Das schwarze Tagebuch
Das schwarze Tagebuchvon Leonhard Michael Seidl
aavaa-Verlag
ISBN 978-3941839809
Preis 9,95 €
Dunkle Vergangenheit
Im Jahre 1944 werden in dem norditalienischen Dorf Cumiana einundfünfzig Zivilisten von der deutschen SS ermordet. Während dieses Massakers kommt es zur Vergewaltigung einer jungen Italienerin, an der vier deutsche SS-Männer beteiligt sind.
Dies alles steht in dem schwarzen Tagebuch des vermeintlich letzten Opfers. Doch erst drei der vier damaligen Vergewaltiger sind tot.
Dem privaten Ermittler Gabriel Gaukler stellen sich nun verschiedene Fragen. Wer ist der Mörder der drei Männer? Wer ist der vierte Mann? Hat die junge Italienerin die Vergewaltigung überlebt und wurde ein Kind geboren?
Hängen die Morde tatsächlich mit der damaligen Vergewaltigung zusammen oder ist Das Schwarze Tagebuch eine Fälschung?
Leonhard Michael Seidl hat eine Reise in die italienische Provinz Piemont zu dem Ort Cumiana unternommen. Er hat mit Zeitzeugen des Massakers ausführliche Gespräche geführt und deren Ergebnisse zu einer spannenden Geschichte verwoben.
In seinem Roman Das Schwarze Tagebuch schildert Seidl einfühlsam, wie die entsetzlichen Ereignisse während des Zweiten Weltkriegs noch immer auf unsere heutige Gegenwart Einfluss nehmen.
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Leonhard Michael Seidl,
geb. in München; verh., eine Tochter, ein Sohn, eine Enkeltochter; pensionierter EDV-Beamter; Theaterautor und -Regisseur; Buch-Autor; ehem. Gitarrenlehrer + ehem. VHS-Dozent für bairische Sprache. Mitglied bei GEMA, Verdi (VS) und VGWort.
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Drei Fragen an Leonhard Michael Seidl
Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn?
Meine Laufbahn begann ca. 1980 mit bairischer Lyrik (die war wirklich kriminell) und inzwischen etwa 30 Theaterstücken (einige davon veröffentlicht beim Drei-Masken-Verlag München).
Wie viele Verbrechen gehen auf ihr Konto?
Ich verbreche nicht; wenn überhaupt, dann erbreche ich (Schmuckschatullen, Panzerschränke, Leberkäse und/oder Nutella).
Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Zu meiner Verteidigung ziehe ich Karl Valentin heran: “Es ist schon alles gesagt – aber noch nicht von jedem!”. Diesem weisen Satz füge ich besser nichts hinzu, denn es könnte gegen mich verwendet werden.
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Leseprobe
Ferdinand Schönmann überquerte eilig die Straße. Er hasste diese Gegend. Er war bei einem Treffen gewesen und musste hier vorbei.
Das Gesicht des Mannes lag unter einem breitkrempigen Hut verborgen. Er selber war dunkel gekleidet, altmodisch korrekt. Er hatte das Alter von achtzig Jahren überschritten, doch seine Bewegungen waren noch immer energisch, beinahe aggressiv, ebenso wie seine Gedanken voll steter Unruhe waren.
Er vernahm ein Geräusch hinter sich und beschleunigte seine Schritte. Eine Kirchenuhr schlug zweimal. Das düstere Stadtviertel lag schlafend in der Nacht.
Jetzt hatten ihn die Schritte erreicht. Eine Hand packte seine Schulter. Er wurde herumgerissen, gegen eine Hauswand gedrückt. Zwei, drei schnelle Schläge ins Gesicht.
Schönmann verlor seinen Hut. Blut rann von seinen Lippen. Er schrie nicht um Hilfe, sondern begann sich verbissen zur Wehr zu setzen. Noch immer besaß er erstaunliche Kräfte. Der Angreifer jedoch war ein disziplinierter, durchtrainierter Kämpfer von seltsam zierlicher Statur, der nach einem klaren Plan vorging.
Schönmann wurde in den Eingang eines verlassenen Hauses gezerrt. Inzwischen hatte ihn jede Kraft verlassen. Sein Angreifer zwang ihn unbarmherzig in die Knie, fesselte seine Hände mit Kabelbinder. Verklebte die Augen mit einem breiten Isolierband. Ein Dolch blitzte auf. Eine Stimme zischte:
„Die Namen.“
Hastig schüttelte der Alte den Kopf, versuchte sich ein letztes Mal freizumachen. Es mißlang. Der Dolch fuhr in seine Seite. Er kannte diese Art von Waffen. Fast vermochte er durch das Isolierband über den Augen seinen Namenszug auf der scharfen Klinge des Messers zu lesen. Sein Mantel wurde mit Blut getränkt. Die Stimme zischte:
„Die Namen.“
Wieder schüttelte der Mann den Kopf. Diesmal langsamer, so, als würde er zögern. So, als wüsste er nun, daß sein Weg, sein langer, vergeblicher Weg, hier in diesem schmutzigen Hauseingang unweigerlich zu Ende war.
Der Dolch fuhr in seinen Oberschenkel.
„Die Namen!“
Der alte Mann wirkte plötzlich ganz gelassen, fast heiter. Er hatte immer, all die langen Jahre, gewusst, er würde einmal büssen müssen. Es gab Zeiten, da hatte er die Erinnerung daran verloren geglaubt; in den hellen, den glücklichen Zeiten, mit der Familie, der Frau, dem Kind. Doch immer, wenn er nachts nicht schlafen konnte, und die alten Bilder wie Fabelwesen aus versunkener Zeit vor seinem inneren Auge auftauchten, da wurde ihm bewusst, daß er würde bezahlen müssen.
Der Dolch ritzte seine Genitalien.
„Die Namen.“
Er hatte Kontakt zu den anderen gesucht. Doch sie waren abgetaucht in eine kleine, bürgerliche, saubere Welt voller Unauffälligkeiten und stillem, trügerischem Lebensglück.
Der Dolch arbeitete jetzt schneller. Die Schmerzen türmten sich zu einem unüberwindbaren Hindernis. Die Namen… Wieviele waren es gewesen? Fünf? Zehn? Vier?
Der alte Mann spuckte keuchend ein paar Namen aus. Der Angreifer zeigte keine Reaktion. Wusste er, daß der Alte log? Kannte der andere bereits alle Namen, suchte lediglich die Bestätigung?
Der Dolch ritzte die Stirn, zog ein breites Blutband über verborgene, tränende Augen. Neue, andere Namen. Der Dolch wanderte unbeeindruckt weiter zu den Ohren, trennte eines mit raschem Schnitt vom Schädel, wanderte zur anderen Seite.
Da brach des alten Mannes Widerstand mitten entzwei. Bereitwillig, ohne noch zu überlegen, gab er sein dunkles Wissen preis. Er würde sterben. Wie auch die anderen sterben würden. Was machten da die Namen?
Die Nacht senkte sich über den gebrochenen Greis. Er hatte das Ende des Weges erreicht. Die Stimme schwieg.
Der Dolch vollendete seine Arbeit. Ferdinand Schönmann war tot.
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Mord unter Segeln