue Figuren mit den Abgründen der Gesellschaft, und seine Romane werden regelmäßig mit Preisen ausgezeichnet. Lucie Flebbe mit ihrer jungen Detektivin Lila Ziegler gilt als das neue deutsche Fräuleinwunder des Krimis – um nur einige namentlich zu erwähnen.

Neben den zeitgenössischen Krimis finden sich historische Romane und Übersetzungen aus dem europäischen Ausland im Grafit-Programm. Auch hier zeugen viele Preisträger für eine sorgfältige Auswahl der Bücher. Zum Beispiel wurde der Finne Marko Kilpi sogar für den Finlandia-Preis, den bedeutendsten literarischen (!) Preis Finnlands nominiert, und der Niederländer Charles den Tex mit seinen Michael-Bellicher-Thrillern hat fast schon ein Abo auf den niederländischen Krimipreis. Winterfest des Norwegers Jørn Lier Horst wurde die besondere Ehre zuteil, 2011 zum Lieblingsbuch der norwegischen Buchhändler gewählt zu werden.

Obwohl sich das Grafit-Programm "nur" innerhalb eines Genres, eben der Kriminalliteratur, bewegt und Schwarz die prägende Farbe vieler Cover ist, präsentiert es sich bunt und abwechslungsreich: Es ermitteln natürlich Polizisten und Detektive, aber auch Anwälte, Journalisten, Taxifahrerinnen, Studenten sowie andere "Normalos" – und sogar ein Killer. Die Erzählungen sind mal sachlich oder witzig, literarisch oder skurril, mal mehr, mal weniger realitätsnah, mal nachdenklich stimmend, mal "in einem Happs konsumierbar" – wie auch immer, eines auf jeden Fall: spannend.