Blond ist der Tod
Blond ist der Todvon Petra Würth
Heyne Verlag
ISBN 978-3453406766
Preis 7,95 €
BLOND, REICH, TOT?
Pia Petry erhält einen bizarren Auftrag: Die Frau eines zwielichtigen Immobilienspekulanten liegt nach einem Stromschlag im Koma. Ihre Tochter macht Jahre später eine Rückführung und glaubt sich auf einmal daran erinnern zu können, dass ihre Mutter in einem kurzen wachen Moment behauptet hat, man habe sie töten wollen. Pia reagiert skeptisch. Doch schon die erste Zeugin, die sie aufsucht, wird brutal ermordet.
Während Pia Petry versucht, Licht in die obskuren Familienverhältnisse ihrer Klientin zu bringen, kommt ihr Nachbar Siegfried Rebbelmeier auf die absurde Idee, im Keller sei eine junge Frau getötet worden, bereitet ihr Assistent Martin Cornfeld heimlich eine Geburtstagsparty für seine Chefin vor und verguckt sich Pia in den Ehemann des Opfers. Ausgerechnet der aber ist höchst verdächtig.
…………………………………………………………………………………………………………………………………………………………..
Petra Würth,
wurde in Saarbrücken geboren, studierte in München Betriebswirtschaft und war zwölf Jahre lang in der Werbung tätig. Eher zufällig begann sie 1997 während einer Zugfahrt ihren ersten Kriminalroman “Unter Strom” und schuf mit Pia Petry eine frech-chaotische Privatdetektivin, die sich inzwischen erfolgreich als Serienfigur etabliert hat. Pia Petrys zweiter Fall “Frau aus Glas” wurde 2002 für den FrauenKrimiPreis nominiert. 2005 erschien “Blutmond – Wilsberg trifft Pia Petry”. Das erste Buch, das Petra Würth zusammen mit dem Autor Jürgen Kehrer geschrieben hat. “Blutmond” schaffte den Sprung unter die fünf besten deutschsprachigen Kriminalromane und wurde 2006 für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Dr. Gaby Raudszus schrieb in BILD AM SONNTAG: “Die Autorin hat mit Pia Petry eine vielschichtige Figur erfunden, eine Frau voller Widersprüche. Flapsig und unsicher, großspurig und romantisch. Die Handlung ist spannend bis zur letzten Seite. Geradezu süchtig macht der Stil: schräg und witzig, locker und frisch.”
http://petra-wuerth.de
…………………………………………………………………………………………………………………………………………………………..
Drei Fragen an Petra Würth
Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn?
Wissen Sie, Typen wie John Steed, Columbo oder Detektiv Rockford konnte ich schon als junges Mädchen nicht widerstehen. Da war es kein Wunder, dass ich ziemlich schnell auf die schiefe Bahn geraten bin.
Wie viele Verbrechen gehen auf ihr Konto?
Dazu mache ich keine Angaben. Und außerdem möchte ich jetzt bitte meinen Anwalt anrufen.
Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Ich war jung und brauchte das Geld.
…………………………………………………………………………………………………………………………………………………………..
Leseprobe
Kapitel 1
Der Tag fängt gut an. Der Wecker hat nicht geklingelt. Schlaftrunken starre ich auf das Zifferblatt. Doch mich treibt ein ganz anderes Geräusch aus dem Bett. Irgendjemand ist mit seinem Finger in der Türklingel stecken geblieben. Durch das Dauergebimmel werde ich nicht nur wach, sondern auch ziemlich sauer.
Mein lieber Nachbar, Siegfried Rebbelmeier, steht vor der Tür und grinst mir ins Gesicht. Er ist der Traum jeder alleinstehenden Frau. Groß, dick, ungepflegt und immer einen süffisanten Spruch auf den Lippen.
„Na, Madame“ – wie liebe ich dieses Madame –, „ist heute Nacht wohl spät geworden?“
Ich blinzle ihn aus verquollenen Augen an. Freundlich wie ich bin, helfe ich seiner schmutzigen Fantasie ein bisschen auf die Sprünge. „Ja, ziemlich spät. Hab jede Menge Jungs vernascht.“
„Dabei haben Sie wohl was verloren“, sagt er grinsend und hält mir einen grünen Damenslip unter die Nase.
„Nein“, sag ich, „Grün ist nicht meine Farbe, nicht bei Unterwäsche.“
Das Geheimnis um den grünen Slip ist so schnell nicht zu lüften. Soll er ihn doch behalten, ihn sich über den Kopf stülpen, tief durchatmen und im Rausch seiner miesen Gedanken versinken. Ich muss weg. Es ist schon acht, und ich muss die Maschine um 9.25 Uhr nach Frankfurt erwischen.
Mit einem kurzen Tschüß verabschiede ich Rebbelmeier, sprinte ins Bad und springe unter die Dusche. Mit noch feuchten Haaren schlüpfe ich in eine Jeans und ein Paar hochhackige Pumps, zwänge mich in eine weiße Bluse und werfe mir zu guter Letzt ein schwarzes Jackett über. Schminken werde ich mich auf dem Weg zum Flughafen.
Taxi, denke ich, ich rufe ein Taxi. Dafür muss ich aber erst einmal das Telefon finden. Als ich es endlich unter dem Sofa hervorzerre, stelle ich fest, dass der Hörer einen Riss hat. Wie ist das denn passiert? Egal, es funktioniert.
„Hallo, hier Petry, Pia Petry, Husumer Straße, ich brauche ein neues Telefon. Oh sorry, ein Taxi natürlich, ich brauche ein Taxi. Kommt erst in zwanzig Minuten? Danke, da fahr ich lieber selbst.“
Frankfurt gehört nicht unbedingt zu meinen Traumzielen. Als ich dem Taxifahrer jedoch die Straße nannte, pfiff er anerkennend durch die Zähne. Die Adresse scheint etwas Besonderes zu sein. Das ist dann auch nicht zu übersehen. Noble Gegend, ein altes Patrizierhaus reiht sich an das nächste. Es riecht nach Geld, nach richtig viel Geld.
Wir halten vor einer gelben Villa, die durch einen hohen Zaun und ein großes Eingangstor von der Außenwelt abgeschirmt wird. Als ich auf meinen Pumps die gekieste Auffahrt hoch laufe, bin ich vom Ambiente so hingerissen, dass ich über eine Honorarerhöhung nachzudenken beginne. Vielleicht sollte ich statt meines üblichen Stundensatzes von achtzig Euro lieber hundert verlangen, oder fände Frau Dujack das unverschämt? Reiche Menschen sind ja oft geizig. Aber neunzig Euro müsste sie eigentlich akzeptieren. Nachdem ich einen Range Rover und einen Porsche passiert habe und fast gegen einen der mit Buchsbaumkugeln bepflanzten Terrakottatöpfe gelaufen wäre, entschließe ich mich doch wieder zu der Hundert-Euro-Forderung. Mein Entschluss verfestigt sich beim Anblick der massiven Eingangstür mit schwerem Messingklopfer. Ich klopfe. Und tatsächlich, wer hätte es gedacht, ein Butler öffnet mir die Tür.
Er führt mich in ein Wohnzimmer, das mit satten hundert Quadratmetern, einem offenen Kamin und edlen Art-deco-Möbeln einen beeindruckenden, aber irgendwie auch unbewohnten Eindruck macht. Vorsichtig lasse ich mich auf einem schwarzen Wildledersofa nieder und bewundere die Aussicht in den parkähnlichen Garten, dessen Größe ich gar nicht erst abzuschätzen versuche.
Da geht auch schon die Tür auf, und meine neue Klientin kommt herein. Sehr groß, sehr blond, sehr jung und sehr hübsch. Eine einzige wandelnde Ungerechtigkeit. Sie ist gut einen halben Kopf größer als ich, was ihr die Möglichkeit gibt, auf mich herabzusehen. Genauso herablassend wirken ihr Lächeln und der leicht arrogante Zug um ihren Mund. Bemüht, nicht gleich beim ersten Treffen stutenbissig zu reagieren, strahle ich sie freundlich an.
Mit wohlgesetzten Worten bedankt sie sich für mein Kommen und fordert mich auf, wieder Platz zu nehmen. Sie wird doch nicht studiert haben, schießt es mir durch den Kopf. Ich reiße mich zusammen, besinne mich auf meine Rolle als toughe Businessfrau und nenne meinen nun auf hundertzwanzig Euro angestiegenen Stundensatz, weise auf die Spesen hin und überreiche ihr meine Visitenkarte. Sie reagiert gelassen.
„Ja, das geht in Ordnung.“
Dabei betrachtet sie meine Karte. „Warum heißt Ihre Firma denn P-Quadrat?“
„P-Quadrat ist eine Abkürzung für meinen Namen, Pia Petry.“
Dann leite ich auf unser Telefonat über und frage, was es denn jetzt mit ihrer Mutter und diesem ominösen Unfall auf sich habe.
„Tja“, antwortet Frau Dujack, „das ist eine merkwürdige Geschichte.“
* * *
Frühere ‘Empfehlungen der Woche’ finden Sie hier >>





Mord unter Segeln