Verbrannte Saat
Franz Osswald

Verbrannte Saat

Eine Kriminalerzählung – Oskar Behrens auf Erkungung

Verlag Johannes Petri

1000, August 2016
sofort lieferbar
ISBN 9783037840979
24,– € [D], 24,– € [A] , SFr. 24,– [CH]
     
Die Leiche eines Mannes wird aus dem Rhein geborgen: Fritz Hauser. Seine Frau bestätigt die Identität, er wird kurz darauf bestattet. Die Polizei geht aufgrund eines Abschiedsbriefs von einem Suizid aus, hatte Hauser wegen angeblicher Veruntreuung von Firmengeldern doch seinen Job verloren und kaum Aussicht auf eine neue Anstellung. Seine Frau Bertha aber zweifelt an der Schuld ihres Mannes und setzt den Journalisten Oskar Behrens auf den Fall an. Er soll herausfinden, weshalb ihr Mann wirklich entlassen wurde. Kaum stellt Behrens erste Erkundungen an, wird die verkohlte Leiche des Firmenchefs gefunden. Schon bald überschlagen sich die Ereignisse und nichts ist mehr so, wie es scheint. Und überhaupt: Ist Fritz Hauser wirklich tot? Behrens muss bis auf die Halbinsel Nordstrand reisen, um Gewissheit zu erlangen.

Oskar Behrens ist freier Journalist, Liebhaber von klassischer Musik, deutschen Weinen und feinen Vesperplättchen – und schwul. Das tut zwar nichts zur Sache, hilft ihm aber in diesem Kriminalfall ein wenig auf die Sprünge.
Franz Osswald

Franz Osswald

Franz Osswald, Jahrgang 1962, arbeitet als Redaktor und freier Journalist in Basel. Er absolvierte eine Postlehre, holte Matura und Studium (Germanistik und Geografie) im Erwachsenenalter nach und stürzte sich dann ins Abenteuer «freier Journalist». Für Gemeinde und Kanton wirkte er als Herausgeber von Sachbüchern und schrieb für verschiedene lokale und überegionale Zeitungen und Zeitschriften. Zur Jahrausendwende eröffnete er eine Buchhandlung für nordische Literatur auf Deutsch und Originalsprache. Die Leidenschaft für (nordische) Krimis begleitet ihn seit seiner Jugend durch sein Leben. Fünfzehn Jahre wanderte das erste Krimi-Manuskript von Computer zu Computer, bis sein Erstling «Verbrannte Saat» im August 2016 im Verlag Johannes Petri bei Schwabe herauskam. Für seinen Protagonisten, Oskar Behrens, soll es nicht der erste und letzte Einsatz gewesen sein...

 

Empfehlung der Woche

Verbrannte Saat ist die Empfehlung der Woche der SYNDIKATs-Redaktion vom 19. Juni 2017.

Drei Fragen an Franz Osswald

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn?
Eigentlich mit der Jahrhundertwende. Mein Krimierstling brauchte volle fünfzehn Jahre bis zur Vollendung – im wahrsten Sinne eine Mordsarbeit.

Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto?
Wenn man es als Verbrechen betrachtet, einen Krimi zu schreiben, wie das gewisse Literaten ja tun, dann sind es zwei: Mein Krimierstling und eine Leiche im Rhein.

Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Ich werde in meinem nächsten Krimi, dessen Manuskript bereits vorliegt und der im kommenden Jahr erscheinen wird, wieder morden, denn: Angriff ist die beste Verteidigung.

Kritikerstimmen

Bemerkenswerter Krimierstling
Die Erzählung beginnt mit einer beklemmenden Szene. Fast unerträglich nüchtern, geschildert aus der Sicht eines Opfers. Kurz und schmerzvoll. Und zunächst zusammenhangslos. Erst fast am Ende der Geschichte lüftet sich das Geheimnis. Und der Kreis schliesst sich.
Es ist eine Geschichte von einseitiger und gegenseitiger Liebe, von Gleichgültigkeit und Verrat, Selbstaufgabe und Rache. Und es ist eine Geschichte, die den Umgang der Gesellschaft und der Kirche mit Homosexualität zur Sprache bringt. Und zwar nicht moralisierend, sondern eingebettet in eine spannende, wendungsreiche Handlung, die zur Hauptsache in Basel und ausserdem in Riehen und in einer kleinen Ortschaft in der Ajoie im Jura spielt.
Hauptperson ist der Basler Journalist Oskar Behrens, der in lockerer Beziehung zu seinem Freund Walo lebt. Behrens wird von Bertha Hauser, deren Mann tot aus dem Rhein geborgen worden ist, damit beauftragt herauszufinden, wieso Fritz Hauser als langjähriger Buchhalter der Firma von Heinrich Kessler plötzlich entlassen worden ist. Aus Enttäuschung über diesen Schicksalsschlag ist Fritz Hauser dem Alkohol verfallen und hat offenbar Selbstmord begangen – einen entsprechenden Abschiedsbrief hatte Hausers Frau noch vor Auffinden der Leiche zur Polizei gebracht und damit eine Suchaktion ausgelöst.
Als wenig später die sterblichen Überreste Heinrich Kesslers in dessen Ferienresidenz im Jura entdeckt werden, nimmt der Fall Fahrt auf. Oskar Behrens kommt zu erstaunlichen Erkenntnissen und rekonstruiert eine verzwickte Geschichte, die so hätte sein können. Allerdings gibt es noch eine weitere Möglichkeit. Denn vielleicht ist ja alles ganz anders.
Gekonnt spielt der in Riehen aufgewachsene Autor Franz Osswald in seinem gelungenen Erstling mit diesen Möglichkeiten. Mit Liebe zum Detail, einem feinen Gespür für Stimmungen und grossem Einfühlungsvermögen gelingt es Osswald, den Leser an vertraut wirkende Schauplätze zu führen und die Personen der Geschichte sich einander näher kommen zu lassen. So ist Verbrannte Saat nicht nur eine spannende Kriminalgeschichte, sondern auch eine kleine Sozialstudie mit gesellschaftskritischen Untertönen.
Rolf Spriessler-Brander, Riehener Zeitung


Lesetipp

Das Buch Verbrannte Saat von Franz Osswald, ist eine Kriminalerzählung – eine gebundene Ausgabe im handlichen Format. Liegt gut in der Hand, passt in "jede" Tasche und das Papier fühlt sich gut an.
Ich hab das Buch fast in einem Stück durchgelesen, weil es sehr gut geschrieben und mit 200 Seiten sehr überschaubar zu lesen ist. Die Geschichte hat einen roten Faden den man gut verfolgen kann. Sollte man das Buch mal aus der Hand legen, denke ich, dass man ohne Probleme den Wiedereinstieg in die Handlung finden kann.
Hätte ich die Kriminalerzählung in einer Buchhandlung stehen sehen, hätte ich es wahrscheinlich nicht mitgenommen. Das Cover finde ich persönlich nicht ansprechend, weil ich einfach kein Fan von Gemälden bin.  Auch die Zusammenfassung der Handlung wäre mir erstmal nicht spannend genug um es für 24 Euro mit nach Hause zu nehmen.
Autor Franz Osswald lebt und arbeitet in Basel als Redaktor und freier Journalist. Bisher hat er als Herausgeber mehrere Sachbücher veröffentlicht, nun legt er mit Verbrannte Saat seine erste Kriminalerzählung vor. Der Buchtitel spielt auf das biblische Gleichnis vom Sämann an. Ein Schwerpunkt der Geschichte liegt in der Auseinandersetzung mit der Kirche und Religion. Das Thema Homosexualität ist ebenfalls Teil der Erzählung.
Ariane Schröder, Frühmorgens.de

Leseprobe

Vorrede

Davor fürchte ich mich am meisten. Wenn Mutter abends im Kirchenchor singt, wenn Vater alleine zuhause ist und trinkt, wenn ich im Bett liege und die Türklinke sich langsam senkt.
Wie er seine Hose herunterlässt, die weisse Calida-Unterhose abstreift und das Unterhemd hoch – sein Werkzeug blosslegt. Ein kleines, schrumpfliges und unscheinbares Glied, das schnell grösser wird, wie die Furcht in mir. Wie ein stechendes Insekt kommt er über mich. Nein! Nicht! Stachel in meinem Fleisch.
Vater hielt mir mit starker Hand den Mund zu, wenn er mich penetrierte. Mechanisch, wie der Kolben eines Motors mit Einspritzung. Selbst nicht emp- findend, was er in mir bewegt. Emotionslos, ohne Stöhnen, schweigend.
In mir aber schreit es. Doch kein Ton dringt nach aussen. Stiller Schrei aus meiner Kehle. Verschlungen von der Angst und vom Schmerz. Mein Geschlecht, eine einzige Wunde in meiner Seele. Nur ein Gedanke, eine Hoffnung in mir – Fritz.

Montag, 16. Juni

Heinrich Kessler genoss die Freizeit. Seit ein paar Tagen befand er sich in seinem Ferienhaus im Wald oberhalb von Asuel und genoss die absolute Stille. Er hatte drei Wochen nur für sich, ohne einen Termin wahrnehmen zu müssen. Wie immer war er in seiner grossen Auszeit für niemanden erreichbar, denn nur so konnte er sich wirklich erholen.
Die Ruhe hier oben wurde noch durch den Umstand verstärkt, dass seine Firma seit einem Jahr florierte. Seit Kevin Kobel als neuer Finanzchef die Geschicke in die Hand genommen hatte, hatten sich die finanziellen Schwierigkeiten fast schon wie von Geisterhand in Luft aufgelöst. Mit sicherem Gespür führte er die Finanzabteilung.
Den Vorwürfen über dubiose Buchungen, die der leitende Buchhalter erhoben hatte, begegnete Kobel mit der sofortigen Prüfung der gesamten Rechnungsführung durch eine externe Revisionsfirma. Das Ergebnis war glasklar: alles hatte seine Richtigkeit – wie auch Kessler es vermutet hatte. Nur deshalb kam er der Forderung nach, den fehl- baren Mitarbeiter nach einer erfolglosen Versetzung zu entlassen – auch wenn es sich um einen lang- jährigen, treuen Kollegen handelte, mit dem ihn mehr als nur die Arbeit verband. Das war ihm nicht leicht gefallen.
Aber seither war Ruhe eingekehrt, und daher konnte er die Firma sorglos für drei Wochen Kevin Kobel überlassen und sein Privatleben neu über- denken. Es war ohnehin abgemacht, dass Kobel die Firmenführung einmal übernehmen würde.
Gekonnt schwang Kessler die Axt und traf das Holzscheit genau in der Mitte. «Punktlandung», dachte er und freute sich schon auf das schöne Feuer in seiner Feuerstelle, auf der er gerne Fisch und Fleisch zubereitete. Nur etwas zog er der Wärme des Feuers und der Sonne noch vor: einen erfrischenden Schwumm im kühlen Rhein. Der Tag war dafür wie gemacht – vielleicht würde er später in Basel tatsächlich noch ins Wasser gehen. Die Sonne brannte vom strahlend blauen Himmel. Dass er diesem sehr nah war, konnte Heinrich Kessler nicht wissen.

Termine

Wann Was Wo
08. Dez 17
19:00 Uhr
Krimitag
Reutlingen (D)
Oertel + Spörer-Saal / Betriebsgelände Reutlinger General-Anzeigers
72764 Reutlingen