Kein Fernsehabend ohne Krimi oder CSI-Serie. Wie stark beeinflusst uns das? Werden Verbrecher durch Krimis besser? Unbescholtene Zuschauer jedenfalls lernen davon, sagen Wissenschaftler. Von Tanja Walter

Mehr als 14 Millionen Zuschauer lockte 2017 ein Münster-"Tatort" vor den Fernseher. Ob Krimis, CSI-Serien oder Sendungen zur Verbrechensaufklärung wie Aktenzeichen XY – Verbrechen faszinieren sehr viele Menschen.

Und was wir dort sehen, geht keinesfalls spurlos an uns vorüber, sagt Kommunikationswissenschaftlerin Carina Jasmin Englert. TV-Serien können den Zuschauer beeinflussen. "CSI-Effekt" nennt sich dieses Phänomen. Aber wie genau können fiktive Inhalte auf das reale Leben abfärben? Wie beeinflusst die Darstellung von Verbrechen die Verbrechensaufklärung? Das wollte auch Englert wissen und stellte dazu eine Studie an. Polizisten, Richter, Staatsanwälte und Kriminaltechniker fragte die Forscherin dazu nach ihrer Meinung.

Das Ergebnis ihrer Untersuchungen: Duch das Krimigucken erwerben Zuschauer gewisse Kompetenzen. "Natürlich werden wir nicht alle zu Hobbydetektiven, aber der Zuschauer erwirbt eine gewisse Kenntnis über die Ermittlungsmöglichkeiten", sagt Englert, die mittlerweile für das Landespolizeipräsidium Hessen arbeitet.

Sie beobachtet einen Unterschied zwischen deutschen und amerikanischen Serien. In den USA gehe es eher darum, Täter abzuschrecken und die "Wir kriegen jeden"-Botschaft zu verbreiten. Die Macher deutscher Serien legten den Fokus darauf, nicht alles zu offenbaren, was ermittlungstechnisch in der Realität möglich sei.

Krimis fördern logisches Denken

In der praktischen Polizeiarbeit zeige sich, dass Zuschauer durch Krimiserien etwas über Verbrechensaufklärung lernen. Das allerdings habe zwei Seiten. Die positive Seite: Die Menschen wissen eher, was Verbrechensaufklärung heiße. Sie seien dadurch stärker für potentielle Verbrechenssituationen sensibilisiert, beispielsweise wegen der Einbruchgefahr nicht die Terrassentür offen stehen zu lassen, wenn sie duschen gehen. "Wenn im Dunkeln jemand um ein Auto schleicht, werden sie eher skeptisch und schauen genauer hin", sagt die Wissenschaftlerin.

Die Polizei stelle zudem fest, dass Zeugen Uhrzeiten genauer benennen können, sich eher an das Aussehen und die Bekleidung von Personen erinnern können. Auch förderten kriminalistische Serien das logische Denken. CSI-Zuschauer können laut Englert oft Zusammenhänge besser erkennen.

Gefährliches Halbwissen

Die negative Seite des Lernens durch solche Serien: Manchen Kleinigkeiten werde zu viel Bedeutung beigemessen. Das könne auch auf eine falsche Fährte führen. Es komme dadurch schneller zu einem Informationsüberfluss, so das Ergebnis der Befragung unter Kriminalisten und Ermittlern.

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