Jochen Bender

Jochen Bender

Schreiben bedeutet Auseinandersetzung. Mit meinen Büchern will ich zu einer Welt beitragen, die nicht wenige hippe Metropolen idealisiert, sondern Heimat als lebens- und liebenswert akzeptiert. Frei nach Lessing sollen meine Romane nicht vom Feuilleton gelobt, sondern von den Menschen mit Spaß gelesen werden. 

In Landau und Tübingen stüdierte ich Psychologie. Seit 1993 arbeite ich als Psychologe in unterschiedlichen Kontexten, die von der Kriminologie und dem Frauenknast über die Behinderten-, Sucht- und Obdachlosenhilfe bis zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen reichen. So lerne ich auf vielfältige Weise aus psychologischer Perspektive menschliche Abgründe, Ängste, Stärken und Hoffnungen kennen.

Als leidenschaftlichem Leser war mir schon früh klar, dass schreiben mein Weg ist, mich kreativ mit der Welt auseinanderzusetzen. Meinen ersten Roman verfasste ich als Student, aber erst 2011 wurde mein erster Krimi veröffentlicht.

Autorenhomepage

Termine mit Jochen Bender

Wann Was Wo
01. Mai 18
20:15 Uhr
Die Krimi-Quickes
Mord und Totschlag im Minutentakt
Dormero Hotel
Leipziger Straße 76
06108 Halle (Saale), Deutschland
02. Mai 18
14:00 Uhr
Krimiautoren retten Leben
Die Blutspende-(Lese)-Aktion
Blutspendemobil vor der Ulrichskirche
Christian-Wolff-Straße 2
06108 Halle (Saale), Deutschland
 

Bücher von Jochen Bender

Der Ginkönig muss sterben

Der Ginkönig muss sterben

Schwabenflucht

Schwabenflucht

An der Kante

An der Kante

Tödlicher Handel

Tödlicher Handel

Die Millionen von Neresheim

Die Millionen von Neresheim

Dienstage & Silvester

Dienstage & Silvester

Blinde & Gangsta

Blinde & Gangsta

Ein feiges Attentat

Ein feiges Attentat

Leseproben & Dokumente

Leseprobe aus Schwabenflucht

Einmal mehr hatten wir ein Saufgelage als Gin-Verköstigung getarnt. Spät in der Nacht lallte Ameer im Suff, die deutschen Gipfelkreuze diskriminierten ihn als Moslem. Am Wochenende zuvor hatten wir vier eine Bergtour auf den Hochvogel unternommen, auf der Ameer die Kultur der Gipfelkreuze kennenlernte. Bis zu jenem Tag hatte ich nie einen Gedanken daran verschwendet, dass Gipfelkreuze ein christliches Symbol sein könnten.
Als er sich über diese christliche Symbolik beschwerte, befanden wir uns in einem Zustand, in dem der Alkohol längst jegliche Vernunft fortgespült hatte. Wie sonst hätte es zu einer Diskussion darüber kommen können, jedes wievielte Bergkreuz durch einen goldenen Halbmond zu ersetzen sei? Wir hatten unseren Spaß, ich bereits am darauffolgenden Tag die Diskussion wieder vergessen. Nicht so Paul und Kevin, die als Maschinenbau-Studenten verkatert öde Pflichtstunden in den Werkstätten absaßen.
Ein Foto von uns vier unter dem Gipfelkreuz bildete den Ausgangspunkt ihres Plans. Auf dem Bild war deutlich zu sehen, dass das große Kreuz durch nur zwei Schrauben mit den massiven Stahlträgern seines Fundaments verbunden war. Die beiden berechneten die Maße und erstellten die technische Zeichnung eines Gipfelhalbmonds in Leichtbauweise, der sich in vier Teile zerlegt auf unseren Rücken zur Bergspitze tragen ließ.
An einem weiteren Abend mit reichlich Alkohol stellten sie uns ihre Entwürfe vor. Wir amüsierten uns königlich über die Vorstellung, was wohl im Allgäu los wäre, wenn wir heimlich den Hochvogel zum Islam bekehrten. Der aus dem Allgäu stammende Paul hielt einen Wochentag im Oktober für den idealen Zeitpunkt einer Missionierung des markanten Gipfels. Mit Geschick und Feuereifer machten er und Kevin sich an die Arbeit. Seinen Worten entnahm ich, dass er noch eine Rechnung mit den stieren, erzkonservativen Allgäuern offen hatte.
In aller Frühe fuhren wir an einem Dienstag im Oktober ins Allgäu. Bei Tagesanbruch machten wir uns bei grau verhangenem Himmel auf den Weg zum Gipfel. Ich war wegen des Himmels skeptisch, aber Paul meinte, bei diesem Wetter seien wir garantiert die Einzigen dort oben. Anfangs war ich nervös. Die verpackten Teile des Halbmonds lugten aus unseren Rucksäcken. Jeder würde uns ansehen, dass wir was Krummes vorhatten. Aber wie von Paul vorhergesagt, begegneten wir tatsächlich niemandem. So beruhigte ich mich rasch.
Auf der Spitze löste Paul die Schrauben des Gipfelkreuzes. Mit Seilen und einem selbstgebauten Flaschenzug sicherten wir drei Übrigen die schwere Konstruktion aus Stahl und Holz vor dem Umfallen. Bald lag sie flach neben ihrem Fundament. Beim Zusammensetzen unseres Halbmonds erfasste uns eine fiebrige Erregung. Wir malten uns in den schillerndsten Farben aus, wie die Allgäuer wohl reagieren würden, kicherten hysterisch bis albern. Als wären wir ein eingespieltes Team, das seit Jahren Kreuze durch Halbmonde ersetzte, benötigten wir keine Stunde. Bald war das Werk vollbracht. Schnell machten wir noch ein paar Fotos von uns unter dem Halbmond, mit einem breiten Grinsen im Gesicht und Victory-Zeichen in den Fingern. Dann eilten wir den Berg wieder hinunter. Die letzten Meter stiegen wir im Schein unserer Stirnlampen ab. Noch in der Nacht fuhren wir zurück nach Karlsruhe. Wir wollten keinerlei Spuren im Gästeverzeichnis einer schäbigen Pension hinterlassen.
Gespannt durchforsteten wir am nächsten Morgen, nein, es war wohl schon eher Mittag, das Internet nach Reaktionen. So oft wir auch Begriffe wie „Halbmond“, „Hochvogel“ oder „Gipfelkreuz“ eingaben, nichts wies auf unser Tun hin. Auch am Donnerstag blieb zu unserer Enttäuschung alles ruhig.
Am Freitag brach dann der Sturm los. Endlich hatten die Allgäuer entdeckt, welches Ei wir Ihnen ins Nest gelegt hatten. Ein verknitterter Almödi empörte sich öffentlich und alle Empörten der Republik stiegen hasserfüllt darauf ein. Galt anfänglich der Hass rein den Tätern, also uns, richtete sich neuer Hass rasch gegen die Hasser. So hasste bald so ziemlich jeder jemanden.
Spätestens, als eine Diskussion einsetzte, jedes wievielte Gipfelkreuz als Schutz gegen Diskriminierung durch Gipfelhalbmonde zu ersetzen sei, verflog unsere Belustigung. Zudem erfuhren wir über die Medien, dass schon seit einiger Zeit um die Gipfelkreuze ein Kulturkampf tobte. Im Sommer 2016 waren in Bayern drei Gipfelkreuze zerstört worden, eines davon am zweitausendeinhundert Meter hohen Gipfel des Schafreiter. Reinhold Messner, der gerne alles rund um die Berge kommentiert, äußerte daraufhin „Gipfel sollten leer sein und nicht für irgendeine Religion missbraucht werden“. Hätte der Guru uns dies doch nur rechtzeitig persönlich gesagt! Vielleicht hätten wir auf ihn gehört. So führten wir viel zu spät eine halbherzige Diskussion, ob es die Situation entschärfen würde, wenn wir uns zu erkennen geben und das Ganze als Dummer-Jungen-Streich darstellten. Mitten in unsere Diskussion platzte die Meldung von den zwei Toten in Dresden.