Die Toten, die dich suchen
Gisa Klönne

Die Toten, die dich suchen

Judith Kriegers sechster Fall

Pendo Verlag

2. Auflage, Februar 2017
sofort lieferbar
ISBN 9783866124004
20,– € [D], 20,60 € [A]
     
Keine Toten mehr. MIt dieser Hoffnung übernimmt Hauptkommissarin Judith Krieger die Leitung der Vermisstenfahndung. Doch gleich ihr erster Tag beginnt mit einem Mordfall. Mitten in Köln ist ein entführter kolumbianischer Geschäftsmann qualvoll verdurstet. Die Spuren weisen in die Heimat des Opfers und konfrontieren Judith mit einem Kapitel ihres Lebens, das sie längst für abgeschlossen hielt - und mit einem Gegner, der dort wartet, wo der Schmerz ist.
Gisa Klönne
© Michael Haus

Gisa Klönne

Gisa Klönne, 1964 geboren, studierte u.a. Anglistik, arbeitete als Redakteurin, freie Journalistin und Dozentin fürs Schreiben. Ihre von Lesern und Presse  gefeierte Erfolgsserie um Kommissarin Judith Krieger wurde in mehrere Sprachen übersetzt, unter anderem ins Spanische und Dänische.Gisa Klönne schreibt auch Shortstories und ist Herausgeberin zweier Anthologien. Außerdem singt sie als eine der Frontfrauen in der weltweit einzigen Rockband, die nur aus Krimiautoren besteht. Für ihr Werk wurde Gisa Klönne mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem erhielt sie 2009 für NACHT OHNE SCHATTEN den Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte bester Kriminalroman, die Bonner Polizei ernannte sie zur Ehrenkommissarin. Neben Krimis schrieb Klönne auch den Spiegel-Bestseller DAS LIED DER STARE NACH DEM FROST sowie einen weiteren Familienroman. Im Herbst 2016 erschien nach mehrjähriger Krimipause der 6. Judith-Krieger-Fall DIE TOTEN, DIE DICH SUCHEN.
www.gisa-kloenne.de

Empfehlung der Woche

Die Toten, die dich suchen ist die Empfehlung der Woche der SYNDIKATs-Redaktion vom 10. Juli 2017.

Kritikerstimmen

Ein grandioses Stück, passend in die Zeit der Migranten, der Illegalen, derjenigen, die immer Stiefel lecken müssen und dafür einen Tritt ins Gesicht bekommen. Ein Krimi, der das Zeug zum Bestseller hat. Unbedingt.
Ingrid Müller-Münch, WDR 5

Komplexe, brisante Handlung mit psychologischem Tiefgang.
Hörzu

Die Toten ist ein Krimi, der den Leser nicht mehr loslässt. (...) Ein Buch, das von der ersten bis zur letzten Seite beeindruckt und nachdenklich macht. Krimi-Lektüre vom Feinsten. Auch, weil die Ermittler "richtige Menschen" bleiben.
Ruhr Nachrichten

Klönnes Krimis haben einen unwiderstehlichen eigenen Ton.
Kölnische Rundschau

Drei Fragen an Gisa Klönne

Warum haben Sie sich für ein Leben mit dem Verbrechen entschieden?
Es schien mir zum damaligen Zeitpunkt alternativlos und brachte dann einige Vorteile, die einer Läuterung nicht wirklich zuträglich waren.

Was ist Ihre Lieblingstatwaffe?
Kopf, Füller, Papier – alternativ auch ein Bleistift oder mein Computer.

Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Ich lasse niemanden unnötig leiden. Na ja, fast niemanden. Fragen Sie lieber nicht meine Kommissarin Judith Krieger …

Leseprobe

Montag, 4. Mai

Judith

Sie folgten dem Pfad, den das Absperrband vorgab, ließen die Kollegen zurück. Ihr Gejohl, ihre Zoten. Judith hob den Daumen. Der Hof schien sich zu verengen. Mauern, die näher rückten und den Tag schluckten. Sie hörte die Schritte Dinah Makowskis in ihrem Rücken wie ein unstetes Echo, hörte das leise Rascheln ihres Overalls im Takt ihrer Bewegungen. Und ihr Handy vibrierte schon wieder, zum x-ten Mal heute. Weitere Glückwünsche zu ihrem Karrieresprung wohl. Kollegen, die sich plötzlich an sie erinnerten, nun, da sie wieder in Köln war.
Hast also doch noch Sehnsucht bekommen, Krieger. Hältst es nicht ohne Mord aus!
Sie ließ das Telefon, wo es war, schickte einen schnellen Blick über die staubblinden Fenster der Lagerhalle, den Stapel modriger Holzbohlen davor, das holprige Pflaster. Löwenzahn blitzte in den Ritzen. Das sah lustig aus. Lauter fette kleine Sonnen, wie sie Kinder mit Wachskreiden malen. Früher hätte sie sich gebückt, die zu pflücken.
Das Gebäude am Ende des Hofs war ein dreistöckiger Betonklotz mit Flachdach, die Fenster mit Brettern vernagelt.
„Judith. Hallo.“ Klaus Munzinger, der Chef der Kriminaltechnik, trat aus dem Eingang.
„Klaus.“ Sie gab ihm die Hand. „Und ihr seid tatsächlich sicher, dass ihr unseren Mann habt? Angelo Jaramillo?“
„Die Kleidung passt. Die Haare. Und das Tattoo ist eindeutig.“
Zwielicht empfing sie drinnen, ein bleiernes Grau, das durch die Bretterverschalungen hereinsuppte. Dort, wo einst Lampen montiert gewesen waren, krümmte sich ein Gewürm nackter Kabel aus den Wänden. Rechts gähnte ein Aufzugschacht, ungesichert und ohne Türen. Das Gebäude stand leer, seit Monaten schon, im nächsten Jahr würde es abgerissen werden.
Sie folgten dem Kriminaltechniker zum Treppenhaus und die Stufen herab. Schritte im Gänsemarsch, das Knistern der Overalls, die Latexhandschuhe, deren Fingerlinge für Judiths Hände wie immer ein Stückchen zu lang waren. Alles vertraut, als ob sie nie fort gewesen wäre und die letzten vier Jahre sich einfach auflösten. Irgendwo ratterte ein Generator. Unten. Im Keller. Großartig, wirklich. Ein glänzender Start als Leiterin der Vermisstenfahndung. Ein Job für die Lebenden sollte das werden. Doch schon der erste Fall wandelte sich zu einer Todesermittlung, direkt nach ihrer Antrittsrede, noch bevor sie überhaupt ihren neuen Schreibtisch in Augenschein nehmen konnte. Guter Witz, wirklich. Kein Wunder, dass die Kollegen feixten. Nur dass das gar kein Witz war.