Tarnbriefe
Heinrich Peuckmann

Tarnbriefe

Lychatz Verlag

März 2016
sofort lieferbar
ISBN 9783942929417
9,95 € [D]
     
Bernhard Völkel ermittelt wieder und gerät Schritt für Schritt in eine immer bedrohlichere Lügengeschichte von Heuchelei, Doppelmoral und Morden.
Heinrich Peuckmann

Heinrich Peuckmann

Heinrich Peuckmann wurde 1949 in Kamen geboren, wo er noch immer lebt. Aufgewachsen in einer Bergmannsfamilie. Abitur in Unna, Studium der Germanistik, ev. Theologie und Geschichte an der Ruhr Universität in Bochum. Lehrer an einem Gymnasium. Peuckmann ist verheiratet und hat drei Söhne.
Seit 2013 ist Heinrich Peuckmann Mitglied im Präsidium des deutschen PEN.
Seine literarische Arbeit ist sehr vielfältig. Er schreibt Romane, Erzählungen, Gedichte, Hörspiele, Essays, Theaterstücke, Glossen, pädagogische Artikel. Kleinere Arbeiten auch für das Fernsehen.

Empfehlung der Woche

Tarnbriefe ist die Empfehlung der Woche der SYNDIKATs-Redaktion vom 27. Juni 2016.

Kritikerstimmen

Mein Freund Heinrich Peuckmann hat einen Kriminalroman geschrieben: Nach Abpfiff Mord, ein Fußball-Krimi. Schriftsteller schreiben über das, was sie kennen, und Fußballstadien sind für Peuckmann so etwas wie die Pariser Salons für Marcel Proust. … In Peuckmanns neuem Krimi ist ein pensionierter Kommissar Protagonist – ein bodenständiger Ruhrgebietsmensch, ein Moralist im besten Sinne, der nach der Devise verfährt: Es gibt Dinge, die sich gehören, und es gibt Dinge, die sich nicht gehören.
Petra Reski, Internetblog

Nach Abpfiff Mord ist ein Krimi, der sich bei aller Spannung seinem brisanten Thema behutsam nähert. Weder der Krimi noch das Thema Rassismus und Randale als mittlerweile allgegenwärtige Begleiterscheinungen des Fußballs sind dabei Mittel zum Zweck. Die Gesellschaftskritik ist gut dosiert, sie kommt nicht von oben herab.
Revierpassagen

Heuchelei und Doppelmoral – und der ein oder andere Mord – sind die zentralen Themen in Heinrich Peuckmanns neuestem Krimi Tarnbriefe um seinen pensionierten Kommissar Bernhard Völkel. … Der Leser kann an mehreren Stellen dank Peuckmanns schnörkelloser und direkter Sprache wieder an den Gedanken des Täters teilnehmen.
Stadtspiegel, April 2016

Drei Fragen an Heinrich Peuckmann

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn?
Der Beginn meiner Laufbahn liegt jetzt dreizehn Kriminalromane und eine Menge an Kriminalerzählungen zurück. Da ist im Laufe der Jahre (und Krimis) einiges an Verbrechen, an Morden, Heuchelei und Lügen zusammengekommen. Aber das Schlimmste ist: Ein Ende ist nicht abzusehen. Neulich sah ich eine Polizistin, die ich mal in einen meiner Krimis eingebaut habe. Ich rief ihr zu, dass ich schon wieder gemordet hätte und dass jemand wie ich nicht mehr länger frei herumlaufen dürfe. Da hat sie nur gelacht und gesagt, ich solle weitermachen.

Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto?
Ich weiß das gar nicht mehr. Nicht mal die Anzahl der Morde erinnere ich genau. Es sind eine Menge und die Arten, wie in meinen Krimis gemordet wird, wechseln ständig. Gerne lasse ich meine Mörder die Opfer erschlagen, weil Morde oft genug nicht geplant sind, sondern sich aus dem Handeln heraus spontan ergeben. Natürlich werden bei mir Opfer auch geschossen, einmal auch, was besonders perfide ist, wird einem Opfer unter einem Baum von hinten eine Schlinge um den Hals gelegt, es wird dann hochgezogen und baumelt an einem Ast. In der Nacht, nachdem ich das geschrieben hatte, konnte ich schlecht schlafen, weil ich Mitleid mit dem Opfer hatte und mich selber in dessen Rolle sah.

Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Ich will mich gar nicht verteidigen. Nicht ich denke mir die Verbrechen aus, sondern sie kommen zu mir. Immer neue Verbrechen geschehen, die mich erschrecken und  empören. In meinen Krimis kann ich solche Täter wenigstens bloßstellen und vor allem kann ich sie enttarnen. Da spielt mein Gerechtigkeitsgefühl hinein. Gerade die besonders üblen Täter kommen viel zu oft straffrei oder mit milden Urteilen davon. Die Finanzwelt ist voll von solchen Verbrechern. Da will ich halt ein bisschen für Ausgleich sorgen.

Leseprobe

Der andere starrte einen Moment lang auf die Scheine, machte aber keine Anstalten, danach zu greifen. Schließlich hob er den Blick.
„Du weißt, was das bedeutet“, sagte er.
„Was denn?“
„Dass du die Folgen zu tragen hast. Zehntausend waren abgemacht und kein Cent weniger. Sonst …“
„Was sonst?“
„Sonst werde ich alle Vorgänge kopieren und verschicken. Du weißt schon an wen. Und natürlich werde ich eine kleine Erklärung hinzufügen, denn ohne das wird die eigentliche Bedeutung der Briefe ja nicht klar.“
„Ein Schwein bist du, weißt du das?“ Jetzt konnte er doch nicht mehr an sich halten. „Gerade um diese Folgen zu vermeiden, habe ich dich engagiert. Und gut bezahlt habe ich dich auch noch dafür.“
Die Überheblichkeit im Gesicht des anderen steigerte seine Wut.
„Das weiß ich doch“, sagte der andere, „warum erzählst du mir das? Und jetzt bezahlst du eben ein bisschen mehr, was ist daran so schlimm?“ Wieder zeigte er sein dämliches Grinsen. „Ich weiß doch, dass es dir die Sache Wert ist. Du hättest dir vorher überlegen sollen, was du da machst, dann hättest du auch die Folgen abschätzen können. Jetzt ist es eben so. Dieses Mal läuft es noch, wie ich es vorgegeben habe, dann von mir aus …“
„Kann ich dir das glauben?“
„Das musst du. Was bleibt dir denn anderes übrig?“
Wut loderte in ihm auf. Darauf sollte er sich verlassen, wieder mal? So einem Kerl sollte er vertrauen, wo er doch schon zweimal auf ihn reingefallen war. Er ließ den Briefumschlag fallen, sprang nach vorn und packte den Kerl am Kragen seiner Jacke.
„So, muss ich das? Muss ich das wirklich?“ In seiner Wut nahm er keine Rücksicht darauf, ob ihn jemand hören konnte oder nicht, sondern schrie es dem Typen fast ins Ohr.
„Das wollen wir doch mal sehen.“
Er drückte fest zu und schüttelte den Mann. Aber es war merkwürdig, der Typ wehrte sich gar nicht. War er zu überrascht von dem Angriff oder glaubte er, das alles wäre nur eine hilflose Wutreaktion, die sich gleich wieder legen würde? Aber das war es nicht, verdammt noch mal, das war es ganz und gar nicht.
Er drückte fester zu, das Blut staute sich im Kopf des anderen, trotzdem schien er noch immer zu grinsen.
Der Kerl sollte Angst kriegen, mindestens so viel, dass er sich nie wieder traute, Forderungen an ihn zu stellen. Er sollte seine Überheblichkeit verlieren und merken, dass ihm die Sache ernst war, verdammt ernst sogar.
„Es ist Schluss jetzt“, rief er, um den Druck zu erhöhen, „mit mir treibst du dein Spielchen nicht weiter. Hast du verstanden? Mit mir nicht!“
Endlich griff der andere nach seinen Armen, wollte sich jetzt doch befreien aus der Umklammerung, aber seine Gegenwehr war seltsam schwach. Hatte er ihm schon so sehr die Luft abgedrückt, dass ihn die Kräfte verließen? Einmal noch gab er sich einen Ruck, riss mit aller Macht an den Händen, um seinen Hals frei zu bekommen, aber im nächsten Moment sackte seine Arme willenlos nach unten. Sein Mund öffnete sich, sein Gesicht gefror zu einer Maske, mit weit aufgerissenen Augen starrte er ihn an.