Abschiedskonzert
Kristina Herzog

Abschiedskonzert

Edition Oberkassel

Taschenbuch
1. Auflage 2015, November 2015
sofort lieferbar
ISBN 9783958130258
11,99 € [D], 12,40 € [A]
     
Die Berliner Klassik-Szene ist erschüttert: Der Kopf des renommierten Dirigenten Kolja Fechner liegt verlassen im Foyer des Konzerthauses. Mehr ist vom Körper nicht auffindbar. Neuberliner Alexander Rosenberg und die alleinerziehende Kathleen Neubauer müssen während der Ermittlungen zu einem Team werden. Als sie Unvorhergesehenes im Leben des Dirigenten entdecken, wird der Fall immer komplexer, die Zahl der möglichen Motive und somit der Täter steigt. Wird ein in der Spree versenkter Basskoffer zur Lösung beitragen?
Kristina Herzog

Kristina Herzog

Zum Sommeranfang 1972 wurde Kristina Herzogin Berlin geboren. Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr im Krankenhaus studierte sie in Berlin und Heidelberg Jura und Mediation. Sie veröffentlichte bereits diverse Kurzkrimis und eine (weitgehend unblutige) Kindergeschichte. Ihre Kurzgeschichte „Weit draußen“ wurde für den NordMordAward 2011 des Deich-Verlages nominiert, „Schlaf Lubo“ für den Kurzgeschichtenpreis des Candela-Verlages. Im Oktober 2013 erschien ihr Politthriller „Führers Vermächtnis“ im Bookshouse Verlag. Sie wohnt mit ihrer Familie inBerlin und ist eine „Mörderische Schwester“.

Empfehlung der Woche

Abschiedskonzert ist die Empfehlung der Woche der SYNDIKATs-Redaktion vom 3. Juli 2017.

Kritikerstimmen

Ein spannender Krimi mit tollen Charakteren. Ein „Muss“ für Krimifans!
Mordsbuch, Lovelybooks

Ein gelungenes Krimi-Debüt.
Bellis-Perennis, Was liest du?

Mit Abschiedskonzert von Autorin Kristina Herzog ist es dem Verlag Edition Oberkassel wieder einmal gelungen, einen spannenden und fesselnden Krimi an die Leser zu bringen.
esposa1969, Was liest du?

Drei Fragen an Kristina Herzog

Warum haben Sie sich für ein Leben mit dem Verbrechen entschieden?
Ich halte es mit Christian Morgenstern, der schon sagte: Es gibt für Unzählige nur ein Heilmittel – die Katastrophe.

Was ist Ihre Lieblingstatwaffe?
Der menschliche Geist. In ihm entstehen die wüstesten Gedanken.

Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Man muss nicht immer die absolute Mehrheit hinter sich haben – manchmal reichen auch 51 Prozent (Christoph Daum).

Leseprobe

Den stechenden Geruch der Reinigungsmittel bekam sie nicht aus der Nase. Nie. Sie sagten, es schade ihr nicht und sie solle einfach weitermachen, der Körper gewöhne sich schon daran, aber sie wusste, dass das Gift ihre Gesundheit Stück für Stück zersetzte. Zu Hause hätten sie so ein stinkendes Teufelszeug nie benutzt. Es war nicht zu ändern. Sie brauchte das Geld, und es war nicht der schlechteste Putzjob, den man in Berlin bekommen konnte. Sie liebte das riesige Konzerthaus, das von preußischem Glanz erzählte und Würde aus jeder Pore atmete. Ein letztes Mal wischte sie über das schwarze, verschnörkelte Treppengeländer und ließ ihre Gedanken schweifen. Früher war sie Ingenieurin, damals in Rumänien. Hier wollte keiner ihr Wissen. Sie war so froh gewesen, als sie nach langer Zeit der verordneten Untätigkeit als Putzfrau im Konzerthaus arbeiten konnte. Der dunkle Fleck an der Marmorsäule war hartnäckig. Sie drückte beim Darüberschrubben so stark zu, dass ihre Fingerknöchel weiß wurden. Es gab eine Menge Schmutz hier. Immer etwas zu tun. Wenn es hart war, musste sie die Zähne zusammenbeißen und an den wunderschönen Fliederbusch in ihrem Garten zu Hause denken. In ihrem früheren Zuhause, verbesserte sie sich dann schnell. Es gab kein Zurück. Sie wusste es. Sie wollte sich nicht mehr erinnern, wollte es aus ihrem Kopf löschen. Für immer. Sie war jetzt hier. Das Leben ging weiter. Missmutig gab sie ihrem Putzwagen einen Stoß. Der Gedanke an Zuhause machte sie immer missmutig. Dabei hatte sie sich vorgenommen, mit einem Lächeln durchs Leben zu gehen. Sie tauchte den Mopp in den Eimer mit der chemisch riechenden Putzbrühe und wischte den Boden blank. Das schwarz-weiße Muster war wunderschön. Versunken zog sie den Wischer hin und her und begann zu summen. Mit der Hüfte stieß sie den Wagen weiter, um ihn in der Nähe zu haben. Plötzlich stockten die Räder. Ein Schwall Wasser ergoss sich aus dem Eimer und floss über ihre Schuhe.
„Scheiße!“, murmelte sie. Eines der ersten Wörter, das sie auf Deutsch gelernt hatte. Sie hatte es in der U-Bahn aufgeschnappt und immer wieder vor sich hingemurmelt, um es nicht zu vergessen, ohne zu wissen, was es bedeutete. Heute kannte sie die Bedeutung und meinte es auch genauso. Ihre Socken waren nass. Sie zog sich den durchweichten Stoff von den Füßen. Ärgerlich schob sie den Wagen zur Seite um nachzusehen, was ihr in die Quere gekommen war. Regungslos blieb sie stehen und starrte auf den Boden. Dann schlug sie sich die Hand vor den Mund. Sie kannte ihn. Seine leeren Augen starrten sie an. Sein Mund stand offen. An dem sauber abgetrennten Kopf und den schwarzen, vollen Locken klebte Blut. Bewegungslos stand sie da und dann brachen die Schreie unkontrolliert aus ihr heraus.