Verwischte Spuren - Daryl Simmons 7. Fall
Alex Winter

Verwischte Spuren - Daryl Simmons 7. Fall

Australienkrimi-Reihe

Bookshouse Verlag

Detective Daryl Simmons Reihe [7]

442 Seiten, Taschenbuch, Australienkrimi-Reihe
1. Auflage, März 2017
sofort lieferbar
EAN 9789963536306
14,99 € [D], SFr. 16,70 [CH]
     
»Vor ihm stand ein junger, groß gewachsener Aborigine. Seine schwarzen Augen funkelten wie die einer wütenden Schlange. In seiner rechten Hand hielt er ein großes Jagdmesser, dessen blitzende Klinge Johns Bauch berührte.«

Wer ist der geheimnisvolle Unbekannte ohne Erinnerung, den die Farmertochter Sally Storer schwer verletzt am Ufer des Warburton Creeks entdeckt und gesund pflegt? Warum nur ließ sie sich von ihm überreden, auf die Farm ihrer Familie zurückzukehren, um sich ihren Dämonen zu stellen? Immerhin wird Sally von der Polizei und der Familie ihres verschwundenen Mannes Jesse für dessen Mörderin gehalten.
Während Sally von allen Seiten immer mehr unter Druck gerät, erweist sich John Rivers, wie sie »ihren« Unbekannten nennt, als Felsen in der Brandung. Doch John entpuppt sich nicht nur als guter Freund, sondern auch als cleverer Ermittler. Zu clever, wie zu ihren Leidwesen nicht nur Sally, Jesses Familie und die offenbar noch in einen weiteren Vermisstenfall involvierten Paakantyi-Aborigines feststellen müssen …
Alex Winter
© © 2015 / Alex Winter

Alex Winter

Alex Schneebeli, geboren 1960 in Zürich/Schweiz, absolvierte die Kunstgewerbeschule in Zürich. Er arbeitete zunächst als Dekorationsgestalter, später in verschiedenen Berufen im In- und Ausland.

Zwischen 1980 und 2011 unternahm er immer wieder mehrjährige Reisen, die ihn vor allem nach Australien, Neuseeland und in die Südsee führten. Heute lebt er mit seiner Frau im Zürcher Oberland.

Empfehlung der Woche

Verwischte Spuren ist die Empfehlung der Woche der SYNDIKATs-Redaktion vom 29. Mai 2017.

Innenklappentext

»Jesse versetzte dem neben ihm liegenden Körper mit dem Gewehrkolben einen Schlag in die Rippen. Ein unterdrücktes Stöhnen drang aus dem geknebelten Mund seines blutenden und an Händen und Füssen gefesselten Opfers.«

Die Farmertochter Sally Storer hat überstürzt ihr Zuhause verlassen. Die Gründe sind ein heftiger Streit mit ihrem Vater Glen und das rätselhafte Verschwinden ihres frischgebackenen Ehemannes Jesse Lynn, der sich – anders als Sally – hinter die Pläne ihres Vaters gestellt hat, auf der wenig rentablen Schaffarm Cananinya Creek in Zukunft Kängurus zu züchten.

Als sich Sally in einer Phase tiefer Depression im Warburton Creek umbringen will, stößt sie an dessen Ufern auf einen bewusstlosen, unter Amnesie leidenden Mann. Sie pflegt ihn gesund und die „verlorenen Seelen“ freunden sich an. John Rivers, wie Sally den Mann tauft, spürt, dass Sallys Platz auf Cananinya Creek ist, weshalb er sie überzeugt, mit ihm auf die Schaffarm zurückzukehren und sich ihren Problemen zu stellen.

Auf der Farm wartet bereits die nächste böse Überraschung: Sallys Vater wird vermisst. Während der ermittelnde Beamte Sally für eine Doppelmörderin hält, stößt John auf Spuren, die nahelegen, dass die Paakantyi-Aborigines, in deren ehemaligen Stammesgebiet die Schaffarm liegt, in die Vermisstenfälle verwickelt sind. Ein weißes Riesenkänguru und eine geheimnisvolle, mit dem Albino-Känguru interagierende Aborigine bestätigen John, dass das Tier den Eingeborenen heilig ist. Doch auch bei Sallys Onkel Mathew, der schon einmal wegen Totschlags im Gefängnis saß, und dem Nachbarfarmer Mathew Lynn, dessen zweiter Frau und deren Tochter stößt John auf ein Mordmotiv …

Kritikerstimme

Erneut eine sehr spannende australische Krimistory bepackt mit einem uralten Glauben, Traditionen und dem Kampf ums bittere Überleben …
Lesejury

Drei Fragen an Alex Winter

Warum haben Sie sich für ein Leben mit dem Verbrechen entschieden?
Damit der düstere Begleiter in mir auch zu seinem Recht kommt.

Was ist Ihre Lieblingstatwaffe?
Meine Laptop-Tastatur.

Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Morden ist menschlich.

Leseprobe

Noch immer konnte er den süßlichen, moschusartigen Duft riechen. Ein eisiger Schauder lief ihm über den Rücken. Wer diesen Geruch einmal in der Nase hatte, vergaß ihn nie wieder. Am schockierendsten war jedoch, wie vertraut er ihm war.
John spürte, wie sich Bilder aus seiner Vergangenheit in sein Bewusstsein zu drängen versuchten, wusste, dass sie schrecklich waren und er sie nicht sehen wollte.
»Verschwindet, die Gegenwart reicht mir völlig«, sagte er laut. Er drehte sich um, suchte nach einem passenden Holzstück aus den Überresten der Schmuckzypresse, fand es in einem oberschenkeldicken Ast, den die Termiten noch nicht völlig ausgehöhlt hatten, und lehnte ihn wie eine kleine Brücke an einer geeigneten Stelle an den Termitenhügel.
Noch einmal wanderte sein Blick suchend über den Boden. Ein fünfzehn Zentimeter langes Holzstückchen, genau das, was er benötigte. Er steckte es sich zwischen die Zähne, klammerte sich an den Rand des Termitenbaus und zog sich auf das behelfsmäßige Podest.
Der beißende Geruch war jetzt stärker. Er blickte in den ausgehöhlten Baumstamm. Bis auf eine halbe Armlänge hatten die Termiten das Innere zugemauert. Auch der noch aus dem Bau ragende Teil des Stammes war innen bis auf ein paar wenige, wie Mosaiksteine in die Erdmauern eingebettete Holzsplitter aufgefressen und durch Stützmauern ersetzt worden.
John nahm das Holzstück in die Hand und steckte den Arm in den Baumstamm. Er spürte bereits die ersten Bisse der Termitensoldaten auf Hand und Unterarm, schob die saftig grünen Blätter beiseite, die Goondorrabrolga offenbar in den Baumstamm geworfen hatte, und zog rasch den Arm zurück. Dann blickte er wieder in den Baumstamm.
Das Gesicht, das ihn aus dem Termitenhügel anstarrte, war auf groteske Weise verzerrt. Ein Teil der Gesichtshaut hatte sich durch eine teilweise Mumifizierung zusammengezogen, ein anderer war aufgequollen und aufgeplatzt und gab den Blick frei auf die darunterliegenden Sehnen sowie das stark verweste Fleisch.
Rund um die leeren Augenhöhlen waren bereits die Schädelknochen zu erkennen, während sich die linke Oberlippe weit nach oben verzogen hatte, was dem schrecklich entstellten Gesicht einen hämischen Ausdruck verlieh.
John sprang zurück auf den Boden. Mit aller Kraft kämpfte er gegen den Drang an, sich zu übergeben. »Konzentrier dich … auf die Termiten«, sagte er laut. Er begann, sich die Insekten von den Armen und der Kleidung zu klopfen, was sich als nicht leicht erwies.
Anders als die länglichen weißen Arbeitstermiten, hatten die Soldaten bullige, birnenförmige Körper mit orangefarbenen Köpfen und säbelähnlichen Unterkiefern, mit denen sie sich in seine Haut und die Kleider verbissen hatten. Gleichzeitig sonderten sie aus Drüsen auf ihrer Stirn ein beißendes, milchig-klebriges Sekret ab.
Als John die Insekten restlos entfernt hatte, ging es auch seinem Magen wieder besser. Den Anblick der halb eingemauerten Leiche würde er aber nie vergessen. Über ihre Identität brauchte er nicht lange zu spekulieren.

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