Schmidt ist tot
Raoul Biltgen

Schmidt ist tot

Roman

Verlag Wortreich

304 Seiten
September 2017
ISBN 9783903091313
19,90 € [D], 19,90 € [A]
     

Als Schmidt Patrick eines Tages einen Anruf von der Wiener Polizei bekommt, die ihn vom Tod seines Bruders René unterrichtet – glaubt er es nicht. Schmidt René nämlich ist ein Scherzbold und hat bestimmt wieder einen seiner geschmacklosen Späße inszeniert. Um gute Miene zum bösen Spiel zu machen, erklärt sich der Luxemburger bereit, nach Wien zu kommen. Hier jedoch verläuft alles ganz anders als geplant. Nicht nur, dass er von der Polizei beschattet wird, erfährt er nun auch, dass sein Bruder ein Waffenhändler und Terrorist gewesen sein soll – und im Gefängnis Selbstmord begangen hat. Doch wer sind hier die wahren Verbrecher? Was weiß die rätselhafte junge Frau, die sich „Engl“ nennt? Und welches Geheimnis hat René tatsächlich mit in sein Grab genommen?

In atemberaubendem Tempo jagt Krimiexperte Biltgen seinen Protagonisten durch einen abgründigen Fall – während es ihm gleichzeitig gelingt, sensibel die Geschichte eines ungleichen Brüderpaars zu erzählen.

“Raoul Biltgen ist ein meisterhafter Sprachkünstler, der es zudem perfekt versteht, zutiefst menschliche Verhaltensweisen subtil in einen perfiden Noir-Krimi einzuflechten.“
Edith Kneifl

"Schmidt ist tot" ist nominiert für den Friedrich-Glauser-Preis 2018.

Raoul Biltgen
© Gerry Huberty

Raoul Biltgen

geboren 1974 in Luxemburg. 1993 Umzug nach Wien. Schauspielausbildung in Wien. Dann Ensemblemitglied am Landestheater Bregenz, anschließend Dramaturg am Theater der Jugend Wien. Seit 2003 freischaffender Schriftsteller, Schauspieler und Theatermacher, seit 2015 zusätzlich als Psychotherapeut (in Ausbildung unter Supervision) in Wien.

Seine etwa 40 Theaterstücke wurden bisher in Europa, Mexiko und China gespielt. Er ist Autor mehrerer Bücher (zuletzt "Jahrundertsommer", Roman, Verlag Wortreich). Nach 2014 ist Raoul Biltgen 2017 bereits zum zweiten Mal für den Friedrich Glauser Preis in der Sparte Kurzkrimi nominiert. Preisträger des niederländisch-deutschen Kinder- und Jugenddramatikerpreises 2017. Er schreibt eine wöchentliche Liebes- und Sex-Kolumne (www.adamspricht.com).

Raoul Biltgen stand schon einmal unter Mordverdacht.

Schmidt ist tot ist die Empfehlung der Woche der SYNDIKATs-Redaktion vom 18. Februar 2018.

Kritikerstimmen

Was diesen Roman zu mehr als einer soliden Kombination aus bekannten Versatzstücken macht, ist jedoch seine Sprache mit ihren permanenten Wiederholungen und Verkürzungen, die inhaltliche Konventionen verfremden und ironisieren. [...] So lässt sich Schmidt ist tot ähnlich wie die Romane von Wahlösterreicher Biltgens Kollegen Wolf Haas auch als Sprachexperiment in Krimiform lesen.
Tageblatt

Wie verknüpft man eine komplizierte Familiengeschichte mit einem diabolischen Polizei-Komplott zu einem spannenden Kriminalroman? Raoul Biltgen zeigt in seinem neuen Buch Schmidt ist tot, wie es geht.
Marcel Kieffer, Luxemburger Wort (zur gesamten Rezension)

Abgründige wie perfide Story in eigenwillig beklemmend guter Sprache.
Trend Wirtschaftsmagazin, 13. Oktober 2017

Drei Fragen an Raoul Biltgen

Warum haben Sie sich für ein Leben mit dem Verbrechen entschieden?
Weil ein Verbrechen längst nicht immer so klar und deutlich als Verbrechen abzuhaken ist. Und dann wird es spannend.

Was ist Ihre Lieblingstatwaffe?
Die spitze Feder. Ach ja: und das Klischee.

Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Hiermit entziehe ich meinem Verteidiger das Wort und plädiere auf schuldig in allen Anklagepunkten.

Leseprobe

»Schmidt«, sagte Schmidt in den Hörer. Dabei war es nicht seine Art, sich mit Namen zu melden. Schon gar nicht um diese Zeit. Aber vielleicht war es gera­de diese Zeit und sein Zustand zu dieser Zeit, die ihn dazu brachten, etwas zu tun, was er normalerweise nicht tat. Sich mit Namen melden.
Es war acht. Oder kurz danach, denn um acht hatte Schmidt geschlafen. Nicht noch, sondern endlich. Er war krank. Nichts Schlimmes, aber doch, er hatte erst seit zwei oder drei Stunden geschlafen, und selbst diese kamen ihm vor wie vielleicht gerade mal zehn Minuten. Er hatte sich frei genommen an diesem Montag, weil er krank war, nicht schlimm, aber doch, und er hatte es gestern bereits kommen sehen, dass er eine Nacht mit wenig Schlaf vor sich haben würde.
»Schmidt«, sagte also Schmidt in den Hörer.
Der Hörer sagte nichts.
»Hallo«, sagte Schmidt in den Hörer.
»Hallo«, antwortete eine Stimme aus dem Hörer. Dann räusperte sich jemand und fragte: »Spreche ich mit Herrn Schmidt?«
»Ja«, sagte Schmidt.
»Schmidt Patrick?«
»Ja«, sagte Schmidt.
»Ah. Gut. Ja«, antwortete der Jemand. Dann: Stille am an­deren Ende der Leitung.
»Ja bitte?«, fragte Schmidt, leicht genervt.
»Ja, also«, sagte die Stimme unbeirrt. Und dann wieder nichts mehr.
Jetzt war Schmidt nicht mehr nur leicht genervt. So früh am Morgen und so schnell schon genervt, das konnte was werden.
Er hätte liegen bleiben, das Telefon klingeln lassen, den fast stummen Anrufer ganz stumm am anderen Ende der Lei­tung sitzen lassen sollen. Er wusste nicht, wie oft das Tele­fon bereits in seinen Schlaf hineingeklingelt hatte, als er sich nach einem schnellen Blick auf die rot leuchtenden Zahlen des Radioweckers neben seinem Kopf, die acht Uhr in der Früh anzeigten, gut, kurz danach, dazu entschlossen hatte ranzugehen, obwohl er müde war und krank. War es etwas Wichtiges, hätte der Mensch, der ihm das mitzuteilen hatte, ja auch auf den … Nein, er hatte natürlich vergessen, den An­rufbeantworter einzuschalten. Er hatte es sich vorgenommen, am Abend zuvor, er hatte es ja kommen sehen, dass er eine Nacht mit wenig Schlaf vor sich haben würde, aber dann da­rauf vergessen in den vom Fieber durchnebelten Gedanken.
Hatte er so hohes Fieber?
Nein, so hohes Fieber hatte er nicht, es war doch nichts Schlimmes, nur eine leichte …
Noch ein wenig weiter überlegen, es noch ein wenig län­ger hinauszögern, und es wäre ohnehin zu spät gewesen. Aber nein, Schmidt war aufgestanden und zum Festnetztelefon ge­wankt, hatte den Hörer an sein Ohr gehoben und »Schmidt« gesagt, und nun stand er da, müde, krank und genervt über die stumme Stimme und sich selber auch.
»Ja, also«, wiederholte die Stimme. Es wurde nicht besser. Oder doch? Die Stimme fuhr fort: »Ja, also, leider habe ich die schlimme Pflicht, Ihnen, Herr Schmidt, eine Mitteilung … mitzuteilen, also eine Nachricht. Spreche ich mit Herrn Schmidt Patrick, dem Bruder von Schmidt, Moment, René?«
»Das tun Sie«, sagte Schmidt und schloss die Augen dabei.
»Nun, Ihr Bruder, Herr Schmidt, Herr Schmidt René, muss ich Ihnen leider mitteilen …«
»Ja?«
»… ist tot.«