Adenauerallee
Alexa Thiesmeyer

Adenauerallee

Emons

336 Seiten
Mai 2015
sofort lieferbar
ISBN 9783954515592
10,90 € [D]
     
Was geschah mit dem Journalisten Bernhard Troschert? Die Rückkehr in das Haus ihres vor vier Jahrzehnten verschwundenen Vaters stürzt Isabell in eine seelische Krise, die sich noch vertieft, als eine Hausgenossin verschwindet. Besteht ein Zusammenhang zwischen beiden Fällen? Isabells Halbschwester Pilar und Privatdetektiv Freddy verfolgen schon bald eine heiße Spur. Doch die Gefahr lauert näher, als sie denken ...
Beschauliches Bonn? Keineswegs!
Alexa Thiesmeyer setzt mit »Adenauerallee« ihre beliebte Krimireihe um Privatdetektiv Freddy Stieger und seine Freundin Pilar Álvarez-Scholz fort. Die lebensnahen und sympathischen Figuren haben erneut eine harte Nuss zu knacken. Die Spurensuche führt sie quer durch die Südstadt und weitere Teile des Bonner Südwestens.
Die beiden Ermittler tauchen in einen Fall ein, der sie weit in die
Zeit zurückbringt, als Bonn noch Hauptstadt und die Adenauerallee
deren Dreh- und Angelpunkt war. Die Autorin baut zahlreiche Hinweise auf reale Lokalitäten geschickt in den Plot ein, wodurch ein authentisches Bild der Beethoven-Stadt entsteht. Trotz dramatischer Ereignisse versteht es Thiesmeyer eine lockere Stimmung entstehen zu lassen und liefert süffige Krimikost mit interessantem Hintergrund.
Alexa Thiesmeyer

Alexa Thiesmeyer

Geboren am Bodensee, aufgewachsen in Bonn, dort Studium und Ausbildung zur Juristin. Mehrjährige Tätigkeit als freie Journalistin, später als Dozentin einer Krankenpflegeschule. Seit 1986 im Bereich Theater tätig, seit 1987 Veröffentlichungen von Krimikomödien und zahlreichen anderen Bühnentexten, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgeführt werden. Kurzkrimis in verschiedenen Anthologien seit 2003,Kriminalromane seit 2010. Alexa Thiesmeyer lebt mit ihrer Familie in Bonn.

Empfehlung der Woche

Adenauerallee ist die Empfehlung der Woche der SYNDIKATs-Redaktion vom 14. Februar 2016.

Kritikerstimme

Thiesmeyer besticht nicht nur mit einer spannend erzählten Geschichte,
sondern vor allem auch mit absolut authentischen Personen: allen voran die etwas
schusselige aber absolut liebenswerte Pilar mit ihrer chaotischen Familie. Auch der in die
Jahre gekommene Privatdetektiv überzeugt. Ein Glanzstück ist die Beschreibung der
spießbürgerlichen Bewohner aus Röttgen und Ückesdorf, die ihr Fähnchen sofort nach dem
Wind drehen, als die aus Spanien stammende Pilar in Verdacht gerät. Der Krimi bleibt
spannend bis zum Ende und stellt ein empfehlenswertes Lesevergnügen dar.
Marianne Possmann, ekz.bibliotheksservice

Drei Fragen an Alexa Thiesmeyer

Warum haben Sie sich für ein Leben mit dem Verbrechen entschieden?
Kriminalität fasziniert mich seit meinem Jura-Studium. Der echte Jurist denkt ja mehr an Schuld und Strafe, ich aber wollte der Frage nachspüren, wie und warum ein Verbrechen entsteht – da muss man ab und zu selbst tätig werden, sonst kommt man nicht dahinter.

Was ist Ihre Lieblingstatwaffe?
Ich bevorzuge das von der Schwiegermutter geerbte Küchenwerkzeug, insbesondere den Wetzstahl, mag aber auch das Fleischmesser – ich bin Vegetarierin und brauche es sonst nicht.

Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Wenn ich es ernst meine, müssen meine Opfer nicht lange leiden. Außerdem versuche ich, ohne Freisetzung größerer Mengen Blut oder Hirnmasse auszukommen, und bemühe mich, einen sauberen Tatort zu hinterlassen.  

Leseprobe

Neunzehn Jahre war sie alt gewesen, als sie nach Paris aufbrach, um ein paar Semester an der Sorbonne zu studieren. Raus aus dem miefigen kleinen Bonn, hatte ihr Vater ihr geraten und ihr ein Zimmer nahe dem Arc de Triomphe besorgt. Er hatte sie zum Bahnhof gebracht und ihr eingeschärft, nicht ohne Begleitung im Bois de Boulogne spazieren zu gehen und des Nachts dunkle Gassen zu meiden. Eine Weile lief er neben dem anfahrenden D-Zug her, in dem sie am offenen Abteilfenster stand. Seine ergrauten Haare flogen auf, seine Krawatte flatterte. Grüß mir die Seine, Bella! Sie hörte sich lachen. Sein Gruß kam ihr albern und zugleich poetisch vor. Wir sehen uns Weihnachten!, rief sie, als schon mehrere Meter zwischen ihnen lagen. Er zog ein weißes Taschentuch hervor, mit dem er winkte, bis der Zug sie davontrug.
Sie sah ihn nie wieder. Nicht Weihnachten, nicht Ostern, und auch die folgenden neununddreißig Jahre nicht. Ihr Vater war fort. Obwohl sie mit solcher Kraft auf seine Rückkehr gehofft hatte, dass es hätte ausreichen müssen, um ihn auf der Stelle herbeizuzaubern.
Natürlich waren ihr allerlei Möglichkeiten eingefallen, die sein plötzliches Verschwinden erklären konnten: Geheimnisse, die mit seinem Beruf als politischer Redakteur zu tun hatten, dramatische finanzielle und sogar kriminelle Verwicklungen, eine Spionageaffäre, aufgrund derer er sich, bevor die Sache aufflog, ins Ausland hatte davonmachen müssen, wo man ihm eine neue Identität gegeben und unter Todesandrohung verpflichtet hatte, jeden alten Kontakt aufzugeben. Es war das Jahr, in dem der DDR-Spion Guillaume gefasst worden war – wer konnte wissen, was sonst noch passiert war, wovon die Öffentlichkeit nie etwas erfahren hatte?
In ihren Studienjahren und ihrem aufreibenden Job war Isabell immerzu beschäftigt gewesen, das Leben hatte sie quer durch Europa getrieben, die aufregenden Themen und Bekanntschaften hatten sie permanent mit sich gerissen. Es schien immer an Zeit zu fehlen, und das hatte sie gewollt.
Vor viereinhalb Monaten aber war sie aus Paris zurückgekehrt in die erste Etage dieses Hauses aus dem neunzehnten Jahrhundert, wo alles fast unverändert an seinem Platz stand. Diese Räume waren bisher von Freunden, die vorübergehend in Bonn weilten, genutzt worden, und sie selbst hatte sich nur wenige Tage im Jahr hier aufgehalten wie eine Fremde in einem Ferienhaus. Nun wollte sie sesshaft werden, eine Heimat haben, beruflich kürzer treten und zur Ruhe kommen – und hatte nicht geahnt, was es bedeutete, vor dieser Kulisse zu leben. Jetzt schrie es ihr aus jeder Ecke entgegen: Warum hast du damals nichts getan? Wieso hast du nicht Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um herauszufinden, was geschah? Warst du zu faul? Hattest du Angst?