Clamlinde

Clamlinde
von Ernst Reinhard Schöggl

Bibliothek der Provinz
ISBN 978-3852523774
Preis 15,00 €

Die nackte Hirschjungfrau

Die Geschichte einer jungen Frau, die auf der Suche nach ihrem leiblichen Vater aus ihrer engen bäuerlichen Welt ausbricht und ins Rotlichtmilieu gerät, ist spannend und berührend zugleich. Wie in allen Krimis des oberösterreichischen Schriftstellers laufen die Fäden im Unteren Mühlviertel zusammen. Diesmal spannt sich der Bogen der Schauplätze bis Wien, Bratislava und Hamburg. Eine Mühle im Naarntal, ein verlassener Bauernhof und die romantische Burg Clam bilden eine kontrastreiche Kulisse zum Milieu der Großstädte. Und trotz einer Welt menschlicher Abgründe kommt auch der Humor nicht zu kurz.
“Clamlinde”, die nackte Hirschjungfrau, ist Bestandteil des Familienwappens der Grafen zu Clam. Die wunderschöne Burg, im Strudengau im Bezirk Perg in Oberösterreich gelegen, ist seit 555 Jahren im Privatbesitz der Familie.
Die Sage von der Fee Clamlinde geht zurück auf die Antike. Weil der Jäger Aktäon die Jagdgöttin Artemis verbotenerweise beim Nacktbaden beobachtete, wurde er zur Strafe in einen Hirschen verwandelt und von den eigenen Hunden zerrissen.
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Ernst Reinhard Schöggl
Studium der Altphilologie und Germanistik an der Universität Salzburg, Mag. phil., Professor i.R., verheiratet, 2 Töchter, Fußballtrainer, Reiseleiter, österreichischer Schriftsteller, Mitglied des P.E.N.-Clubs, der IG Autorinnen und Autoren, der Plattform österreichischer Kriminalschriftstellerinnen und -schriftsteller sowie des Syndikats. Veröffentlichungen im Verlag Bibliothek der Provinz: ‘Stammtisch’ – Betrachtungen (Satiren 2005), ‘Wer ist Franz?’ – Gartenzwerge nach Trinidad (Satiren 2006), ‘Das Waldhaus’ – Kriminalroman (2007), ‘Mit Strindberg zur Hölle’ – Kriminalroman (2008); sowie ‘Wolf im Katzenpelz’ – Satyresken (2008) und im Juni 2009 ‘Clamlinde’ – Kriminalroman (2009).

http://www.schoeggl.bplaced.net

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Drei Fragen an Ernst Reinhard Schöggl

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn?
Nach der Jahrtausendwende, als ich draufkam, dass man so auf ganz legalem Weg nach Herzenslust morden kann

Wie viele Verbrechen gehen auf ihr Konto?
Unzählige, an die Öffentlichkeit gelangt sind allerdings durch meine Bücher nur wenige

Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Auf der Criminale habe ich noch viele andere kennen gelernt, die genauso mordlüstern und mordslustig sind wie ich
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Leseprobe

Ein schmaler Güterweg führte nördlich des Flusses in Serpentinen steil hinauf durch einen Wald, bis er sich oben teilte. Der rechte Weg führte auf eine offene, saftig grüne Bergkuppe, schlängelte sich wieder hinunter durch einen Wald, bis man zu einer auf einem Abhang gelegenen Wiese gelangte. Am Fuße dieses Abhanges stand der Bauernhof, mit seinen mächtigen Gesteinsquadern typisch für das Mühlviertel, Granit und weißer Kalk, helles Holz und rote Dachziegel, alles renoviert und gepflegt, Blumen und Kräutergarten, wie eine gemalte Idylle. Keine Spur von harter bäuerlicher Existenz! Kein Mensch war anwesend, auch kein Vieh, kein Geflügel, kein Hund, nicht einmal eine streunende Katze war zu sehen. Eine Idylle ohne Pulsschlag! Die Stille war fast beklemmend und jeder Vogelschrei willkommen. »Nichts hat sich verändert, aber alles ist anders«, sagte Frau Maier, »alles stirbt in Schönheit. Kein Leben mehr am Hof! Schade. Früher war noch alles voller Leben. Ich komme öfter hier herauf, wissen Sie«, fuhr sie fort, »ich male nämlich Landschaftsbilder. Seit ich in Pension bin, male ich, entweder unten am Fluss oder hier heroben.
»Was waren Sie von Beruf, wenn ich fragen darf?«
»Lehrerin an der Volksschule«, antwortete sie, »über dreißig Jahre lang. Übrigens habe ich die Lora in der Schule gehabt, ein eigenwilliges, aber kluges Kind.«
»Und Sie sind schon in Pension?«, wunderte sich Dörr, »Sie können doch noch keine sechzig sein!«
»Bin ich auch nicht«, lächelte sie, »aber ich habe mich pensionieren lassen, als sie bei mir Krebs diagnostiziert haben. Sie wissen, was das bedeutet, Herr Inspektor. Leben auf Abruf! Also habe ich mich entschlossen, leiser zu treten, und mit dem Malen begonnen. Malen ist für mich Therapie und es gibt meinem Leben Sinn. Ich spüre dadurch die Natur, meine Natur, aus der ich stamme. Wir Menschen sind Wasserwesen und ich liebe das Wasser. Ich komme hierher und male den Fluss, die Tümpel, die Rinnsale, den Nebel, den Tau.«
Dörr hatte aufmerksam zugehört. Er wagte gar nicht, danach zu fragen, welche Art von Krebs Frau Maier hatte, obwohl
es ihn sehr wohl interessiert hätte. Stattdessen erkundigte er sich genauer über Lora, fragte, wie sie in der Schule so gewesen sei.

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