Blinde Schatten
Anna Schneider

Blinde Schatten

Psychothriller
Dezember 2016
sofort lieferbar
ISBN 9783958190986
3,99 € [D]
     
Um Haaresbreite überlebt die Goldschmiedin Johanna Gerke einen grausamen Anschlag. Sie verliert ihr Gedächtnis und kann sich nur mühsam wieder zurück ins Leben kämpfen. Der Täter entkommt unerkannt, die Polizei steht vor einem Rätsel. Wer hasst Johanna so sehr, dass er sie umbringen will? Je mehr verwirrende Details sie über die vergangenen Monate in Erfahrung bringt, desto klarer wird: Es muss jemand aus ihrer unmittelbaren Umgebung sein. Und er wird alles versuchen, damit es ihm beim nächsten Mal gelingt …
Anna Schneider
© Claudia Toman, Traumstoff

Anna Schneider

wurde in Bergneustadt im Oberbergischen Land geboren und lebt heute mit ihrer Familie in der Nähe von München. Die promovierte Betriebswirtin arbeitete viele Jahre bei einer Frankfurter Großbank im Bereich Personal und war außerdem als Dozentin und Coach tätig. 

Für ihre Arbeiten wurde sie mehrfach ausgezeichnet, zum Beispiel 2013 mit dem Stipendium "Tatort Töwerland".
Neben Kurzgeschichten hat Anna Schneider unter diesem Namen zwei Jugendthriller veröffentlicht.

Unter dem Pseudonym "Anna Martens" schreibt sie Krimis und Thriller für Erwachsene. Ihr erster unter diesem Namen erschienene Thriller "Engelsschmerz" war Platz 1 bei Kobo und hielt sich genauso wie ihr zweiter Kriminalroman einige Wochen in den Top 50.

Empfehlung der Woche

Blinde Schatten ist die Empfehlung der Woche der SYNDIKATs-Redaktion vom 12. Juni 2017.

Kritikerstimmen

Spannend, unheimlich, mitreißend. Absolute Empfehlung an Thrillerfans.
Aglaya auf Amazon

Ein Jugendthriller vom Feinsten: Hochspannend, berührend und toll geschrieben von der ersten bis zur letzten Zeile.
Nele Neuhaus über "Blut ist im Schuh"

Drei Fragen an Anna Martens

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn?
2009

Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto?
Mindestens sechzehn.

Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Nichts. Mich allein trifft die Schuld. Meine Gedanken geraten außer Kontrolle und dann ...

Leseprobe

Ich stehe auf einer Lichtung. Gleißendes, kaltes Mondlicht taucht die feuchte Wiese in unwirkliche Helligkeit. Meine Füße sind nackt. Ich friere. Mein weißes T-Shirt ist viel zu dünn. Ich schlinge die Arme fest um meinen Körper, will Wärme. Es ist kalt, bitterkalt. Ich höre das Geräusch meiner Zähne, die aufeinander schlagen. Kann es nicht stoppen. Sie klingen wie Kastagnetten. Klapp, klappklapp, klapp.
Ich will mich bewegen. Doch mein Körper folgt den Befehlen meines Kopfes nicht. Steif stehe ich da. Nichts geht mehr. Ich klammere die Arme noch enger um meinen Oberkörper, will mich ganz klein ma- chen. Ziehe den Kopf zwischen die Schultern.
Das Klappern meiner Zähne erfüllt die Nacht. Echot von den Bäu- men zurück zu mir. Da. Ich höre etwas. Ein Geräusch. Es stammt nicht von mir. Schon ist es wieder weg. Zu leise, um es zu greifen. Klapp, klappklapp, klapp.
Doch ich spüre etwas. Ich bin nicht allein. Wieder ein Laut. Un- deutlich, kaum hörbar. Etwas, das aus dem Gebüsch kommt. Leise. Aber es ist da. Ich wage nicht, dorthin zu sehen. Es lauert im Dunkeln.
Unvermittelt nähert es sich. Ich will mich umdrehen. Es gelingt mir nicht. Meine Zähne schlagen noch fester aufeinander, mein Kiefer schmerzt. Die Kälte schneidet messerscharf in meine nackte Haut. Jetzt höre ich ein bedrohliches Grollen. Ich kann es nicht orten, weiß nicht, woher es stammt. Mein Zähneklappern ist einfach zu laut.
»Aufhören«, befehle ich mir. Ich muss wachsam bleiben, muss mich wappnen. Klapp, klappklapp, klapp. Meine Zähne scheppern weiter, spielen den Takt zu einer unhörbaren, falschen Musik.
Plötzlich wird das Brummen lauter, dröhnt in meinen Ohren, ein Knurren wie von einem wilden Tier. Endlich sehe ich ihn: Ein riesiger grauer Wolf steht verborgen zwischen den Bäumen, ganz still, sein Blick ist auf mich gerichtet. Wie eine Marionette werde ich heran gezogen, willenlos an einem unsichtbaren Faden, bis ich direkt vor ihm stehe, in seine funkelnden bösen Augen sehe. Sein struppiges Fell scheint sich aufzustellen, die Haut um die Schnauze zieht sich kraus zusammen, bis sein Gesicht nur mehr einer hässlichen Fratze gleicht.
Panik erfüllt mich. Ich bin völlig schutzlos auf dieser Lichtung. Brauche Hilfe. Doch ich bleibe stumm. Kein Schrei, kein Wort. Ich kann nicht weglaufen. Kann nur still halten. Hoffen, dass er weiter- zieht. Ich habe ihm nichts getan.
Etwas in seinen Augen kommt mir bekannt vor. Klapp, klappklapp, klapp. Das Geräusch wird ihn verärgern. Es ist zu laut. Aufhören, ich muss aufhören!
Er schaut unablässig zu mir. Langsam setzt er eine Pfote vor, dann die nächste, bewegt sich in meine Richtung. Ich will die Hand über meinen Mund legen, das Geräusch dämpfen. Bitte, bitte, geh an mir vorbei. Meine Arme lassen sich nicht von meinem Körper lösen. Um- schlingen mich wie ein Seil. Viel zu eng. Schnüren mir den Brustkorb zu, lassen den Atem nicht mehr entweichen. Ich keuche, bekomme keine Luft mehr, will mich befreien, fliehen vor dem Bösen, das aus den Augen dieses Tieres direkt unter meine Haut kriecht.
Der Wolf kommt näher, wird größer, immer größer, seine Silhou- ette verdeckt den Mond, das letzte Licht, nur noch seine gelben Augen sind da und das Klappern meiner Zähne. Klapp, klappklapp, klapp.
Ich habe Schmerzen, solche Schmerzen. Halte es kaum mehr aus. Meine Kiefer krachen brutal aufeinander, bis meine Zähne sich lösen, wie glitzernde Perlen mit einem feinen Klirren auf den gefrorenen Waldboden fallen.
Plötzlich ist alles vorbei. Der Wolf ist verschwunden.